Dienstag, 31. Dezember 2013

Ein Blogjahr im Kurzrückblick I

2013 neigt sich dem Ende zu, daher wünsche ich allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich muss zugeben, das Blogformat ist nicht ganz ideal für das, worüber ich manchmal schreibe. Einfach weil neuere Beiträge vor älteren erscheinen. Schwierig dann auf Sachen aufzubauen (Links auf ältere Beiträge zu setzen sind wenig mehr als eine Notlösung). Dennoch glaube ich, habe ich ein paar interessante Beiträge geschrieben.

Besonders gefreut hat mich eine Zuschrift:
"Ich habe vor kurzem über die Grasfresserbewegung in Japan gelesen. Nach Ihren Ausführungen zum Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen habe ich sofort bemerkt, was gegen diese Bewegung versucht wird zu tun - und warum das nicht klappt!"
(Anmerkung: Ich finde es sehr seltsam, wenn im Internet gesiezt wird.)

Tatsächlich halte ich einige der Reihen - über emotionale Zustände, über Rahmen, über die Rahmenbedingungen für Emotionen für die lesenswerteren Beitragsreihen. Entsprechend ist es auch ein Vorhaben für mich fürs kommende Jahr, diese einfacher auffindbar zu machen. Da ich hier meist das herunterschreibe, was mir gerade so durch den Sinn geht, ist der Blog zugegebenermaßen ein wenig unsortiert.

Erstaunlich finde ich dazu im Vergleich, welches die drei am meisten gelesenen Beiträge sind:
  1. Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen V
    Vermutlich, weil es dort so viele Kommentare gibt. Die anderen Rahmenspäße haben nicht einmal ein Bruchteil der Leser.
  2. Eine einfache Frage
    Hier muss ich zugeben, habe ich mich während des Beitrags völlig verlaufen. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes demonstrieren; habe dann aber gemerkt, hey, das ist eigentlich auch nett. Nur ist das sicherlich einer der verwirrensten Beiträge.
  3. Angewandte Weihnachtspsychologie
    Ein absoluter Spaßbeitrag aus den Anfängen des Blogs. Typische Tischgespräche zwischen Psychologen, einmal schriftlich festgehalten. Mit aktuellem Bezug.
 Und nun: Möge 2014 kommen!

Montag, 30. Dezember 2013

Ungeselligkeit - Schüchternheit - Introversion?

Ein Verhalten kann durch ganz unterschiedliche Dinge motiviert sein. Wichtiger als das eigentlich gezeigte Verhalten ist dabei, was dahinter steckt - also warum dieses Verhalten gezeigt wird. Ich muss dabei an eine Abschlussarbeit denken, die ich dieses Jahr begutachten musste. In ihr ging es um die Frage, ob Ungeselligkeit bei Kindern mit geringeren sozialen Fähigkeiten einhergeht - es kam übrigens heraus, dies ist nur für Schüchterne der Fall, aber nicht alle ungeselligen Kindern waren schüchtern.

Denn schauen wir uns einmal an, was es da für mögliche Ursachen für Ungeselligkeit geben kann:
- Schüchternheit: Hier hinter steckt erstens ein starkes Anerkennungsmotiv samt der Befürchtung, aufgrund eigener Unzulänglichkeiten keine Anerkennung zu erhalten.
- Introversion: Extraversion und Introversion haben in gewisser Weise etwas mit dem Energiemanagement zu tun, quasi wo man seine inneren Batterien wieder aufläd. Extravertierte laden ihre Batterien in Gesellschaft vieler anderer Menschen auf, Introvertierte in Abwesenheit vieler anderer Menschen.
- Sozialphobie: Hier steckt die Angst vor anderen Menschen dahinter.
- Fehlendes Geselligkeitsmotiv: Hier sieht die Person schlicht keinen Grund, etwas mit anderen Menschen zu unternehmen.
- Aversiv gepoltes Geselligkeitsmotiv: Hier wird die Anwesenheit von anderen Menschen als unangenehm erlebt.
- Stark ausgeprägtes Unabhängigkeitsmotiv: Hier wird die Anwesenheit von anderen Menschen als Einschränkung der eigenen Freiheit empfunden.

Bei der Liste sollte etwas auffallen. Einem Teil belastet die Ungeselligkeit aus unterschiedlichen Gründen, die anderen nicht. Wenn man nun jemanden zu mehr Geselligkeit motivieren möchte, ist es auch wichtig, den richtigen Ansatzpunkt zu finden. Etwas, was jemanden mit Schüchternheit hilft, wird bei jemanden mit stark ausgeprägtem Unabhängigkeitsmotiv ... eher weniger passen.

Freitag, 27. Dezember 2013

Unkluge Ziele - oder auch: Wenn das Ziel nur der Weg, und der Weg ein Hamsterrad ist

Vor gut einem Jahr schrieb ich über "kluge Ziele". Jetzt kommt das Gegenteil. Dieser wird leider etwas chaotischer. Was folgt ist meine Beobachtung - wahrscheinlich gibt es dazu Forschung, nur jene ist mir nicht bekannt. Und es ist ein etwas komplexeres Thema.

Woran ich hier auch erinnern muss, ist die Wichtigkeit von so genannten States - emotionalen Zuständen, welche das Denken, Entscheiden, Handeln und so weiter stark beeinflussen.

Denn stellen wir uns einmal eine Person vor, die sich in einem negativen Zustand ("nZ") befindet. Diese Person will aus dem nZ heraus. Nun kann es passieren, dass sich diese Person denkt, "wenn ich X habe, dann bin ich glücklich!"

Jetzt kann Folgendes passieren: Die Person versucht, X zu erreichen. Wendet dafür entsprechende Ressourcen auf. Verbleibt dabei aber permanent im nZ. Was jetzt passiert, ist ganz klassisch klassische Konditionierung - sowohl die Bemühung als auch X werden mit nZ assoziiert.

Passiert dies, ist die Person zwischen Skylla und Charybdis gefangen - scheitern die Bemühungen, ist sie frustriert, und der nZ wird verstärkt. Gelingen die Bemühungen, und es wird X erreicht, löst X den nZ aus.

Dies kann dann ein Hamsterrad auslösen - denn dann denkt sich die Person, "hey, vielleicht werde ich ja glücklich, wenn ich Y habe!", oder "hey, vielleicht werde ich ja glücklich, wenn ich 2X habe!", und das Spiel beginnt von vorne.

Wenn du Menschen kennst, die viel erreichen, und dennoch nie glücklich sind - dies ist der Grund. Ich kenne selbst einige, darunter sogar ein Psychologieprofessor, der genau nach dem Schema handelte. Und selbst sagte, "eigentlich, wenn ich so zurückblicke - ich habe alles erreicht, was ich wollte. Glücklich war ich jedoch nie."

Die Frage ist nun, wie kann dies vermieden werden? Die Antworten klingen einfacher, als sie sind:
1. Bei der Verfolgung von X in einem positiven Zustand sein. In gewisser Weise gilt hier (ich bin mir der Ironie bewusst), dass der Weg auch das Ziel sein sollte - bereit es einem Freude, ein Ziel zu erreichen, wird das Ziel mit einem positiven statt einem negativen Zustand assoziiert.
2. Sich an die Funktion, nicht die Form halten. Ziele werden gesetzt, weil irgendein Bedürfnis unerfüllt ist. Konzentriert man sich nun auf die Form, statt auf die Funktion, gelangt man einerseits wesentlich schwerer in einen positiven Zustand bei der Verfolgung, andererseits kann sich die Erreichung des Ziels dann schnell hohl anfühlen.

Das Ganze einmal demonstriert:
Stellen wir uns vor, eine Person fühlt sich nicht sozial anerkannt genug und denkt sich, "wenn ich ein Instrument spielen kann, dann werde ich beachtet!" (man sieht hier schon, wie die Funktion - soziale Anerkennung - von der Form überschrieben wird). Sie beginnt nun, ein Instrument zu lernen, stellt jedoch fest, es macht ihr keinen Spaß. Das wird in der Konstellation nahezu immer der Fall sein, weil das Spielen des Instruments mit dem nZ assoziiert wird - wann immer daran geübt wird, dann, weil das gewünschte Bedürfnis noch unerfüllt und dies bewusst ist. Vielleicht gibt die Person auf - dann ist der nZ stärker, weil das Ziel weiter unerreicht ist und dafür Ressourcen aufgewendet worden sind. Oder die Person krampft sich durch den Lernprozess hindurch. Stellt dann fest, "hm, das war jetzt den Aufwand doch nicht wert, denn so groß und lang andauernd ist die Anerkennung nicht" (auch das wird durch die Assoziierung der Tätigkeit mit dem nZ sehr wahrscheinlich ausgelöst) -> vielleicht sucht sie dann einen anderen Weg, oder sie intensiviert ihre Bemühungen um noch besser das Instrument zu lernen.

Wie könnte dies vermieden werden?

Erstens, indem die Aufmerksamkeit während des Übens weg vom negativen Zustand gebracht wird. Egal auf was - States sind instabil, nimmt man ihnen die Aufmerksamkeit weg, kollabieren sie. Klingt einfach, ist einfach, wirkt jedoch erstaunlich gut - einfach weil dies Assoziationen zwischen dem nZ, der Tätigkeit und dem Ziel vermieden werden.
Zweitens, indem sich auf die Funktion, nicht auf die Form konzentriert wird. Wenn die Tätigkeit wirklich der Person nicht liegt, dann eine Finden, die dies tut.

Montag, 23. Dezember 2013

Schoko-Weihnachtskalender und Motivation

Manche Sätze, Situationen sind absolut unbedeutend - und doch, so geht es zumindest mir, erinnert man sich noch Jahre, Jahrzehnte später daran. Ich musste heute an eine Bemerkung aus meinen Grundschultagen denken. Da meinte ein anderes Kind beiläufig Anfang Dezember, bezogen auf diese Schokoladen-Weihnachtskalender: "Ich habe bei meinem sofort alle Türen aufgemacht und gegessen."

Nicht im Sinne des Erfinders. Sicher, rein aus kognitionspsychologischer Sicht, Stichwort Problemlösen, könnte man sagen: Problem gut erkannt und gelöst, denn warum sich an Regeln halten, die keine Bedeutung haben?

Im Falle des Schoko-Adventskalenders stimmt das auch. Problematisch wird so eine hier gezeigte Tendenz, sofort alles haben zu wollen, wenn es um größere Probleme geht. Sei es, sich eine neue Fähigkeit anzueignen - das geht nicht über Nacht. Sei es, aus welchen Gründen auch immer, seinen Körper besser in Form zu bringen (egal ob Gewichtsabnahme, Muskelaufbau, was auch immer). Sei es, längerfristige Projekte zu verwirklichen. Im Sprichwort "Rom wurde nicht an einem Tag erbaut" steckt viel Wahrheit.

Umgekehrt kann so ein Schoko-Adventskalender durchaus Anregungen geben, wie sich aus motivationaler Sicht größere Vorhaben leichter umsetzen lassen. Nämlich, wenn es währenddessen schon kleine Belohnungen gibt. Nehmen wir Fähigkeiten, beispielsweise ein Instrument zu lernen, sich auch über die kleinen Schritte - und sei es nur die erste richtig gespielte Tonleiter - freuen. Sich auch während längerfristiger Projekte etwas Gutes gönnen; die Idee, "ich bin im Stress, also darf ich mir keinen Ausgleich gönnen" ist ein Garant für affektive Tiefflüge.

So oder so, morgen wird das letzte Türchen des Adventskalenders geöffnet, falls einer da ist. Manchmal kann man in großen wie in kleinen Schritten sein Ziel erreichen.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Symbolische Korruption

Die Sage von Ikarus. Vielleicht kennt sie nicht jeder, aber doch die meisten. Eine Sage von Hochmut - mit Wachsflügeln flog Ikarus vogelgleich hinauf in den Himmel. Bis die Sonne seine Flügel schmolz und er in den Tod stürzte. Die Lehre? Hochmut kommt vor dem Fall, oder noch drastischer: Kenne deinen Platz!

Sieht man einmal vom kleinen Detail ab, dass die Sage so, wie sie die meisten kennen, komplett durch den Fleischwolf gedreht worden ist. Die Urfassung hat eine ganz andere Aussage.

Der Erbauer der Flügel und zugleich Vater von Ikarus, Daidalos, hatte schwere Verbrechen begangen. Und die Götter - die in der griechischen Sagenwelt schon immer Fans von "cruel and unusual punishment" waren, straften ihn mit dem Tod seines Sohnes. Es war nicht der eigegene Hochmut, der Ikarus zu Fall brachte; tatsächlich ist die Geschichte nicht einmal über ihn, sondern über seinen Vater. Es ist eine sehr alte Geschichte, mit symbolischen Strukturen, die in der Antike durchaus öfter anzutreffen waren, heute jedoch aus der Mode gekommen sind (Sippenhaft z.B.). Die Lehre war eher jede Handlung hat Konsequenzen, und jene können ganz unerwartete Formen annehmen. Oder auch: Halte dich an die Regeln, sonst machen die Götter Ärger. Vielleicht keine so moderne Symbolik.

