Freitag, 28. Dezember 2012

Ethik und andere Schwierigkeiten

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass die richtig berühmten Experimente der Psychologie schon einige Jahrzehnte auf den Buckel haben. Man denke da an den kleinen Albert (Furchtkonditionierung von Kindern), das Milgram-Experiment (Autoritätshörigkeit), die Stanford-Gefängnisstudie (Auswirkungen von Status), oder auch so Späße wie der Hawthorne-Effekt (Produktivitätssteigerung durch Veränderungen), und viele, viele mehr.

Heutzutage geht so etwas nicht mehr. Weil es völlig zurecht durch keine Ethikkommission mehr durchkommt - immerhin hat man es mit Menschen zu tun, nicht mehr mit Versuchsratten. Stattdessen hat man dann Experimente, die ganz spezielle kleine Verhaltensweisen betrachten, oder über Korrelationen arbeiten. Auf diese Weise werden auch viele neue Erkenntnisse gewonnen, sehr wertvolle sogar, sie sind bloß nicht so eindrucksvoll.

Ist dies das eigentliche Problem? Der geringe "Wow!"-Effekt? Hm. Vielleicht. Die Puzzlestücke sind relativ klein. Die Ergebnisse meist sehr kontextsensitiv. Der allgemeine Erkenntnisgewinn, die Ausweitbarkeit, die Einsicht in die Natur des Menschen, nur sehr bedingt.

Nur muss man auch dazu sagen, bei komplexeren Situationen erzeugt man auch teils sehr komplexe Sachverhalte. Nehmen wir Emotionen! Hast du schon einmal reine Wut, reine Enttäuschung, reine Traurigkeit, reine Freude, reine Liebe gespürt? Am Ende sind es doch meist ganze Emotionsgeflechte, zusammen auftretende Gruppen von Emotionen, die da hervorkommen. So etwas experimentell zu untersuchen stelle ich mir schwierig vor - von den ganzen anderen Faktoren einmal abgesehen, welche die Erforschung im Labor schwierig machen.

Irgendwie muss ich gerade daran denken, wie es da die Geisteswissenschaften machen. Dort werden qualitative Methoden teils sehr groß geschrieben, während jene in der Psychologie bisher eher eine untergeordnete Rolle spielen. Bloß sind qualitative Methoden, gerade in der Psychologie, oft komplett in die Irre führend. Da hat man dann vielleicht einen komplexen Sachverhalt und ein hochgradig für die Praxis relevante Fragestellung, und am Ende kann man mit der Antwort nichts anfangen, weil sie sich dummerweise nicht quantitativ beweisen lässt (lies: Man keine Vorhersagen daraus ableiten kann, die sich dann auch bestätigen).

Schlecht.

Ich weiß nicht, ob es eine Moral von der Geschichte gibt. Ich weiß nicht einmal, weshalb genau ich das gerade schreibe. Vielleicht auch nur, weil ich gerade an eine 'Studie' denken musste, die voll auf das hier geschilderte Problem hereingefallen ist.

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