Sonntag, 30. Dezember 2012

Worte lassen das Gehirn schrumpfen!

Ich wollte schon immer eine Schlagzeile haben, die bildwürdig ist. Worum es mir eigentlich geht, war die Vorstellung anzugreifen, dass gedankliche und verbale Vorgänge einerseits und körperliche Vorgänge andererseits komplett getrennte und sich nicht beeinflussende Sphären seien.

Mir fielen da viele schöne Beispiele aus dem Alltag ein.

Aber wesentlich reißerischer ist da etwas anderes. Sprechen wir über die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD): Sie tritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bei Personen auf, die in ein traumatisches Ereignis verwickelt waren. Nun hat die PTSD den 'Vorteil', dass man da ein zentrales auslösendes Element kennt - entsprechend wurden Programme entwickelt, um den Betroffenen direkt vor Ort zu helfen, damit nicht (mit einer gewissen Verzögerung) sich eine PTSD entwickelt.

Auch wenn ich dafür bestimmt wieder viele böse E-Mails bekomme, die klinische Psychologie hat einen Nachteil: Tierversuche sind nicht möglich. Medikamente werden auf die gröbsten Nebenwirkungen erst (und, von tragischen Ausnahmefällen abgesehen, auch relativ erfolgreich) an Tieren getestet, aber bei Therapie- und Präventionsmethoden im psychologischen Bereich geht das nicht.

Und man kann jetzt auch nicht einmal experimentell dort herangehen und freiwillige Versuchsgruppen einem Trauma aussetzen. Ergo: Die Methoden zur PTSD-Prävention wurden, nachdem sie entsprechend theoretisch untermauert waren, in der Praxis angewandt.

Wer konnte ahnen, dass Methoden, die bei der Behandlung von PTSD durchaus nützlich sind, bei Traumaopfern ohne PTSD Probleme verursachen können? Ich meine, Methoden, die gezielt den dysfunktionalen Umgang mit Traumata korrigieren auf Leute loszulassen, die vielleicht eigene und durchaus funktionale Umgangsweisen haben? Wie kann das schon schiefgehen?

Übrigens: Eine der körperlichen Symptome der PTSD ist, dass das Gehirnvolumen schrumpft.

Was mich auf die Mitte zurückbringt: Die ersten Präventionsmethoden sorgten dafür, dass bei den Betroffenen häufiger PTSD auftrat. Entsprechend kurzlebig war deren Einsatz.

(Zur Ehrenrettung von uns Psychologen sollte ich hier aber auch erwähnen, dass die Intervention von Laien durchgeführt wurde, auch wenn mir persönlich die Sache auch methodisch fragwürdig vorkommt.)

Um damit auf den Titel zurückzukommen: Hier haben also über mehrere Schritte Worte das Gehirn geschrumpft, nämlich in den PTSD-Zusatzfällen.

Was wiederum den Kreis schließt: Sind Körper und Geist wirklich so getrennte Sphären?

Hm?

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