Was wir hier haben, ist eine symbolische Korruption.

Nein, ich meine nicht die Wandlung der Geschichte - jene werden immer unter anderen Vorzeichen, mit anderen Schwerpunkten, manchmal auch mit anderer symbolischer Struktur. Tatsächlich, die Geschichtserzähler im Laufe der Jahrhunderte hatten meist nur eine Handvoll Geschichten, die sie immer abhängig vom Publikum abwandelten.

Was ich meine: Kannst du noch so von Ikarus denken, wie zu vor einigen Minuten, bevor du diesen kleinen Text gelesen hast? Ist Ikarus noch ein Symbol für Übermut?

Symbolische Korruption.

Oh und ja, den Begriff habe ich mir gerade selbst zusammengereimt. Klingt interessanter als "Symbol-Manipulation".

Freitag, 20. Dezember 2013

Versymbolifizierung

Ich habe vor einiger Zeit über die symbolische Realität gesprochen - quasi eine Kodierung emotionaler Eindrücke und Informationen. Aktuelles Beispiel: Was macht Weihnachten aus? Was löst bei dir Weihnachtsstimmung aus?

Es gibt ein Beispiel für eine Kodierung emotionaler Eindrücke, die so den Alltag durchdringt, dass die meisten Menschen dem gegenüber völlig blind sind.

Mal ein paar Beispiele - ich bin sicher, du wirst das Muster erkennen:

- Marketing: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie zufrieden sind Sie mit ihrer Wahl?"
- Gesundheit: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie stark ist der Schmerz?"
- Psychotherapie: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie groß ist die Angst?"

Ziemlich leicht zu entdeckendes Muster, hoffe ich. Die Sache ist nur zweierlei:
Erstens, die Zahl ist nicht das Gefühl. Die Zahl ist wesentlich fester. Gefühle (auch so etwas wie Schmerz) sind schwankend, dynamisch, im Wandel begriffen. Wandelt man sie in eine Zahl um, verfestigt man sie. Man kann dabei nicht die Zahlen wieder in die Gefühle zurückrechnen. Dies schafft zugleich aber auch Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen genannten Zahlen. (Dies klappt übrigens nur bei Skalen bis ungefähr 10, sobald es darüber hinaus geht, wird die Kodierung ungenau. Anders formuliert, wir können noch recht gut sagen, ob wir bei einer Wahl eher bei der Zufriedenheit bei 7 oder 6 liegen. Nicht jedoch, ob bei 71% oder 72%.)
Zweitens, die Zahl kann manipuliert werden. Und wenn die Zahl manipuliert wird, und die Manipulation am Wachverstand vorbei kommt, verändert sich das zugrunde liegende Gefühl.

Mal eine Implikation aus dem ersten Punkt: Bei Prüfungsangst sorgen alle Prüfungsformen gemeinhin für einen Deckeneffekt, also anders gesagt eine "10 von 10". Aus der Forschung weiß man jedoch, dass bestimmte Prüfformen körperlich (i.e. physische Realität) viel stressiger sind als andere. Emotional jedoch sind sie äquivalent.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Na wer konnte das ahnen...

Es gab eine interessante Studie in Oakland, Neu-Seeland (veröffentlicht im British Journal of Medicine). Besser gesagt eine Vorstudie. Es sollte untersucht werden, ob Ehen glücklicher sind, wenn der Mann seiner Frau immer zustimmt und ihr alle Wünsche (sofern möglich) erfüllt.

Das Ergebnis war für die Studienleiter überraschend.

Erstens, die Zufriedenheit (gemessen auf einer 10-Punkte-Skala) der Frau nahm nur minimal zu (von 8 auf 8,5).
Zweitens, die Zufriedenheit des Manns sank von 7 auf 3.
Drittens der Mann sank in weniger als zwei Wochen in eine ausgewachsene Major Depression. Die Vorstudie musste abgebrochen werden.

Erinnert das an etwas?

Richtig, der Bittsteller-Frame.

Mich hat der Verlauf der Entwicklung eher weniger überrascht. Nenne den nicht umsonst einer der beiden tödlichen Rahmen.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Diverser Spaß mit Vorabrahmen

Vor langer, langer Zeit sprach ich über Vorabrahmen - quasi mehr oder weniger verbalisierte vorab gesetzte Bedeutungsrahmen. Wird immer gemacht, macht jeder Mensch, meist ohne es sich gänzlich bewusst zu sein.

Beispiele für kognitive Vorabrahmen sind mannigfaltig. Man denke da nur einmal an das Menschenbild in der klientenzentrierten Psychotherapie : "Jeder Mensch hat die Ressourcen zur Lösung seiner Probleme schon in sich." & "Hinter jeder Handlung steckt eine positive Intention."; und da der Therapeut entsprechend kommuniziert, "fällt" der Klient meist irgendwann in diesen Rahmen und fängt an, seine Probleme zu lösen.

Interessant finde ich jedoch auch die nicht kognitiven Vorabrahmen. Mal ein paar Beispiele:

- Die meisten Ärzte hängen entsprechende Urkunden aus. Warum? Weil das Kompetenz demonstriert, ganz getreu dem Motto "schau, was ich kann!".
Mein Zahnarzt hat dazwischen seine Urkunde als Fliegerpilot der Bundeswehr hängen. Die Reaktion der Leute zu sehen, die über die Urkunden schauen, ist immer wieder unterhaltsam. Verwirrung, Irritation.
Warum die Urkunde da hängt? Keine Ahnung. Wahrscheinlich weil der Arzt flugbegeistert ist. Andererseits... "ich kann Düsenjets fliegen, da bekomme ich doch wohl so nen Bohrer gehalten und kann mit Komplikationen problemlos zurechtkommen"... wer weiß.

- Die letzte Zeit ging die Wirkung von Kleidung öfter mal herum, auch im Infotainment - vor kurzem bei einem Experiment, wo von der Art der Kleidung auf den Beruf und auf die Charaktereigenschaften zurückgeschlossen wurden. Gerade der letzte Punkt ist interessant - sicher gibt es gewisse Tendenzen in der Kleidungsauswahl auch jenseits des Arbeitsplatzes, aber gleich Charaktereigenschaften? Besonders, da die Personen ganz unterschiedlich eingeschätzt wurden, je nachdem, was sie trugen. Als ob man seinen Charakter so einfach wie einen Anzug wechseln könnte.
(Kann man, aber das soll hier nicht der Punkt sein.)
Geht aber noch darüber hinaus. Das komplette Aussehen zählt hinzu. Entspricht nicht ganz der politischen Korrektheit, aber ich halte da nichts von Illusionen. Und sage es auch Leuten, die mich danach fragen: Versucht, das Beste aus euch herauszuholen.

- Hier und da finden sich interessante Interaktionen mit Einstellungen. Konkretes Beispiel, in manchen Disziplinen werden freie Reden besser bewertet, da sie mit Fachkenntnis und Mut assoziiert sind. In anderen (da bin ich dieses Jahr einmal ganz übel auf die Nase gefallen) hingegen sind sie mit Faulheit und mangelndem Respekt assoziiert (im Sinne von "der hatte keine Lust, seine komplette Rede zu schreiben!"). War eine interessante Erfahrung.
(Ich trage weiterhin frei vor. Von einem Skript ablesen kann auch ein Text-to-Voice-Programm. Dabei wird mir langweilig! Soviel zu beiden Assoziationen.)
(Übrigens führte es dann wirklich zu mangelndem Respekt - selbsterfüllende Prophezeiung, in gewisser Weise. Auch etwas, was man öfter mal erleben kann. Da gibt es Leute, die können richtig gut Reden ablesen. Sobald es dann interaktiv wird, bricht ihre Aura zusammen, stammeln, nutzen massig Füllwörter, kriegen komplexere Gedanken nicht vernünftig artikuliert. Wenn das von Leuten kommt, die sich fachlich mit Eloquenz beschäftigen, dann - wie gesagt, es war eine interessante Erfahrung.)

- Dann gibt es da so ein Phänomen, dass ich kaum beschreiben kann, ohne irgendwem auf die Füße zu treten. Diesbezüglich scheinen Menschen im Laufe ihres Lebens dümmer zu werden; zumindest, wenn es sie selbst betrifft. Kurz zusammengefasst - der beste Prädiktor für zukünftiges Verhalten ist vergangenes Verhalten. Beispielsweise in der Schule: Wer wird zuerst in Sportteams geholt? Umgekehrt, wer zuerst in Matherateteams?
Dann wird das vergessen. Nicht, was andere Leute betrifft (da haben die allermeisten Menschen, die ich kennenlernte, durchaus einen guten Sinn für). Aber, was sich selbst betrifft. Wenn jemand, abstrakt gesagt, über Jahre X tut, dann plötzlich behauptet, ab jetzt Y zu tun... Menschen können sich ändern. Ich weiß das. Die Psychologie beschäftigt sich damit, Menschen zu helfen, die zu tun. Nur ist dies die Ausnahme, nicht die Regel, daher wird weiterhin die Mehrheit nicht glauben, dass da eine Änderung stattgefunden hat. Ergo weiter vermutet, dass X getan wird. Auch die eigene Geschichte wirkt als Vorabrahmen.

Was dann wieder den Kreis schließt. Denn warum hängen Ärzte ihre Urkunden auf? Weil es die eigene Geschichte darstellt. Auch wenn sich jene mit Kampfflugzeugen beschäftigt.

Samstag, 14. Dezember 2013

Damals vs. Heute | Biologie vs. Kultur

Eins finde ich faszinierend. Allerdings in einem sehr negativen Sinne.

Über verschiedene Fachrichtungen hinweg, innerhalb der Psychologie, aber ganz besonders auch außerhalb der Psychologie, wird über die Frage gestritten, was angeboren und was erlernt ist.

Bei der Psychologie als evidenzbasierte Wissenschaft (anders ausgedrückt, mit ergebnisoffenen Experimenten) zeigte sich nun immer wieder, dass in den allermeisten Bereichen des Lebens ein "sowohl, als auch" gilt. Heißt beides eine Rolle spielt.

Es ist auch, meiner persönlichen Ansicht nach, sinnvoll, beides zu betrachten. Die biologische Seite, denn sie erklärt oftmals sehr gut die Herkunft und Wurzel von Verhaltensweisen. Und die kulturelle Seite, denn die Kultur formt dann jeweils jene biologischen Grundlagen.


Nun gibt es leider immer wieder Bestrebungen, die eine oder andere Seite (aktuell schwingt das Pendel sehr stark in Richtung Kultur) zu betonen und die andere auszuklammern. Dabei geht jedoch eine ganze Menge an Informationen verloren.

Wir können den Menschen nicht verstehen, wenn wir seine Entwicklungsgeschichte ausklammern. Warum wir die Welt so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen. Warum wir so denken, wie wir denken. Warum wir so fühlen, wie wir fühlen. All dahinter (und noch viel mehr) steckt Evolution. Etwas, was heutzutage nicht mehr funktional ist (z.B. Phobien), kann es in der Vergangenheit sehr wohl gewesen sein.

Das heißt nicht, dass die andere Seite des Pendels - biologischer Determinismus - eine gute Idee wäre. Ist sie auch nicht. Denn der Mensch ist ein erstaunlich adaptives Wesen, das durch seine Umwelt mit geformt wird - aber eben nur geformt und nicht von Grundauf aufgebaut wird. Dieselben biologischen Impulse können in verschiedenen Kontexten völlig andere Ausdrucksformen finden und andere Konsequenzen haben.

Nehmen wir einmal ein Beispiel: Übergewicht
- Biologische Faktoren (Auswahl, nicht vollständig): Wodurch Hunger- und Sättigungsgefühle ausgelöst werden. Warum bestimmte Nahrungsmittelbestandteile den meisten Menschen "besser" oder "schlechter" schmecken. Wie Energiereserven im Körper angelegt und aufgebraucht werden. Welche Folgen jene Energiereserven haben. Wie bestimmte Bedingungen das Hungergefühl modifizieren.
- Kulturelle Faktoren (Auswahl, nicht vollständig): Auf welche Nahrung primär geprägt wird. Welche Portionsgrößen als normal gelten. Wie viele Mahlzeiten am Tag. Wie auf unterschiedliches Körpergewicht reagiert wird. Welche Rolle Mahlzeiten im sozialen Miteinander einnehmen.

All diese, und noch viel mehr, Faktoren spielen eine Rolle. Streicht man eine Seite heraus - glaubst du, man kann dadurch Menschen besser helfen? Oder sie nur verstehen?

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Keine einfache Rechnung

2 - (-1) = 3

Das lernt man so in der Schule. Und in der Mathematik stimmt dies auch. Ebenso wurde (mir zumindest, und ich glaube, ich bin damit nicht ganz alleine) ebenfalls vermittelt, dass das auch auf sprachlicher Ebene so stimmt. Stichwort auch sprachliche Intelligenztests und doppelte Verneinungen - in Worten ausgedrückt wäre der Teil "-(-1)" eine doppelte Verneinung.

