Donnerstag, 27. Dezember 2012

Denk positiv! ...?

Mich erreichte eine kleine Nachfrage zu folgender Aussage:
Sich zu sagen, alles sei toll, ist aus psychohygienischer Sicht sicherlich besser, als negativen Gedanken nachzuhängen. Bloß davon abgesehen bringt es nicht allzu viel.
 Halte ich nun positives Denken für gut oder schlecht? Ich neige zum Pragmatismus und sehe es daher so, dass das durchaus als so genanntes "Pattern Interrupt" dienen kann (eben indem man damit negative Gedankenschleifen unterbricht, was gut ist). Ansonsten nur ist es mein Glaube (ich behaupte nicht, hier DIE WAHRHEIT zu kennen - ich vertrete nur meine Weltsicht), dass das Universum nicht unser persönlicher Wunschbrunnen ist. Sollte ich damit richtig liegen (und für mich deutet eine Menge darauf hin - oder haben sich die 250.000 Toten des Weihnachtstsunamis 2004 alle ein nasses Grab gewünscht? Um nicht Godwins Gesetz auszulösen...), dann hat es schlicht überhaupt keine über die Unterbrechung hinausgehende positive Wirkung. Umgekehrt natürlich kann es sich negativ auswirken - schwere Krankheiten werden nicht dadurch weggehen, dass man sich selbst einredet, man sei gesund. Ebensowenig wirst du zu Reichtum gelangen, wenn du dir immer nur selbst einredest, "bald habe ich fünf Millionen Euro und spende die Hälfte einem gewissen Blogger, weil er mich auf die Idee gebracht hat!"

Wenn man wirklich Ziele erreichen will, ist eine positive Grundeinstellung durchaus empfehlenswert - aber nicht bloßes sich selbst etwas einreden, sondern zielgerichtetes Denken und Handeln. (Gollwitzer sprach hier von realisierungsorientierter Bewusstseinslage.)

Was positives Denken durchaus erreichen kann, ist am Selbstbild etwas zu verändern. Problem dabei ist nur, dass das verhältnismäßig ineffektiv ist. Ja, es funktioniert. Aber es hat etwas davon, ein Kreuzfahrtschiff mit Paddeln zu bewegen. Da gibt es einfach um Welten wirkungsvollere Methoden.

Nur umgekehrt muss man da auch sehen, sich selbst gut zuzureden ist immer noch besser als sich negativ zuzureden. Das ist auch eine Folge der Evolution: Gemeinhin reagiert unser Organismus (egal ob Körper oder Geist) auf negative Reize erheblich stärker als auf positive, weil es bei negativen Reizen in der Entwicklungsgesichte meist um Leben und Tod ging. Sich selbst immer negativ zuzureden kann daher viel leichter zu emotionalen und motivationalen Konsequenzen führen.

Allerdings lassen sich negative Gedankenschleifen auch viel einfacher unterbrechen. Sie "nicht füttern" (Aufmerksamkeitsfokus nicht darauf richten) und sobald wie möglich an etwas anderes denken. Oder sie durch ein Signal unterbrechen (z.B. mental "Stopp!" sagen) und dann an etwas anderes denken.

Aufmerksamkeit ist ein interessantes Thema. Irgendwann sollte ich darüber mal schr--- oh, ein Vogel!

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