Samstag, 22. Dezember 2012

Positives Denken, Selbsthypnose, Meditation und Blumen!

Gestern wurde ich gefragt, was denn die Unterschiede zwischen Selbsthypnose, Meditation und positivem Denken sei.

... und wieder hat es nicht mit dem Ende von Alice geklappt ...

(Vorab: Kongruenz = so etwas wie "Zusammenpassung". Wenn man lächelt und in fröhlicher Stimme spricht und eine offene Körpersprache zeigt, dann ist man kongruent. Lächelt man hingegen, spricht man eher gequält und zeigt eine verschlossene Körpersprache, ist man inkongruent.)

Die Antwort darauf ist komplex, weil es eine wirklich seltsame Frage ist. Hauen wir erst einmal das 'positive Denken' weg: Sich zu sagen, alles sei toll, ist aus psychohygienischer Sicht sicherlich besser, als negativen Gedanken nachzuhängen. Bloß davon abgesehen bringt es nicht allzu viel. Ich habe ja mal ein wenig über Rahmen gesprochen - das Problem am positiven Denken ist, dass es in aller Regel inkongruent zum Rahmen ist (weil man es ansonsten nicht bräuchte), und den Rahmen selbst nur schwerlich beeinflussen kann. Aber, wie gesagt, psychohygienisch ist es sinnvoll. Denn bei einem negativen Rahmen sich negativen Gedanken hinzugeben verstärkt diesen noch, denn die sind kongruent. In dem Sinne verhindert es negative Gedankenschleifen, und unterbricht jene.

Selbsthypnose nun fängt an, mit anderen gedanklichen Zuständen zu arbeiten. Wie im ersten Post zum Thema erklärt, ist das zentrale Element jedweden hypnotischen Zustands, dass der wache Verstand gewissermaßen abgelenkt ist, seine Aufmerksamkeit von etwas anderem absorbiert wurde. Aus dem Grund wirkt Selbsthypnose schon einmal besser als positives Denken, weil währenddessen etwaige Rahmenfilter außer Funktion sind. Wie erfolgreich Selbsthypnose genau sein kann, hängt davon ab, was und wie man sich da versucht, etwas einzutrichtern. Was auch im normalen Wachzustand wirkt, kann in seiner Wirkung dann noch verstärkt werden. Was aber im normalen Wachzustand nicht wirkt, wirkt auch dann nicht. Hypnose ist kein mythischer Zustand. Diese ganzen Hypnoseshows wirken in erster Linie durch etwas, was dir auch schon bekannt sein sollte: Vorab-Rahmensetzung.

Meditation nun kann alles mögliche sein. Meist jedoch geht es da aber nicht darum, den wachen Verstand auszuschalten, sondern etwas mit ihm zu machen. Was ebenfalls zu einer veränderten Bewusstseinslage führt, aber mit gänzlich anderer Intention und Ausprägung.
Aufmerksamkeit ist ein hochinteressantes Thema. Tatsächlich lassen sich eine Reihe psychischer Störungen auch als eine Störung der Aufmerksamkeit verstanden werden kann.

Nein, ich meine nicht AD(H)S. Nehmen wir einmal soziale Phobie: Wie laufen dabei die Aufmerksamkeitsprozesse ab? Aus Sicht des Betroffenen findet sich dort einerseits eine Fokussierung auf sich selbst und die eigenen wahrgenommenen Unvollkommenheiten, die hinderlich ist. Andererseits eine andere nicht auf die aktuelle Situation im Umgang mit anderen, sondern auf die erwarteten negativen Konsequenzen. Eine ziemlich destruktive Kombination.

Die meisten Meditationen nun beruhen darauf, auf ihre Weise die Aufmerksamkeit zu kontrollieren. Mit völlig unterschiedlichen Zielen. Dabei geht es nicht darum, wie bei der Selbsthypnose, den Verstand durch etwas zu beschäftigen, sondern im Gegenteil den Verstand (und dessen Aufmerksamkeit als Fokuslinse) bewusst zu steuern.

Insofern könnte man sagen, Meditation und Selbsthypnose haben so viel gemein wie eine Palme und eine Lilie. Beides sind Pflanzen (bzw. andere Bewusstseinszustände), aber das war es dann auch schon fast. Interessanter sind die Funktionen der einzelnen Sachen. Das eine gibt uns Kokosnüsse, das andere Zierblüten.

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