Problem an der Sache ist nur: Es stimmt nicht.

Ich fordere hier jeden Leser mal zu einem kleinen Experiment auf: Wenn dir jemand mal eine Verneinung an den Kopf wirft (z.B. "ich kann nicht aufhören zu rauchen"), werfe die doppelte Verneinung zurück. Aber (das ist wichtig) entsprechend betont. Mit Pause zwischen den beiden Verneinungen und bedeutsamer Betonung einer (aber nicht beider) Verneinungen (tatsächlich wird die Antwort unterschiedlich sein, welche Verneinung man betont).

Schlüsseln wir es einmal mathematisch-linguistisch auf:
mutig = 1
nicht mutig = -1
nicht nicht mutig = - (-1)
Aber: Was ist noch nicht nicht mutig? Fröhlich, psychotisch, gleichgültig, depressiv, heiter, wütend, verliebt, neidisch... quasi die gesamte Bandbreite ist hier möglich.

Das lässt sich sogar als Trick nutzen: Jemand wirft eine negative Charaktereigenschaft ein, zum Beispiel "ängstlich". Dann polt man die um. Setzt dann eine doppelte Verneinung dazu, fliegt der ganze Bedeutungsrahmen auseinander. (Krudes Beispiel, verbunden mit einer meiner drei Lieblingsfragen: "Ich bin ängstlich." -> "Woher weißt du, wenn du nicht nicht mutig bist?")

Umgekehrt ist dies auch ein Problem. Dort oben habe ich aus gutem Grund nicht nur positive Beispiele genannt. Mathematisch lassen sich positive und negative Vorzeichen problemlos ineinander umwandeln. Im Bereich des Psychischen nicht.

Ich erinnere da auch an meinen Zusammenschrieb zum Thema "Eine einfache Frage": Probleme versuchen einfach nur umzudrehen löst sie nicht zwangsläufig. Menschen sind da unfrustrierend nicht wie keine Computer.

Montag, 9. Dezember 2013

Wahrheit und Lügen

Eine Frage, die sich sowohl in der Forschung als auch im Alltag immer wieder stellt: Kann man erkennen, ob jemand lügt?

Das Problem dabei ist, dass man erst einmal darüber nachdenken sollte, was denn Wahrheit ist. Denn es gibt so etwas, was ich "gefühlte Wahrheit" nennen würde. Da fällt alles drunter, was objektiv gesehen unwahr ist, jedoch subjektiv als wahr angesehen wird. Kann viele Ursachen haben - eine habe ich schon mal im Blog erwähnt, nämlich falsche Erinnerungen.
Anderes Beispiel: Aufmerksamkeitslücken. Stelle dir folgende Situation vor - jemand geht an einer Straße spazieren, achtet auf den Weg vor sich. Auf der Straße kracht es. Nun ist die Aufmerksamkeit auf dem Unfall. Auch wenn das Unfallgeschehen außerhalb der Aufmerksamkeit lag, wird der Verstand konstruieren, was unmittelbar davor geschehen ist. Obwohl dies nicht so sein muss. Großes Problem bei Zeugenaussagen. (Ich bin selbst schon einmal in so eine Situation geraten - zum Glück passte das Schadensbild zu meiner Aussage, nicht zu dem der dritten Person.)
Solche Effekte (und da gibt es leider eine Menge von) sorgen dafür, dass Aussagen als "wahr" erscheinen, weil sie es subjektiv für die Person sind - jedoch objektiv nicht wahr sein müssen.

"Lügendetektoren" zum Beispiel melden gar nicht "gelogen" zurück (auch wenn das gewisse Fernsehshows gerne so darstellen), sondern lediglich "sicher" und "unklar". "Unklar" heißt aber nicht "gelogen" - es kann alle möglichen Gründe dafür geben. Zum Beispiel, wenn eine Frage psychischen Druck aufbaut - dann kann selbst bei einer subjektiv/objektiv wahren Antwort als Ergebnis "unklar" bei herauskommen. Genauso müssen "Lügendetektoren" auf die Person kalibriert werden - bei manchen Personen klappt das schon einmal nicht. Und andere können sie auch an der Nase herumführen. Habe selbst mal bei einem entsprechenden Experiment erfolgreich teilgenommen.

Worauf man im Alltag achten kann, ist das Kontrastprinzip. Aber auch hier fallen in erster Linie Sachen auf - was dahinter steckt (ob Lüge, psychischer Druck, wie auch immer) ist jedoch ebenfalls nicht klar. Wenn man klare Verhaltensmuster für "ja" und "nein" heraushat (die jedoch individuell sind), hat man zumindest eine ziemlich gute Wahrscheinlichkeit, das richtig einschätzen zu können. Jedoch auch keine 100% Sicherheit. Und (Bonusminuspunkte dafür) gibt es keinen Kontrast zwischen "objektiv wahren" und "subjektiv wahren" Aussagen - selbst wenn die "subjektiv wahren" Aussagen ganz offensichtlich nicht stimmen können.

Auch über die berühmt-berüchtigten "Eye-Accessing-Cues" wurde versucht herauszufinden, ob jemand lügt - ergebnislos. Was mich persönlich auch nicht wundert - das Gedächtnis ist so ein komplexes Wollknäuel bei dem oft gar nicht klar ist, wie viel "wahr" und wie viel "rekonstruiert" und wie viel "zurechtgebogen" und wie viel "gelogen" ist.

Es wird sogar noch schlimmer. Gewisse Fragen - insbesondere im emotionalen und motivationalen Bereich - werden nur in den seltensten Fällen wahr beantwortet. Warum? Weil man es da mit Rationalisierungen zu tun bekommt. Aus dem Grund rate ich da in Seminaren zu diesen Themen auch immer "folgt der Emotionsspur", ansonsten kommt man da oft gar nicht an den Kern der Sache heran. Aufgrund des Kontrastprinzips würden aber gerade diese Antworten dann als "unsicher" gelten, die Rationalisierungen hingegen nicht.
In den gleichen Topf wie die Rationalisierungen fallen dann so Aspekte wie soziale Erwünschtheit. Gegen jene zu verstoßen löst psychischen Druck aus - sie einzuhalten jedoch nicht.

Wahrheit und Lügen also zu unterscheiden... manchmal ist es schön, sehr konstruktivistisch orientiert zu sein.

Freitag, 6. Dezember 2013

Wilde Reise durch den Sturm

Gestern war ein seltsamer Tag. Er fing schon interessant an! Erst war mein Auto zugeparkt - irgendeine Institution, die nach den Bäumen am Straßenrand sah. Kommt vor. Da ich jedoch keine Zeit hatte (da ich ein Seminar abhielt), ab zur Bushaltestelle. Dort sah ich noch, wie in der Kreuzung davor der Bus blinkte, abbog und die Haltestelle nicht anfuhr. Wie bei Kyrill bin ich völlig geistesabesend in einen Sturmtag hineingestartet, obschon die ersten Signale offensichtlich waren.

Während des Seminars sah alles draußen noch friedlich aus. Nachmittags ein wenig Regen, das wars. Es wurde dunkel. Was ich am Ende des Seminars sah, war, wie die Lichterkette eines Tannenbaums im Wind wehte. Ich musste danach noch eben den Raumschlüssel wegbringen. Trat aus der Tür heraus - und weg flog mein Regenschirm!

Nur ein paar hundert Meter von der Uni entfernt befand sich die nächste Bushaltestelle. Als ich dort ankam, waren dort bereits einige große Plakatschilder draufgefallen. Auch war ein Zettel drangeklebt, dass die Haltestelle nicht mehr angefahren wird. Zugegebenermaßen war sie auch teilweise bedeckt von den umgefallenen Plakaten. Also los zur nächsten Haltestelle, in knapp zwei Kilometern Entfernung. An einem Autobahnzubringer entlang. Über eine Autobahnbrücke. Bei Platzregen. Bei Windböen im Bereich der 100 km/h.

Es war... meditativ. Jeder Schritt, bedeutsam. Jede Böe, zu beachten. Die Autos, vorbeirasende Lichter in Weiß und Rot. Feuerwehrsirenen in der Ferne. Donner. Ampeln, Auren in Rot und Gelb und Grün. Die Figuren längst verwaschen. Und dann kam die Brücke.

Es war seltsam. Ich musste an Kyrill zurückdenken. Damals habe ich wohl eine der waghalsigsten Aktionen meines Lebens gebracht. Auch ein Sturm. Hatte ich etwas dazugelernt? Während Kyrill bin ich in Hamm gestrandet. Als der Sturm nachließ, fand sich eine Gruppe und ein mutiger Taxifahrer zur Weiterfahrt. Aber kaum losgefahren, hatte Kyrill wieder zugelegt. Ich sah, wie vor mir ein Van nur noch auf zwei Reifen stand, für einige Sekunden. Ich sah, wie Schieferplatten wie Schuppen von Häusern fielen. Ich sah, wie Satellitenschüssel wie Heuballen über die Straße geweht wurden. Im Bahnhof wäre es sicher gewesen. Ich hatte ihn verlassen. In meinem Büro wäre es sicher gewesen. Ich stand vor der Brücke. Rechts der Abgrund und die vorbeischießenden Lichter. Links die Straße, mit noch viel mehr vorbeirasenden Lichtern. Näheren Lichtern. Böen rauschten mal von vorn, mal von rechts heran.

Meditativ. Mit dem Wind gehen. Ihm die Seite zuwenden. Windpausen nutzen. Halt suchen, wenn eine besonders kräftige Böe über das Land fegte. Ja, ich habe gelernt. Am Abgrund entlang zu tanzen. Auch letztes Jahr bin ich an einem Abgrund entlanggeschlittert, wenn auch ein Abgrund ganz anderer Art.

Am erstaunlichsten fand ich jedoch, als ich eine Haltestelle erreicht hatte, und mit dem Bus fuhr. War ich vorher im Sturm. In gewisser Weise Teil des Sturms. Sah ich nun nur beschlagene, regenüberströmte Scheiben. Lichtblitze. Polarlichtergleiche Spiele aus Licht, von vorbeirasenden Weihnachtsdekorationen. Nur etwas wirklich zu sehen, mehr als nur Schemen, durch die Frontscheibe. Zu hören der Hagel, der Regen, der Donner. Dazu Stille im Bus. Und das war wohl am ungewöhnlichsten!

Noch mehr jedoch, nun, auf mich wirkte der Sturm schlimmer, als ich im Bus saß, als während ich über die Brücke getanzt bin. Obwohl ich auf der Brücke gesehen habe, wie sich auf der anderen Seite Leute an Bäumen festhielten. Obwohl mein Mantel und Schal wie Flaggen im Wind flatterten. Obwohl dort der Regen auf mich einprasselte. Es war, wie es war. Und es war in Ordnung. Im Bus hingegen war der Sturm ausgesperrt, und zugleich wütete er weiter. Äste fielen herab, Schildermasten fielen.

Schließlich war ich wieder im Sturm. Und kurz darauf, daheim.

Heute früh, es schien nicht die Sonne. Aber der Nikolaustag begann mit einem Blick auf verschneite Wiesen und Dächer.

Schön!

Montag, 2. Dezember 2013

One Ping Only

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit, meine ... unfreundlichere Seite herauszuholen.

Menschen sind nicht immer das, was sie vorgeben zu sein. Bei zwei wichtigen Aspekten gibt es jedoch einen (an sich ziemlich offensichtlichen) Trick, dies herauszufinden. Dieser Trick ist, jenen Teil verbal anzustubsen - und zu schauen, was für Reaktionen kommen. Ausgehend von einer gewissen Szene in "Jagd auf roter Oktober" nenne ich es für mich "anpingen".

Aspekt 1: Hass als treibende Kraft.
Warum setzt sich jemand für etwas ein? Dahinter können eine ganze Reihe von Motiven stecken (z.B. Idealismus, Geselligkeit, Macht, wie auch immer), und die allermeisten davon sind in Ordnung. Sich hingegen mit hasserfüllten Menschen abzugeben, ist meiner Erfahrung nach zugleich eine Zeitverschwendung als auch ein Garant dafür, dass es einem selbst danach schlechter geht. Vergleiche hierzu auch die Rahmenspaßepisode zum Hass.
Sicher, mit Hass kann ich auch arbeiten (z.B. die zugrundeliegende Furcht oder Wut gegen den Hass richten, um ihn aufzulösen, oder die Ursachen der Furcht/Wut angehen, wie auch immer), aber die Betonung hier liegt auf "arbeiten". Privat geht es mir viel besser, seit ich einen Bogen um hasserfüllte Menschen mache.
Wie geht das? Nun, entweder ist der Hass offensichtlich. Oder aber er versteckt sich. Hier frage ich dann einfach mal ganz neutral (die Neutralität ist wichtig!), warum sich für etwas eingesetzt wird.
Daraufhin werden immer Emotionen gezeigt. Steckt dort so etwas wie Idealismus, Überzeugungen, wie auch immer hinter, Enthusiasmus, teils missionarischer Eifer. Steckt dort etwas anderes hinter, wie zum Beispiel Geselligkeit, wird meist die Aufmerksamkeit darauf gelenkt.
Explodieren die Leute aber und wollen einem für die neutrale Frage am liebsten den Kopf abreißen; allein schon dafür, dass man nicht von Anfang an ihre Meinung hat... da steckt Hass hinter. Ebenso wenn stattdessen Argumente kommen, die allein über die persönliche Ärger- oder Furchtschiene laufen.
(Und wie so oft beim Hass ist die Ironie, dass er nichts bringt - denn so etwas schreckt ab. Selbst wenn z.B. der Ärger berechtigt sein sollte - simpelste Kommunikationspsychologie.)

