Mittwoch, 19. Dezember 2012

Die Macht der Symbole

Gestern habe ich einen Weihnachtsbaum geschmückt. Die Weihnachtszeit ist seltsam, nicht wahr? Voller Symbole: Weihnachtsbäume, Nikoläuse und Weihnachtsmänner, Krippen und Lichterketten. Und, ganz unabhängig von der religiösen Einstellung, löst Weihnachten bei den meisten Menschen Gefühle aus.

Gefühle aus der Kindheit. Gefühle anhand von Erwartungen. Gefühle der Dissonanz (da die Weihnachtszeit eben oft auch stressig ist). Ich erinnere mich da an einen Artikel in einer lokalen Zeitung, der sicherlich schon über ein Jahrzehnt zurückliegt: Es ging darum, dass der November für die meisten Menschen deprimierender ist als der Dezember, weil der November noch nicht vom Licht des Advents erhellt worden würde.

Ja, toll, nein. Es ist nicht das Licht der Weihnachtszeit, es sind die Symbole. Die sind für die meisten Menschen positiv besetzt. Lösen entsprechend positive Erinnerungen aus, und aktivieren (vergleiche die erwähnten kognitiven Netzwerke im Werbeartikel I) andere positive Netzwerkknoten. Ein Dominoeffekt.

In dem Fall ein guter. Symbole sind deshalb interessant, weil Teile des Verstands in Symbolen arbeitet. Gerade im emotionalen und motivationalen Bereich. Volition ("Willenspsychologie")? Ja, da ist der logische und linguistische Teil extrem stark. Wenn dir das Finanzamt sagt, "mach deine Steuererklärung, sonst...!", dann mag das funktionieren. Wenn ich dir sage, "sei jetzt fröhlich!", dann... bist du fröhlich? Wenn ja, warst du noch nicht fröhlich, bevor ich dich dazu aufforderte? Siehst du. Das funktioniert nicht.

Symbole sind eine Möglichkeit (aber nicht die einzige!), um auch Emotionen und Motivationen zu beeinflussen. Die Weihnachtszeit zeigt dies sehr gut. Und auch soziale Programmierung. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun ist es leider so, wie so oft, dass alles, was eine gute Seite hat, wie eine Münze eine andere Seite hat, und die meist eher schlecht ist. Symbole müssen nicht immer positiv sein. Wir haben in unserer Umwelt meist auch eine Menge Symbole, die uns negativ emotional beeinflussen. Ich erinnere mich da an eine Studie, bei der die bloße Anwesenheit eines aggressiv besetzten Symbols im Raum dazu führte, dass die Versuchspersonen sich signifikant aggressiver verhielten. Was auch kein Wunder ist - ich erinnere an das, was ich oben schrieb, was ich auch schon bei der Werbung erwähnte: Kognitive Netzwerke. In dem Fall stammt die Studie zwar aus der Sozialpsychologie, das dahinterliegende Prinzip jedoch findet sich in der allgemeinen Psychologie.

Genauso können Symbole gezielt verwendet werden. Positiv und negativ. Sicherlich auch ein Weg, über den Werbung wirkt. Auch die Politik nutzt Symbole meist exzessiv. Als positiven Kontrast, man kann damit auch in der Therapie eine Menge erreichen.

Übrigens das mächtigste mir bekannte Symbol?

Unser Geld.

Die Münzen und Scheine sind letztendlich nur Symbole für einen bestimmten Wert. Ist an sich auch ziemlich einfach zu erkennen - denn warum soll ein 500€-Schein mehr wert sein als ein 10€-Schein? Was sind soundsoviel € überhaupt? (Lustigerweise auch ein Thema, das Pratchett schon mal aufgegriffen hat - ich mag Pratchett.)

Nein, jetzt bitte nicht tief in die Wirtschafts- und Finanzwissenschaften gehen - nur einfach darüber nachdenken, welche Macht Symbole entfalten können.

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