Aspekt 2: Maske als gezeigte Persönlichkeit
Hier muss ich etwas weiter ausholen. Manche Menschen verstecken sich komplett hinter Masken. Da steckt keine böse Absicht hinter, eher im Gegenteil: Diese Masken sind ein Selbstschutz. Aber sie haben zwei große Probleme - erstens sind sie nicht verbunden mit den Ressourcen einer Person (wenn du zum Beispiel jemand kennst, der in bestimmten Situationen plötzlich viel lebendiger, leidenschaftlicher zu sein scheint, oft in so genannten "Flow States", dann sind das die Situationen, in denen die Maske unten ist). Zweitens und noch viel wichtiger, die Masken sind oft brüchig. Dummerweise sind sie als Selbstschutzmechanismus oft sehr stark mit dem Selbstwert assoziiert. Da reicht es meist, unabsichtlich die Maske auch nur eine Winzigkeit anzukratzen, und ein Vulkan geht hoch.
Warum? Selbe Ursache wie oben, weil sich hinter der Maske ein ziemlicher Abgrund auftun kann. Was mache ich also? Ich pinge die Maske an. Warte die Reaktionen ab. Geht ein Vulkan hoch, weiß ich, was Sache ist. Auch hier ist wieder wichtig, das ganze neutral zu tun. Angriffe werden die meisten abwehren.

Beides ist sicherlich praktisch im Privatleben (des eigenen Seelenfrieden willen). Jedoch auch im beruflichen Kontekt im Umgang mit Klienten. Denn wenn bei einem der Pings etwas hochgeht, dann ist das meiner Erfahrung nach ein sehr guter Hinweis darauf, dass das Problem größer.

Samstag, 30. November 2013

Verfügbarkeitsheuristik

Heuristiken sind, kurz gesagt, Daumenregeln, die oftmals relativ treffgenau sind - aber es unter bestimmten Umständen aufhören zu sein.

Als eine besonders interessante dabei empfinde ich die so genannte "Verfügbarkeitsheuristik". Hier wird von der Anzahl an bekannten konkreten Beispielen auf die Gesamthäufigkeit geschlossen. Klingt erst einmal abstrakt, jedoch sind die Folgen davon sehr weitreichend. Nehmen wir einmal ein Beispiel - Nachrichtensendungen machen damit Quote, dass sie über möglichst spektakuläre Unglückfälle, Katastrophen, Ereignisse und so weiter berichten. Folglich überschätzen die meisten Leute deren Wahrscheinlichkeit bzw. deren Anzahl massiv.
Gefahren hingegen, die weniger spektakulär sind, über die also weniger berichtet wird, die dafür aber sehr viel häufiger auftreten - die werden massiv unterschätzt. (Ich erinnere mich da auch irgendwie an meinen Beitrag über Menschenleben in den USA.)

Zwei konkrete persönliche Beispiele einmal:
- Als ich, für die Studiumsfinanzierung, in einer Störungsstelle eines Technikdienstleisters arbeitete, fragte mich da mal ein potentieller neuer Kunde, wie zufrieden die Kunden so wären. Meine Antwort "da fragen Sie den falschen - bedenken Sie, mit wem Sie sprechen. Hier rufen nur die an, die Probleme haben!"
Das war die nette Seite der Medaille. Die weniger nette, ich selbst habe in meinem Privatleben einen ziemlichen Abstand von jenem Dienstleister gehalten, einfach weil ich ein sehr verzerrtes Bild von der Problemhäufigkeit dort habe.
- Ich betrachte Veganer (nicht Vegetarier, nur Veganer) mit großem Argwohn. Warum? Weil ich eine große Zahl kennengelernt habe, die nach einigen Jahren extreme psychische Probleme bekommen hat. Der Grund dafür ist, ganz kurz umrissen, das Vitamin B12. Der Körper hat einen riesigen Vorrat an B12, der meist zwischen drei und fünf Jahren reicht. So lange treten keine Probleme auf. Ist aber kein B12 mehr da, entgleist das Gehirn, und zwar heftig. Tatsächlich haben diverse teils schwere psychologischen Störungen (u.a. Depressionen, Psychosen, Demenz) als Ausschlusskriterium "nicht aufgrund eines B12-Mangels". B12 kommt quasi nur in tierischen Produkten vor (auch Eiern, Milch). Ich hoffe (aber, Verfügbarkeitsheuristik, weiß es nicht), dass die meisten Veganer entsprechend B12-Ergänzungsmittel nehmen bzw. mit B12 angereicherte Nahrungsmittel essen. Jene, die das nicht tun, die landen dann sehr oft nach Jahren entweder bei Ärzten - oder eben bei Psychologen. Was mich wiederum zum Anfang zurück bringt, weshalb ich Veganer mit Argwohn betrachte. Verfügbarkeitsheuristik.

Dienstag, 26. November 2013

Symbolische Realität in Medien

Geschichtsmedien aller Art - Filme, Bücher, Computerspiele, auch Sonderformen wie zum Beispiel Rollenspielsettings - haben neben der reinen Darstellung noch etwas anderes, nämlich auch eine symbolische Realität. (Geschichtsmedien, weil Musik hier in aller Regel außen vor steht.)

Die symbolische Realität zeigt sich daran, wie die Handlung aufgebaut ist, wie die Charaktere denken, wie die Welt funktioniert, welche Konsequenzen aus Handlungen folgen, welche Ideen und Werte vermittelt werden. Ich wage zu behaupten: Zentral dafür, wie gut du einen Film findest, ist weniger die medientechnische Qualität (z.B. die Schauspieler, die Spezialeffekte, wie auch immer), und viel mehr, inwieweit die dort dargestellte symbolische Realität mit deinen Realitätsvorstellungen übereinstimmt. Oder, gerade im Falle von Spezialeffektgewittern, ob sich dort überhaupt mehr als ein bloßes Skelett findet.

Mal ein paar Beispiele:

- Vergleichen wir einmal "Bridget Jones (ebenda)" mit Phil Connors aus "Groundhog Day": Beides sind extrem egozentrische Charaktere. Um beide dreht sich die Welt. Aber (und da findet sich der aus symbolischer Sicht sehr bedeutsame Unterschied), Bridget Jones wird dabei belohnt und wird von außen von Konsequenzen für ihr Verhalten ausgenommen (wem der Begriff "Canon Sue", abgeleitet von "Mary Sue" etwas sagt, hier ist er meiner Meinung nach voll angemessen), hingegen muss Phil Connors die Konsequenzen für sein Verhalten tragen und ein besserer Mensch werden, eben damit sich die Welt aufhört, um ihn zu drehen. In Sachen Rahmensetzung neigen manche Menschen eher, sich auf der Ursache- und manche eher auf der Wirkungsseite zu sehen. Meiner Erfahrung nach korrelierte das bei den Leuten, wo ich davon weiß, sehr gut mit den Vorlieben für den einen oder anderen Film.

- Als Kontrast dazu, "Fight Club" und "The Truman Show" haben trotz eines komplett unterschiedlichen Genres große symbolische Parallelen; nämlich das Ausbrechen aus dem bisherigen, fremdbestimmten Leben und Suchen / Finden eines selbstbestimmten Lebens (wobei die Filme, durchaus, an unterschiedlichen Stellen aufhören).

- Im "Hogfather" (um meine Filmempfehlung für die Weihnachtszeit auszubuddeln) finden sich Ideen des Konstruktivismus (und anderen Bereichen) sehr bunt und verklausuliert verpackt wieder. Wer damit etwas anfangen kann, mag meiner Erfahrung den Film. Wer das jedoch als unsinnige Gedankenspiele abtut, der eher nicht.

- "Jurassic Park 1" vs. dessen Nachfolgern betrachtet fällt auf, dass da die symbolische Realität bei den Nachfolgern teils ins Gegenteil verkehrt wurde. Das führt zu teilweise skurrilen Lücken, wie beispielsweise, dass einer der Helden im zweiten Teil für sämtliche Tode verantwortlich ist, und sich dort generell die Helden die meiste Zeit über wie Vollpfosten aufführen, und sie dafür niemand auch nur schief anschaut. Hatte der erste Teil noch so eine Nachricht von "Handlungen haben Konsequenzen, auch wenn sie nicht beabsichtigt waren", ist es bei den nachfolgenden Teilen eher "eh, whatever", oder auch "Karma Houdini".

Donnerstag, 21. November 2013

Wie wirkt Werbung II

Kurz ein wenig Selbstreflexion: Ich schreibe hier zusammen, was mir gerade so durch den Sinn geht. Strukturiert und geplant vorgehen muss ich anderswo. So kommt es zu dieser Aktion. Damals habe ich den Blog mit dem ersten geplanten Beitrag einer Reihe darüber gestartet, wie Werbung wirkt. Damals die Falscheinordnung von Produkten. Heute, beinahe ein Jahr später, kommt Teil 2.

Reden wir über Bedürfnisse. Informationen allgemein können neue Bedürfnisse erzeugen - nicht direkt Motive, sondern indem Motive angesprochen werden, und neue Wege diese Motive zu befriedigen, neue Auswahl- und Verhaltensweisen erzeugen. Das ganze ist erst einmal wertneutral.

Nehmen wir zwei konkrete Beispiele, die sich auf dieselben Grundmotive (körperliche Unversehrtheit und Schutz von Angehörigen) beziehen.

Positives Beispiel, Sicherheitstechnik beim Auto. Vor vierzig Jahren kein (großes) Thema. Im Laufe der Jahre immer mehr Vermarktung und Werbedruck in diese Richtung. Standards wurden etabliert, auch der Gesetzgeber zog (zum Teil) mit. Folge: Trotz erheblich zugenommener Verkehrsdichte, trotz eines (immer wieder dagegen angeführten) möglicherweise trügerischen Sicherheitsempfinden, gibt es heute nur noch 1/5 der Verkehrstoten wie in den Siebzigern in Deutschland. In Ländern, bei denen Sicherheit nicht vermarktet und entsprechend nicht nachgefragt wurden, war der Rückgang leider schwächer (es gab auch da positive Veränderungen, alleine schon durch bessere Karosseriebauweisen. Nur Zusatzausstattungen, die auch Leben retten, finden sich dort deutlich seltener in Fahrzeugen).

Negatives Beispiel, hier verweise ich auf meinen Beitrag von gestern. Die Lebensumwelt von Kindern antiseptisch zu gestalten ist eine sehr diskussionswürdige Idee - zugleich stellt die Vermarktung mancher Desinfektionsmittel dies als Idealzustand und alles andere als verantwortungslos dar (sich die Rahmen dieser Werbemaßnahmen zu betrachten ist durchaus interessant).

Dienstag, 19. November 2013

[Übertriebene?] (Psycho-)Hygiene

Gehen wir einmal kurz in den medizinischen Bereich. Wir haben ein ziemlich gutes Immunsystem, und dieses Immunsystem lernt im Laufe unserer frühen Jahre, zwischen Bedrohungen und harmlosen Objekten zu unterscheiden. Wie geschieht dies? Letztendlich, indem es mehr oder weniger bedrohlichen Erregern ausgesetzt wird. Referenzerfahrung sammelt.
Selbstverständlich ist es sinnvoll, dass nicht zu große Bedrohungen (also für das Immunsystem nicht überwindbare) Bedrohungen auftreten. Pest und Cholera sind schlecht, mkay.
Nur das Gegenteil, also eine zu hygienische Umwelt, ist auch nicht gut. Denn dann lernt das Immunsystem nicht, zwischen "gefährlich" und "harmlos" zu unterscheiden - das nennt sich dann zum Beispiel "Allergie" (nicht die einzige Ursache, aber eine wohl wichtige davon; genauso wie auch andere Störungen dadurch häufiger auftreten).

Unsere Psyche hat kein Immunsystem im medizinischen Sinne. Jedoch gibt es ein Phänomen, welches sich Resilienz nennt - kurz umschrieben Widerstandsfähigkeit gegen belastende Ereignisse. Auch jene ist zum Teil erlernt. Durch kleinere Konflikte, Frustrationen, Rahmenbildungen (wird zum Beispiel eher vermittelt, dass man auf der Ursachen- oder Effektseite im Leben steht?), oder auch Geschichten. Märchen, gerade klassische, haben eine ganze Reihe von bedrohlichen Aspekten. Nimm einmal ein beliebiges Märchen von den Gebrüdern Grimm und versuche eines zu finden, wo nicht irgendeine (zumeist hilflose) Gestalt verlassen, verfolgt, ausgesetzt, ausgebeutet, gefressen, bedroht, körperlich versehrt, oder sonstwie in Gefahr gerät.
All die kleinen Geschichten, all die kleinen Herausforderungen im Leben, egal ob in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule, sie bereiten auf die großen Herausforderungen vor.
Was passiert, wenn es jene nicht gibt? Dann treten keine körperlichen Allergien auf, nein. Aber sobald es die ersten großen Herausforderungen gibt, fehlen die Ressourcen, um damit umzugehen. Zugleich wird sehr neurotisch (quasi als Allergieäquivalent) auf kleine Herausforderungen reagiert.

Wie ich gerade darauf kam? Nun, ein Ergebnis eines Kollegen, dass bestimmte Kinder heute weniger resilient sind. Sein Vorschlag, wie darauf reagiert werden sollte?

Genau jene Kinder noch mehr in Watte packen.

Samstag, 16. November 2013

Meine drei Lieblingsfragen III

Wie ich schon einmal schrieb: Manche Fragen bringen weit mehr, als sie auf den ersten Blick scheinen. So kleine, unscheinbare, harmlose Fragen - aber gestellt im richtigen Kontext, und sie sind beinahe magisch. Die heutige ist leider etwas komplizierter in ihrer Anwendung, dennoch sollte sie niemand unterschätzen.

Frage: Was geschieht nun?

Diese Frage muss je nach Situation angepasst werden, aber die obigen drei Worte entsprechen ihrer Essenz. Sagen wir, du sprichst mit einem Klienten und erkundest gerade ein bestimmtes Muster oder eine wie auch immer geartete Strategie. Die meisten sind sich deren Anfänge bewusst, aber nicht, was danach abläuft (weil stark automatisiert / unbewusst). Dort kann mit einem entsprechenden "und dann?" geholfen werden.

Anderes Beispiel, eine wie auch immer geartete Intervention, und du siehst, dass der Klient wirklich über etwas nachdenkt. Auch da ist so eine Frage sehr nützlich, weil sie verhindert, dass der Klient in nachträgliche Rationalisierungen abgleitet, sondern in der Situation bleibt (hier kommen auch die vier Realitäten wieder ins Spiel - die Frage hält den Klienten in der physischen und emotionalen).

Freitag, 15. November 2013

Meine drei Lieblingsfragen II

Wie ich schon einmal schrieb: Manche Fragen bringen weit mehr, als sie auf den ersten Blick scheinen. So kleine, unscheinbare, harmlose Fragen - aber gestellt im richtigen Kontext, und sie sind beinahe magisch.

Frage 2: Was bringt dir das?

Diese Frage ist deshalb mächtig, weil sie entweder Teile der Motivationsstruktur berührt (also man herausfindet, was das Gegenüber wirklich bewegt). Oder sie wirkt wie eine Schockinduktion, wenn sie in einem völlig unerwarteten Kontext verwendet wird. Und sie sorgt in dem Fall dann auch noch für eine Stärkung der Kontrollüberzeugungen durch die damit implizite Annahme, dass das gezeigte Verhalten oder das erlebte Gefühl in gewisser Weise einer eigenen Entscheidung zugrunde liegt.

Beispiel für Motivationsstruktur: "Ich will X erreichen!" -> "Was bringt dir, X zu erreichen?"
Daraufhin wird meist irgendeine Rationalisierung geantwortet. Wenn man da aber der Emotionsspur folgt, kannst du gut herausfinden, warum X wichtig ist - und dieses Wissen hilft sehr, dein Gegenüber zu motivieren.

Beispiel für Schockinduktion: "Ich bin traurig!" -> "Was bringt es dir, traurig zu sein?"
Auch das bringt meist die Motivstruktur hervor, aber in dem Fall eher, inwieweit sie verletzt wird. Aber zugleich auch Sekundärgewinne möglicher Probleme.

Donnerstag, 14. November 2013

Meine drei Lieblingsfragen I

Manche Fragen bringen weit mehr, als sie auf den ersten Blick scheinen. So kleine, unscheinbare, harmlose Fragen - aber gestellt im richtigen Kontext, und sie sind beinahe magisch.

Frage 1: Woher weißt du das?

Hier geht es nicht um semantisches (lies Fakten-)Wissen, a la "und aus welcher Studie stammt das?", sondern um die Realitätsstrategien. Wenn jemand sagt, er sei traurig, woher weiß derjenige das? Wenn jemand sagt, er habe ein Problem, woher weiß derjenige das? Wenn jemand sagt, er komme nicht weiter, woher ...

Genau. Diese Frage sorgt für ein Mehr an Informationen. Teilweise lösen sich schon Probleme auf, wenn man diese zusätzlichen Informationen ins Bewusstsein zieht - denn wonach hier gefragt wird, ist zumeist gar nicht bewusst.

Aber selbst wenn nicht, hilft es, an ganz zentrale Informationen heranzukommen. Ist zum Beispiel eine Furcht eher viszeral oder kognitiv (lies mehr in Körpergefühlen oder mehr in Gedanken liegend)? Bei so etwas wie bestimmte Ziele nicht erreichen, fehlen Ressourcen (Fähigkeiten, Zeit, Personal) oder sind die Ziele zu hoch, oder zu unklar definiert?

An all das, und noch viel mehr, kommt man durch diese einfache Frage heran.

Dienstag, 12. November 2013

Soziale Ansteckung - oder auch, was ist möglich?

Harmloses Beispiel: Zur Koordination mit unseren Studierenden haben wir ein so genanntes "Forum für Organisatorisches". Es ist dazu da, organisatorische Fragen, die das Studium der Module, für die ich mit zuständig bin, zu klären.

Soweit unspektakulär. Letztes Semester aber passierte etwas - jemand begann darin, eine Lerngruppe zu organisieren. Wofür eigentlich eine ganz andere Plattform gedacht ist. Als Live-Feldstudie liefen wir das laufen. Und nun erstellten noch viel mehr Studierende dort Lerngruppengesuche - insgesamt gab es mehrere Dutzend solcher Beiträge. Die organisatorischen Foren sind semesterbezogen, heißt starten alle halbe Jahr frisch und neu. Nie zuvor, und nie danach (bisher) wurden entsprechende Themen eröffnet.

Warum war das quasi eine Live-Feldstudie? Es gibt einen seltsamen Effekt. Ich glaube, er wird soziale Ansteckung genannt - müsste aber nochmal nachrecherchieren, ob der Name so stimmt. (Da ich meine Postings hier immer aus einer Laune heraus heruntertippe, ist es relativ unwahrscheinlich, dass ich das tue.)

Kurz gesagt ist es die Beobachtung, dass sich Verhaltensweisen wie Krankheiten in einem Sozialkreis ausbreiten. Bevor jetzt Proteste kommen, das ist neutral gemeint. Das harmlose Beispiel von gerade eben? Völlig wertfrei letztendlich egal. Auch positive Aspekte, wie zum Beispiel gesündere Ernährung können sich so ausbreiten. Umgekehrt auch negative Eigenheiten wie zum Beispiel Drogenabhängigkeiten oder Scheidungen. Statistisch gesehen steigt die Chance dafür an, sobald im Sozialkreis der erste Fall davon eintritt, und zwar drastisch. Nimmt dann mit jedem weiteren Fall weiter zu. Dies kann (nicht muss!) sogar bis zu einem Punkt gehen, an dem entweder alle betroffen sind, oder der Sozialkreis auseinanderbricht.

Woran liegt das?
Erstens spielt hier Banduras "Lernen am Modell" eine Rolle. Aber, ich würde sagen, eine kleinere. Die größere dürften Rahmen spielen. Solches neues Verhalten zeigt quasi auf, was möglich ist, erweitert sozusagen die Realität. Realität hat viel mit Aufmerksamkeit zu tun - was nicht in der Aufmerksamkeit ist, ist in gewisser Weise nicht real. In dem Moment, wo es neu hinzu kommt, ist es in der Aufmerksamkeit.
Dazu können dann noch so Prozesse wie Peer Pressure (= Gruppenzwang in Psychosprech) kommen.

Wie gesagt, das ist erst einmal neutral. Es ist ein Prozess, der zum Beispiel bewirkt, dass eine positive Veränderung in einem sozialen Gefüge auf weitere Mitglieder weiterspringen kann. Aber, und das sollte man im Hinterkopf behalten, eben auch negative Veränderungen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Welchen Wert hat ein Menschenleben in den USA?

Ein Gedanke, eine Frage kam mir vorhin: Welchen Wert hat eigentlich ein Menschenleben in den USA?

Da gibt es einen seltsamen Dissenz. Wenn man einmal darüber nachdenkt. Durch einen Terroranschlag, so schlimm er auch gewesen sein mag, sterben etwas über 3000 Menschen. Daraufhin werden Billionen Dollar dafür ausgegeben, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Das ganze Land damit finanziell an den Abgrund gebracht. Und zudem auch moralisch - Bürgerrechte ausgehöhlt, die ganze Welt bespitzelt, und auch dafür insgesamt wieder Abermilliarden an Dollar ausgegeben.

Umgerechnet gab es in den letzten 15 Jahren pro Jahr in den USA circa 200 Todesopfer durch terroristische Anschläge pro Jahr. Es wird also sehr viel Geld in die Hand genommen, um hier etwas zu unternehmen.

Gleichzeitig, bezogen auf das Jahr 2010, gab es folgende Zahlen:
- Knapp 18.500 Mord- und Totschlagopfer im Zusammenhang mit Schusswaffen.
- Über 37.500 Tote im Straßenverkehr..
- Mehrere 100.000 Tote im Zusammenhang mit Adipositas.

Mal ein paar Anmerkungen dazu:
- Verglichen mit anderen Ländern der westlichen Welt haben die USA mit die höchste Anzahl an Verkehrstoten pro Einwohnern bei der geringsten Verkehrsdichte. Hier findet sich auch die einfachste Fahrausbildung, in etwa auf dem Niveau von Indien.
- Adipositas ist ein riesiges Problem in den USA. Ich fand keine genauen Zahlen, Schätzungen schwankten zwischen ¼ und ½ Million. Wir reden hier nicht über ein paar Pfunde zu viel, sondern über 50% bis jenseits von 100% zu hohes Körpergewicht.
- Man sollte es sich nicht zu einfach machen, die Anzahl an Mordopfern nur auf die laxen Waffengesetze zu schieben. Die haben sicherlich ihren Anteil daran, aber sie sind nicht der einzige Faktor. Sozioökonomische Faktoren kommen dazu (die Schweiz hat ähnlich lasche Waffengesetze, aber eine auf die Bevölkerung umgerechnet viel viel geringere Mordrate).

All das wären Faktoren, wo man schon durch eine modifizierte Gesetzeslage, die bei weitem nicht so drastisch sein müsste wie bei den Sicherheitsgesetzen nach 9/11, enorm viele Menschen retten könnte. Würde man dazu noch Geld hinzu nehmen, um zum Beispiel das Problem der Adipositas richtig anzugehen oder die sozioökonomischen Ursachen für die hohe Mordrate zu verändern, ich vermag kaum zu schätzen, wie viele Menschen gerettet werden können.

Aber sie werden es nicht.

Und warum nicht?

Furcht. Und Kontrollüberzeugungen. Die Terroranschläge kamen von außen. Und da greifen keine Kontrollüberzeugungen. Daher lassen sich damit so leicht Leute hinter den Maßnahmen gegen Terrorismus versammeln, nicht jedoch gegen die ungleich größeren Bedrohungen.

Übrigens halte ich nichts davon zu glauben, unsere Politiker seien besser. Ich erinnere da an Friedrichs "Supergrundrecht Sicherheit". Wiederum, Furcht.

Es gibt ein Supergrundrecht. Artikel 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Die Würde auf dem Altar der Sicherheit zu opfern, gerade wo es so viele größere Baustellen gibt, wo so viel mehr Leben gerettet werden könnten - ich finde das ekelhaft. Unwürdig.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Das andere Änderungsparadoxon

Ich habe vor einiger Zeit über das so genannte Änderungsparadoxon gesprochen - nämlich die Tendenz, dass die Umwelt einen anfangs wieder in die alte Rolle zu zwingen versucht.

Dabei habe ich ein ganz anderes Änderungsparadoxon übersehen, quasi das Gegenteil. Nämlich wenn wir uns verändern, nicht plötzlich, sondern im Laufe der Zeit, sind wir oft die letzten, die das bemerken.

Mir ging das letztens so, als ich Fotos von mir sah. Fotos, die noch kein Jahr alt waren. Der Unterschied war viel drastischer als ich dachte (im positiven Sinne). Aber es ist nicht nur das Aussehen. Ich glaube, Dir ist das schon sehr oft so gegangen. Nimm nur einmal Vorlieben in Sachen Freizeitbeschäftigungen, wie sich jene im Laufe der Jahre verändern. Oder Geschmacksvorlieben. Musik.

Das ist nicht nur psychologisch bedingt - sicher auch, da unsere Sinnessysteme nicht darauf angelegt sind, Veränderungen über längere Zeiträume wahrzunehmen und unser Gedächtnis sehr konstruktivistisch ist (kleines Experiment: Denke an ein Ereignis, an dem du beteiligt warst, und das mindestens ein Jahr zurück liegt. Siehe dich darin selbst. Sei ehrlich, Du hast dich darin ganz überwiegend so gesehen, wie du heute bist. So geht es zumindest nahezu allen Menschen - und das ist auch absolut sinnvoll*).

Dazu kommt auch eine physiologische Komponente - verschiedene Sinne, wie zum Beispiel der Geschmackssinn, verändern sich im Laufe des Lebens. Daher ist es normal, mit fünf, mit fünfzehn, mit fünfundzwanzig (und so weiter) etwas andere Vorlieben zu haben.

Nur oft nehmen wir dies nicht wahr. Unsere Umwelt, besonders wenn sie uns längere Zeit nicht gesehen hat, hingegen umso mehr. Ich glaube, daher kommt der Rat (dem ich inzwischen auch gut nachvollziehen kann), Entwicklungen (je nachdem welcher Natur) mit Tagebüchern und/oder Fotos zu dokumentieren. Als Motivationshilfe. Um überhaupt zu sehen, wie weit man schon gekommen ist.

* = Absolute Kurzfassung: Tatsächlich können Probleme entstehen, wenn negative Ereignisse in der Vergangenheit von aktuellen Ressourcen losgelöst sind. Da kann es sogar oft helfen, die Erinnerung wieder mit der Gegenwart zu verbinden.

Montag, 21. Oktober 2013

Geldwert

Ursprünglich hatte ich vor, etwas über ein Phänomen zu schreiben, was in den Bereich der Verkaufspsychologie fällt. Dabei fiel mir auf, erst einmal sollte ich mich darüber auslassen, was denn genau Geld ist. Wenn ich mich so an verschiedenste Meinungen aus den Berichten zur Finanzkrise erinnere, sollte ich aber wohl darauf hinweisen, dass ich da eine sehr abweichende Meinung habe. Und irgendwie glaube, dass ich recht habe.

Größenwahnsinnig, ich weiß. War ich schon immer.

Also: Geld ist letztendlich eine symbolische Repräsentation von Wert.

Nicht mehr, nicht weniger.

Was bedeutet dies? Gehen wir mal zurück in die Antike: Du hast Mehl, ich habe Kühe. Sagen wir, ein Sack Mehl entspricht einer Viertelkuh. Jetzt haben wir einen Austausch von Werten - du bekommst soviel Kuh gegen soviel Mehl. Genauso ließen sich vielleicht auch zwei Kühe und ein Schaf gegen ein Pferd tauschen.

So ein System ist nur ziemlich unhandlich. Man muss bei Tauschgeschäften seinen Besitz dabei haben, möglicherweise über viele Ecken tauschen (beispielsweise ich will ein Pferd, aber der Pferdebesitzer will keine Kühe, sondern Gerste, und der Gerstebesitzer will nur Mehl...). Da kam die Erfindung von Geld herein. Alles Geld - von den Goldmünzen von einst bis zu den Baumwollpapierscheinen von heute sagt letztendlich "du bekommst so und so viel Wert im Austausch dafür!"

Das ist zentral zu verstehen. Geld hat nichts mit Gold zu tun. Gold wurde gewählt, weil es eine begrenzte Ressource und verhältnismäßig fälschungssicher war/ist. Es erfüllte schon immer denselben Zweck - es repräsentierte Wert, aber es war kein Wert. Bei dem heutigen nicht mehr von Gold gedecktem Geld wird oft der Begriff "Fiatmoney" benutzt - eben man "glaubt" nur, dass dahinter Wert steckt. Das galt aber auch für Gold. Ich erinnere mich, dass ich bei einigen Familien ziemlich interessante Erbstücke gesehen habe. Kostbarkeiten, die man eher beim Adel erwartet hätte. Wo kamen die her? Aus den Zeiten der Hyperinflation, weil da die Vorfahren Mittel zur Nahrungsproduktion hatten. Tausche Goldbecher gegen Laib Brot. Gold selbst hat auch nur den Wert, dem man ihn zuweist.
Das gilt für alles. An der Finanzkrise seit 2008 sah man zum Beispiel, dass auch Grundbesitz plötzlich viel weniger wert sein konnte. Genauso gab es im Laufe der Geschichte Substanzen, die genauso oder mehr wert waren als Gold - heutzutage dank neuer Produktionsmethoden jedoch nur noch einen Bruchteil wert sind (Zucker z.B.).

Wogegen sich eher bei manchen Ökonomen ein Widerstand regt, würde ich als "Ex Nihilo"-Geld bezeichnen - Geld aus dem Nichts, ohne Gegenwert. Sich aber nur auf Gold als Gegenwert zu beziehen sind meiner Einschätzung nach arge Scheuklappen. Jeder Wert, der geschafft wird, sollte mit Geld hinterlegt sein, sonst ist eine Deflation die Folge. Heutzutage gibt es viel mehr erschaffene Werte als vor hundert Jahren. Das war ja letztendlich auch das Problem bei der Hyperinflation in der Weimarer Republik - das dort gedruckte Geld war "Ex Nihilo".

Ich will gar nicht darüber spekulieren, wie viel Geld heutzutage von Wert gedeckt ist (oder nicht), einfach weil ich dafür als Psychologe wohl der falsche Ansprechpartner bin und ich absolut keine Anhaltspunkte habe. Aber in dem Moment, wo es um die Vermarktung von Produkten geht, dann spielt das Verständnis Geld = Wert eine sehr große Rolle.

Denn, und das hatte mich eigentlich angeregt, etwas dazu zu schreiben, da bauen manche Hersteller richtig großen Mist. Sie haben ein Produkt. Vielleicht sogar ein tolles Produkt, und dann verringern sie dessen Wert. Fangen dann an, auf externe Ursachen zu schimpfen, dass die Verkaufszahlen nicht stimmen. Na Überraschung!

Ich hielt kürzlich eine DVD aus den frühen Nullerjahren in den Händen. Und mir wurde sofort wieder ins Gedächtnis gerufen, was für eine desaströse Zeit das war. Man legt die DVD ein, muss erst einmal eine Sprache wählen. Damit erst einmal eine Minute lang ein Copyright-Hinweis eingeblendet wird. Danach zwei "Raubkopierer sind Verbrecher!!einseinself"-Spots (sehr sinnvoll* bei einer Original-DVD, das dem Käufer an den Kopf zu klatschen). Danach nicht überspringbare Werbung. Irgendwo dabei auch nochmal eine Minute FSK-Hinweis. Also für den Fall, dass man den riesengroßen Aufdruck auf der Verpackung nicht gesehen haben sollte. Bonuspunkte, es war sogar ein Film freigegeben ab 6, also nicht einmal etwaige FSK18-Klötze. All das nicht abbrechbar. UOP bei DVD-Playern ist auch etwas, das letztendlich ein Negativwert ist.
Unsinnig zu erwähnen, dass ich die meisten DVDs aus der damaligen Zeit gebraucht oder aus dem Grabbeltisch gekauft habe. Nicht, weil ich nicht bereit sei, generell für DVDs etwas auszugeben - sondern, weil so etwas den Wert der DVD entsprechend senkte.

* = Und wo wir gerade von Rahmen sprechen. Ein National Park in den USA stellte mal das Schild "bitte keinen Müll mehr wegwerfen" auf. Folge war, es wurde weitaus mehr Müll in die Landschaft geschmissen.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Eine Geschichte über Strategien und Ziele

Ich habe gestern eine Geschichte gehört, die erstmal nur völlig skurril ist. Wo sich viele Leute denken, "was ein Idiot!"
Tatsächlich war das auch der Aufmacher, unter dem die Geschichte veröffentlicht worden ist.

Sie ging so: Ein Mann war mit seinen Kindern auf einem Jahrmarkt. Dort gab es ein Spiel, bei dem es als ersten Preis eine aktuelle Spielekonsole zu gewinnen gab. Da dachte sich der Vater, hey, die wäre toll für meine Kinder - und begann zu spielen.

Nur war er nicht sonderlich gut. Spielte aber immer weiter. Verzockte 300$.

Lektion gelernt? Neee. Er ging zur Bank, holte seine Ersparnisse. Waren 2300$. Er wollte diese Spielekonsole!

Und verzockte das ganze Geld.

Ähm. Doof gelaufen. Aber die Geschichte geht noch weiter. Denn nun beschwerte sich der Mann, machte großen öffentlichkeitswirksamen Ärger. Drohte mit Klagen. Und die Trostpreise, die er vom Veranstalter bekam, waren ihm nicht genug. Er wollte diese Spielekonsole!

In gewisser Weise ging die Geschichte ja noch irgendwie, hm, gut aus, weil nun Unbeteiligte für den armen Vater sammelten und so seine Kinder die Konsole bekamen.

Aber jetzt einmal rein psychologisch betrachtet, hier können drei (offenkundig) dysfunktionale Verhaltensaspekte am Zug gewesen sein. Warum dysfunktional? Weil es die Konsole zum Zeitpunkt der Geschichte für 200$ im Laden gegeben hätte. Welcher Verhaltensaspekt nun genau dahinter steckt, nun, Ferndiagnosen sind schwierig. Daher werfe ich sie nur mal als mögliche Erklärungen hinein.

Möglichkeit 1: Es ging nicht um die Spielekonsole, sondern um das Gewinnen des Spiels. Für manche Menschen ist es ein sehr starkes Motiv, in kompetetetiven Situationen erfolgreich abzuschneiden. Hier läge das Problem auf Seiten der Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Möglichkeit 2: Eine einmal gewählte Zielstrategie wurde immer weiter verfolgt, selbst wenn diese eindeutig aus dem Ruder lief. Das ist gar nicht einmal so ungewöhnlich. Erinnert mich an ein Ereignis, das schon acht oder neun Jahre zurück liegt. Da geriet ich in ein Gebäudebrand. Befand mich in einer Art ebenerdiger Saal, mit großen Scheiben und Sicherheitstüren in ihnen. Der Saal war voll. Eine Handvoll Leute (u.a. ich) nahmen die Sicherheitstüren, und waren direkt draußen. Der Rest hingegen strömte durch die regulären Eingänge, durch verrauchte Flure und einigen Engstellen, nach draußen. Gab einige leichte Rauchvergiftungen. Diese Art des Tunnelblicks ist leider alles andere als selten.

Möglichkeit 3: Das klassische Zocker-Problem. Um die Verluste zu rechtfertigen, wird immer weiter investiert. Selbst wenn es überhaupt keinen Sinn mehr macht. Alle Casinos und Spielhallen beruhen darauf. Quasi eine Extremform des Sunk-Cost-Dilemma (wo man immer mehr investiert, um die bisherigen Investitionen zu rechtfertigen, auch wenn es längst absolut irrational ist - nur hat man bei SCD wenigstens irgendwas, bei verzockten Einsätzen nur Lehrgeld und kognitive Dissonanz).

Dienstag, 15. Oktober 2013

"Ich habe keine Zeit dafür!"

Spielen wir einmal wieder ein Ratespiel. Sagen wir, wir haben da einen Klienten vor uns. Für den wäre es extrem hilfreich, wenn er täglich für eine Übung 30 Minuten investiert.

Wenn man das vorschlägt, ist sehr oft die Reaktion "dafür habe ich absolut keine Zeit!"

Wie reagieren wir darauf?

Die meisten würden anfangen Fragen zu stellen a la
- "wirklich nicht?"
- "ist vielleicht nicht irgendwo noch etwas frei?"
- "können Sie das irgendwo unterbringen?"

Schlechte Rahmen. Der Punkt ist, die allermeisten Menschen haben keine Zeitlöcher in ihrem Tagesablauf. Sie haben immer etwas zu tun. Stellt man obige Fragen, suchen sie nach Freizeit - die sie ziemlich oft nicht haben.

Wie wäre es hingegen mit folgender Perspektive:

"Was ist wichtiger?"

In dem Fall wird nicht nach freier Zeit gesucht, sondern mental verglichen. Ob man zum Beispiel vier Soaps jeden Tag verfolgen muss, oder eine davon vielleicht doch unwichtiger ist als ein bestimmtes persönliches Ziel zu erreichen. Oder ob wirklich zwei Stunden jeden Tag soziale Netzwerke konsumiert werden müssen. Oder ob... jedenfalls, durch diese Frage verändert sich die Perspektive, und plötzlich finden sich Zeiten. Zeiten, die ansonsten oft nicht gefunden worden wären.

Montag, 14. Oktober 2013

Mini-Rahmen

Es gibt große Rahmen, und es gibt kleine Rahmen. Wie in einer etwas längergehenden Serie erklärt, sind Rahmen letztendlich so etwas wie Kontextinformationen, ohne die die Welt keinen Sinn macht. Nur sind diese Kontextinformationen veränderbar - wenn es um geistige Konstrukte geht. Oder strategisch plazierbar, wenn es um weltliche Konstrukte geht.

Drei Beispiele für letzteres - ich glaube, mindestens zwei habe ich auch schon einmal irgendwo erwähnt.

1. Von der Größe des Geschirrs hängt ab, wie groß die Portionen sind, die gegessen werden, bis die Leute satt sind. Kleinere Teller = kleinere Portionen.
In dem Fall wirkt das Geschirr als Bezugsrahmen. Das ergibt logisch absolut 0 Sinn - 400 Gramm sind 400 Gramm, egal ob sie flach verteilt in einem trogähnlichen Schalenteller sind, oder sich gestapelt auf einem Teller finden, der als Untertasse durchgehen könnte.
Aber Rahmen müssen nichts mit Logik zu tun haben, sie wirken dennoch.

2. Wie viel Geld Kunden für einen Billardtisch ausgeben, hängt davon ab, ob ihnen zuerst die teuren oder zuerst die günstigen Tische gezeigt werden. Teurer zuerst = mehr Geld wird ausgegeben.
In dem Fall wird der zuerst gezeigte Tisch zum Bezugsrahmen, an dem die nachfolgenden Produkte gemessen werden.

3. Ein Produkt der mittleren Preisklasse verkauft sich dann besonders gut, wenn es einerseits flankiert wird von einem besseren, aber deutlich teureren Produkt, und andererseits von einem schlechteren, aber nur unwesentlich billigereren Produkt. Gerade letzteres erhöht die Attraktivität des Produkts deutlich. (Dies macht für Geschäfte deshalb Sinn, weil die Gewinnspanne bei der mittleren Preisklasse meist spürbar höher ist als die bei "fair" bepreisten der niedrigereren Preisklasse.)

Sonntag, 13. Oktober 2013

Destruktiver Emotionsrahmen trifft symbolische Realität

Eine (Martketing-)Studie, die so skurril ist, dass ich sie einfach nur toll finde!

Grundfrage war jeweils, unter welcher Bedingung sich mehr Teilnehmende freiwillig für ein ehrenamtliches Engagement melden. Die Studie ist nicht ganz sauber, weil eine echte Kontrollgruppe fehlte, also nur Experimentalgruppen verglichen worden sind. Dennoch sehr interessant.

Durchgang 1
- Gruppe 1: Soll daran denken, wo ihnen früher geholfen worden ist.
- Gruppe 2: Soll daran denken, wo sie früher Mist gebaut haben.

Folge: Gruppe 2 meldet sich ganz signifikant häufiger.

Wenn wir uns erinnern: Letzteres löst Schuld- bzw. Schamgefühle aus.

Durchgang 2
- Gruppe 1a: Soll daran denken, wo ihnen früher geholfen worden ist. Bekommen als Dank für die Studienteilnahme einen Stift geschenkt.
- Gruppe 1b: Soll daran denken, wo ihnen früher geholfen worden ist. Bekommen als Dank für die Studienteilnahme ein Feuchthandwaschtuch geschenkt.
- Gruppe 2a: Soll daran denken, wo sie früher Mist gebaut haben. Bekommen als Dank für die Studienteilnahme einen Stift geschenkt.
- Gruppe 2b: Soll daran denken, wo sie früher Mist gebaut haben. Bekommen als Dank für die Studienteilnahme ein Feuchthandwaschtuch geschenkt.

Folge: Keine Veränderung in den beiden "Gruppe 1"-Bedingungen. Gruppe 2a weiterhin unverändert hoch. Aber Gruppe 2b ist plötzlich fast auf demselben niedrigen Niveau wie die Gruppe1-Bedingungen.

Wie das? Meine Vermutung, weil hier ein Symbol ins Spiel kommt. Eine Möglichkeit, Schuld- und Schamgefühle loszuwerden ist nicht nur Wiedergutmachung, Buße, wie auch immer (darauf beruht die erhöhte Teilnahmebereitschaft), sondern eben auch symbolische Gesten. Wie sich von etwas reinwaschen.

Samstag, 12. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen VII

Es gibt so ein paar klassische Gegensatzpaare bei Gefühlen, die immer wieder behauptet werden. Ich sage aber, die stimmen so nicht. Nehmen wir einmal Furcht und Wut: Beide haben dieselbe Intention, nur gegenteilige Ausdrucksformen hinter derselben Struktur. Zu beiden würde ich eher 'pity' (ich wähle hier eines der englischen Wörter für Mitleid, weil das deutsche 'Mitleid' nicht weniger als vier Konzepte umfasst und daher nur bedingt trennscharf ist) als Gegenteil ansehen - die Rahmenbedingungen von 'pity' machen es unmöglich, dass man dem Ziel gleichzeitig Furcht oder Wut entgegen bringen kann. Wie ich darauf komme? Nun, oft wird als Gegenteil von Liebe Hass aufgeführt. Strukturell schließen sich die beiden jedoch nicht aus. So etwas wie Hassliebe ist nicht nur Wortklauberei. Dann, schon etwas spirituell angehaucht, wird manchmal zu beiden als Gegenteil "Indifferenz" aufgeführt. Da steckt ein wenig Wahrheit hinter, aber es ist so eine Metaebene wie zu sagen die Gegenfarbe zu Violett ist Schwarz. So rein rahmentechnisch durchaus korrekt, und dann wiederum nicht.

Da ich Indifferenz jetzt mal nicht als Gefühl bezeichnen mag, möchte ich noch auf einen Aspekt eingehen, den ich in der Einleitung vergessen habe. Manchmal sind Gefühle kulturelle Artefakte. Sie werden nicht wirklich erlebt, nur vorgespielt, weil sie erwartet werden. Hey, da Emotionen sehr wichtig für Rahmen sind, und wenn eine Kultur sagt "zu dem Rahmen gehört die Emotion!", dann soll man sie zeigen, mit den Erwartungen spielt. Aber zwischen zeigen und empfinden besteht ein Unterschied.

Denn nun komme ich als Abschluss in meiner kleinen Beitragsreihe zur zweitdestruktivsten Emotion. Eine Emotion, die nur deshalb nicht destruktiver als Hass ist, weil sie meist nur eine kleine Anzahl von Personen ins Verderben reißt. Eine Emotion, die dabei das Gegenteil von Liebe ist - dabei als unvereinbar mit Hass erscheint, doch dieselbe Wirkrichtung von Hass hat. Eine Emotion so zerstörerisch, dass sie in Reinform das repräsentiert, was im Buddhismus als Quelle allen Leidens gesehen wird.

Eifersucht

Warum?
- Besser gefragt, mit welcher Facette anfangen? Der Rosenthaleffekt sollte allgemein bekannt sein - Menschen verhalten sich zumeist so, wie man annimmt, dass sie sich verhalten werden. Schon mal also ein ganz schlechter Rahmen. Schlimmer noch, er wird nicht besser dadurch, wenn er nicht eintritt. Das sorgt nicht für mehr, sondern für noch weniger Vertrauen.
- Kern von Eifersucht sind Verlustängste. Etwas (egal ob Partner, Besitz, wie auch immer) wird als Teil von einem selbst wahrgenommen, und entsprechend verteidigt. Sind Liebe, Hass, Hassliebe, wie auch immer allesamt nach außen gerichtet, ist Eifersucht auf etwas gerichtet, das internalisiert wurde. Man soll sich von dem aufgestellten Frame nicht täuschen lassen. Es geht nicht um die andere Person, oder um mögliche Nebenbuhler.
- Das sorgt auch für das paradoxe Verhalten, dass zwar den Wertvorstellungen der Person nach inakzeptables Verhalten antizipiert oder auch (selbst nur angenommenes) tatsächliches Verhalten sanktioniert wird, nie jedoch Konsequenzen gezogen werden. Wenn man jemanden nicht traut, warum eine Beziehung führen? Wenn jemand angeblich so wichtiges Vertrauen bricht, warum die Beziehung weiterführen? Aus Liebe? Ist es Liebe, beide leiden zu lassen? Nein. Hier vermischen sich Selbstwertprobleme mit mangelndem Rückgrat.
- Auch wenn Eifersucht öfter mal mit Liebe in Zusammenhang gebracht wird (in Lateinamerika ist es da sogar ein kulturelles Artefakt), finden sich doch massive strukturelle Ähnlichkeiten zu Hass. So wird das Ziel zum Beispiel dehumanisiert, eingeschränkt, und - letztendlich - vernichtet.

Das ist der (durchaus ironische) Witz an der ganzen Sache - Eifersucht soll etwas mit (psychischer oder physischer) Gewalt erhalten, und schafft doch am Ende immer das Gegenteil. Ich habe eine hohe dreistellige Zahl an Paaren erlebt, wo einer zur Eifersucht neigte. Es gab immer nur zwei Folgen: Entweder die Beziehungen zerbrachen (oft genau daran), oder der Partner wurde restlos zerstört. Das ganze nicht einmal mit Absicht, nicht einmal durch konkrete Anlässe. Sondern, weil selbstzerstörerische Tendenzen (die die meisten Menschen irgendwo haben) verstärkt wurden. Das entspricht der Intentionsrichtung von Eifersucht: Je tiefer jemand im Dreck steckt, desto geringer die Anziehung auf andere, und desto geringer die Chance, dass derjenige geht. Oder anders formuliert, es wird ein wunderbar schöner goldener Käfig gebaut und verteidigt - für einen Vogel mit (selbst-) gebrochenen Flügeln. Aber am Ende bleibt es ein Gefängnis, und der Insasse kaputt. Das ist das Ziel von Eifersucht. Daher ihr zerstörerischer Impetus.

Die Frage ist nun, wie damit umgehen?

Kommt drauf an, ob man selbst unter Eifersucht leidet - oder ob der Partner eifersüchtig ist.

Leidet man selbst unter Eifersucht: Überhaupt erst einmal begreifen, dass man es hier mit einer äußerst zerstörerischen Kraft zu tun hat - und, dass es in erster Linie um einen selbst geht, nicht um den Partner.
Heißt erst einmal an den Verlustängsten arbeiten. Natürlich besteht auch ohne Verlustängste die Gefahr, verlassen oder betrogen zu werden - aber Verlustängste erhöhen die Chance darauf, statt sie zu senken.
Hieße zum Beispiel, erstens den eigenen Selbstwert aufbauen. Zweitens zu akzeptieren, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg geht, und niemals Teil von einem selbst sind. Sie können gehen, ja - aber man selbst bleibt intakt. Entsprechend (das ist aber generell zu empfehlen) auch sich selbst weiterhin als getrenntes Wesen betrachten. Sogar bei einer Hochzeit wird von "Mann und Frau" gesprochen, nicht von "Verschmelzung zu einem Wesen". Ist man selbst nur durch einen anderen Menschen vollständig, läd man so viel Druck auf ihn, dass das kaum gut gehen wird. Weiterhin sollte es das Ziel sein, sein Gegenüber mehr zu der großartigen Person werden zu lassen, die derjenige sein kann (Empowerment). Nicht weniger. Heißt kein selbstzerstörerisches Verhalten unterstützen. Schließlich noch, das ist das wichtigste, konsequent sein. Taten zählen, nicht Worte. Ist keine Vertrauensgrundlage da, wurde die Vertrauensgrundlage zerstört, dann muss einer gehen, oder umdefiniert werden.

Ist der Partner eifersüchtig: Hier gibt es keine guten Lösungen. So tiefgreifende Änderungen lassen sich nicht über Ecken erreichen. Die Frage ist hier auch, wie stark die Eifersucht ist. Sobald es haarig wird, also sobald versucht wird ein Käfig aufzubauen oder selbstzerstörerisches Verhalten verstärkt wird, kann man entweder mit den Folgen leben (mehr Klienten für meine Kollegen!) - oder fliehen.

Um einigen Fragen vorzubeugen:
"Aber es gibt doch Ausnahmen?"
Dachte ich mal. Aber irgendwie hatten die mir bekannten Ausnahmen die Angewohnheit, nach einigen Jahr(zehnt)en in erbittersten Psychokriegen mit völliger gegenseitiger Zerstörung zu enden. Seither bin ich pessimistischer.

"Und was ist, wenn die Eifersucht begründet ist?"
Dann geht man. Ja, man kann einen anderen Menschen ändern. Nein, durch eifersüchtiges Verhalten gelingt dies nicht. Hat man da keinen Anlass zu, sollte man es nicht zeigen. Hat man da Anlass zu, gibt es keinen Grund es zu zeigen, denn dann braucht es stattdessen Rückgrat.

"Eifersucht liegt in der Natur des Menschen!"
Tode durch Blinddarmentzündungen auch. Eifersucht ist nicht anderes als eine fremd- und selbstzerstörerische Verlustangst. Ja, betrogen zu werden oder einen Partner zu verlieren tut weh. Nein, durch eifersüchtiges Verhalten lässt sich dies nicht verhindern. Eher im Gegenteil. Und man macht alle Beteiligten gleichzeitig kaputt. Wir als vernunftbegabte Wesen haben die Wahl. Wir können sagen: Bis hierher, und nicht weiter! Was unsere eigene Gefühlswelt angeht. Was unsere Beziehungen angeht. Und somit auch, was unsere Zukunft angeht.

Freitag, 11. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen VI

Jetzt wird es unspaßig. Kommen wir zur nächste destruktiven Emotion.

Trauer

Trauer hat zwei Gesichter. Ein funktionales und ein dysfunktionales.

Gesicht I:
- Vergangenheitsorientiert
- Reaktion auf einen Verlust
- Ziel ist die Verarbeitung des Verlusts

Gesicht II:
- Zukunftsorientiert
- Rekreation eines Verlusts
- Ziel ist die Aufrechterhaltung des Verlusts

Trauer ist zuvorderst ("Gesicht I") eine Reaktion auf einen Verlusts. Eine Phase, durch die die allermeisten Menschen bei einem Verlust gehen - abhängig davon, wie schwer der Verlust war. Hier gab es in jüngerer Vergangenheit Diskussionen, ob so etwas überhaupt zu einem Fall für Psychotherapeuten hochstilisiert werden sollte (meine Meinung, da wir hier bereits eine deutlich erhöhte Suizidrate haben, ist das bei schweren Fällen durchaus angemessen). Hier wäre die Hilfe bei der Verarbeitung sinnvoll. Vielleicht auch ein anderer Blick auf die Erinnerung.

So formuliert, sehr unschöne Verluste können in gewisser Weise das Andenken an das Verlorene kontaminieren. Beispielsweise wenn ein Kind unter sehr unglücklichen Umständen starb, kann es passieren, dass sämtliche Gedanken nur noch darum und den damit einhergehenden Schmerz kreisen, und die schönen Zeiten ausgeklammert werden. Keine Integration in die Autobiographie stattfindet. Dann ist der Übergang zum zweiten Gesicht nicht weit.

In dem Fall wird der Verlust in die Zukunft extrapoliert, immer wieder "neu erschaffen" (Gedankenschleifen z.B.). Hier wird der Verlust aufrechterhalten, statt verarbeitet. Er wird zu etwas die Person Definierendem. Das ist sehr, sehr problematisch. Hier muss die Rekreation des Verlusts gestoppt werden, neue Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden - möglicherweise gar mit einem neuen Selbstbild.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen V

Bald geschafft. Nur noch drei destruktive Emotionen verbleiben (die ich in dieser kurzen Reihe behandeln mag).

Neid
- Zukunftsorientiert
- Etwas nicht erreichen können, was jemand anders hat
- Dies external bedingt.
- Selbstwertproblem

Neid ist eine ziemlich einfache Sache. Kern ist, dass eine Zukunft antizipiert wird, in der man etwas nicht hat, was andere haben.
Die Frage da ist, warum nicht? Wobei jeder der Gründe wiederum rein subjektiv ist und stimmen kann, oder auch nicht.
- Kann an unterschiedlichen Startbedingungen liegen.
- Kann an unterschiedlichen starren Kompetenzen liegen.
- Kann an externen Faktoren wie Glück oder Schicksal liegen.
Gemeinsam ist den (und allen weiteren Gründen) allen, dass hier die Ursache nicht in Faktoren gesehen werden, die man selbst kontrollieren kann. Neid bei Faktoren, die kontrolliert werden können, sorgt meist dafür, dass gehandelt wird. (Aus dem Grund findet sich in Werbung auch ziemlich oft Neidmotive.)

Dabei spielt auch der Selbstwert mit herein - Stichwort sich über etwas anderes zu definieren. Warum will man überhaupt etwas, was jemand anders hat? Das ist eine ziemlich normale Reaktion und auch durch entsprechende Rahmeneigenheiten gut zu erklären - wenn jemand anders etwas hat, dann muss es ja gut sein! Was ist in einem Haus mit 3.000 Spielzeugen und zwei kleinen Kindern das wichtigste Spielzeug? Das, womit das andere Kind gerade spielt...
Nur funktional ist das nicht unbedingt.

Zweiter Ansatzpunkt ist die Frage, warum etwas nicht erreicht werden kann, wenn man es denn erreichen will. Wiederum eine Selbstwertfrage. Möglicherweise auch eine Ressourcenfrage.

Montag, 7. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen IV

Heute werde ich direkt zwei Emotionen abhandeln, weil sie sich (bis auf ein Detail) sehr ähneln. Tatsächlich sogar im Sprachgebrauch teils synonym verwendet werden.

Schuld & Scham
- Vergangenheitsorientiert
- Unterschreiten eines Standards
- Schuldgefühle: Eines eigenen Standards
- Scham: Eines fremden Standards

Standard ist hier sehr weit zu sehen - das reicht von sehr externalen Dingen wie gesellschaftlichen Regeln über Zielsetzungen, Leistungen, Vorhaben, ethische Werte, Motive, und so weiter und so fort.

Gemeinhin wird empfohlen, abzuklopfen, ob der Standard wirklich angemessen war. Denn einen unangemessen hohen Standard kann man kaum erfüllen.

Durchaus wahr. Ich möchte das aber differenzierter betrachten. Emotionen haben eine Signalfunktion. Sie teilen etwas mit. Im Falle von Schuld und Scham kann es sein, dass man einem unerreichbaren Maßstab nacheifert, ja.

Aber es kann auch sein, dass hier wirklich Mist gebaut wurde - und die entsprechende Lehre daraus ist, es in Zukunft besser zu machen. Eben nicht mehr denselben Fehler zu machen. Klingt hart, ist auch so gemeint. Ich habe genug Leute erlebt, die mal kurzzeitig Cluster-B-Verhalten* gezeigt haben. Allesamt sind danach (so sie keine Cluster-Bs waren) emotional komplett abgestürzt, weil dieses Verhalten enorme kognitive Dissonanz hervorruft. Schuldgefühle können ein Hinweis darauf sein, dass der Standard zu hoch ist. Sie können aber auch ein Hinweis darauf sein, dass man eine rote Linie überschritten hat - und in dem Fall ist die Lösung, erstens, es nicht wieder zu tun. Zweitens, es versuchen wieder gutzumachen. Drittens, sich selbst zu vergeben.

* = gemeint ist die ganze Bandbreite an Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen. Psycho- und Soziopathen, Narzissten, Borderliner. Gemeinsam ist allen ein Empathiemangel, daher kommt es bei ihnen nicht zu dieser Rückkopplung.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen III

Und immer noch gilt, was ich im ersten Teil schrieb!

Hass

Hass ist eine seltsame Emotion. Hochgradig destruktiv. Mit den meisten anderen Emotionen kann man irgendwie arbeiten. Dort sehe ich hier und da auch ethische Anwendungen (ich habe mal jemanden vom Selbstmord abgehalten, indem ich ihn schlicht und ergreifend stinkwütend gemacht habe). Hass jedoch? Hier sehe ich einerseits keine Anwendung, die auch nur in irgendeiner Weise ethisch vertretbar wäre. Andererseits ist hier die Auflösung wesentlich schwerer als bei anderen Emotionen.

Zunächst will ich Hass einmal abgrenzen. Oft werden hier Vorurteile mit ins Spiel gebracht. Das ist jedoch nicht wirklich der Fall. Vorurteile sind kognitive (also gedankliche) Konstrukte. Hass ist eine Emotion. Die können aufs selbe Ziel gerichtet sein.

Aber erst einmal wieder die Rahmenbedingungen für Hass:
- Entstanden durch fortwährende Furcht- oder Wutereignisse
- Vergangenheits- und zukunftsorientiert
- Ziel: Vernichtung des gehassten Ziels

Zentral für Hass sind fortwährende negative Ereignisse. Das können Furcht- oder Wutereignisse (und natürlich auch beides) sein. Das ist die Vergangenheitsorientierung. Die Zukunftsorientierung beruht auf der Intentionsrichtung der Emotion.

Wie nun damit arbeiten, um Hass loszuwerden? Erstmal haben die Furcht- bzw. Wutereignisse dieselben Ansatzpunkte wie sie schon beschrieben worden sind in den vergangenen beiden Teilen. Eine Möglichkeit besteht darin, jene aufzulösen. Die nächste ist, das Ziel (ziemlich radikal) zu reframen. Ich erinnere mich da an die Aussage eines Mönchs aus Kambodscha - "wenn ich die Roten Khmer hassen würde, wäre mein Geist noch immer in deren Todeslagern". Geht in Richtung Vergebung - andererseits kann man hier natürlich auch gut wiederum Ärger auslösen, im Sinne von die Ketten zur Vergangenheit aufzeigen.

Einfach ist das jedoch nicht. Hass ist überaus destruktiv - sowohl für den Hassenden, als auch für den Gehassten (zumindest, sollte der Hassende die Möglichkeit bekommen, seinen Hass auszuleben). Entsprechend halte ich es auch für ethisch absolut verwerflich, in irgendeiner Weise Hass zu erzeugen.

Samstag, 5. Oktober 2013

Ziel der Kritik?

Ein Punkt, der immer mal wieder gerne ignoriert wird, ist, dass Kritik konstruktiv sein sollte. Im Sinne von, was willst du mit der Kritik erreichen? Einen bestimmten Umstand, Verhalten, wie auch immer abstellen ist nicht konstruktiv - wichtig ist, was stattdessen da sein soll. Nur so lässt sich verhindern, dass Kritik (furchtbar) nach hinten los geht.

Mich erinnert das an mein Studium. Wir hatten da einige recht klagewütige Kommilitonen. Mit interessanten Ergebnissen.
So wurde das Multiple-Choice-Format der Klausuren angegangen. Erfolgreich. Es gab nun keine Wahlaufgaben mehr, da jene dem Studiengang untersagt worden sind. Keine Doppeldeutigkeiten, keine sprachlichen Fallen mehr, toll! Oder? Nun ja. Die neuen Frageformate waren rechtlich gesehen viel sicherer. Aber die Ergebnisse waren anders. Gab es vorher einen Deckeneffekt (i.e. sehr viele sehr gute Noten), gab es danach... ich möchte es so formulieren: Bei einer Kohorte von 160 Studierenden schafften die Allgemeine II-Prüfung, in der ich mit schrieb, sagenhafte 7 Studierende.
Oder Studiengebühren. Ich bin ein absoluter Gegner von Studiengebühren, aber das soll nicht das Thema sein. Jedenfalls hatte damals meine Universität noch ein halbwegs den Studierenden entgegenkommendes Modell eingeführt. Dagegen wurde geklagt. Erfolgreich. Ergebnis: Die Studiengebühren verdreieinhalbfachten sich.
Und was bei der Vergabe von den Diplomarbeiten abging, war noch so ein Thema für sich. Konnte vorher getrickst werden, konnte es danach passieren, dass man in ärgste Zeitnot geriet oder sogar ganz große Probleme bekam. Die Daten für meine Arbeit bekam ich erst Tage vor dem Abgabedatum vom Labor. Seither habe ich immerhin Geschmack an Cappuccino gefunden.

Was haben all diese Fälle gemeinsam? Man sollte über die Konsequenzen seiner Handlungen nachdenken. Hinter all jenen der obigen Entscheidungen steckten positive Intentionen. Nur das Gegenteil von "gut gemacht" kann nun leider manchmal auch "gut gemeint" sein.

Freitag, 4. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen II

Bitte dran denken: Das Vorwort aus dem ersten Teil gilt auch hier!

Ärger
- Reaktion auf eine Grenzverletzung. (Es ist unerheblich, was für eine Grenzverletzung - ob körperlich, ideel, emotional, finanziell, und so weiter.)
- Zumeist vergangenheitsorientiert. Ausnahme ist die direkte Abwehrreaktion auf eine akute Grenzverletzung (in dem Fall gegenwartsorientiert).
- Persönliche Komponente des Grenzverletzers. Gemeint ist, dass je mehr Verantwortung einer Person (oder einer Personifizierung) zugeschrieben werden kann, und je unlauterer dessen Motive sind, desto größer ist der Ärger.
- Ziel ist Wiederherstellung der Grenze.
- Und Ziel ist die Vermeidung zukünftiger Grenzverletzungen. Dies ist in aller Regel mild destruktiv (lies, den Grenzüberschreiter für die Grenzüberschreitung zahlen lassen).

Oftmals werden Furcht und Ärger als zwei Seiten einer Medaille beschrieben (beispielsweise in Cannons "flight or fight system"). In gewisser Weise stimmt das; Furcht ist defensiv und dient dem Selbstschutz; Ärger ist offensiv und dient dem Schutz der eigenen Grenzen. Ebenso können sie miteinander verwoben sein. In beiden findet sich auch eine Schmerzkomponente.

Allerdings ist die Zeitorientierung eine völlig andere (Furcht ist zukunfts- und Ärger vergangenheitsorientiert). Ebenso hat Furcht nicht zwangsweise eine persönliche Komponente. Ärger schon.

Jene kann sich, wie jeder der Rahmenfaktoren, nutzen lassen. Klassisches Beispiel, wenn mehrere wichtige Mitarbeiter nicht miteinander zurechtkommen und sich ständig streiten, einen beliebigen Persönlichkeitstest vorlegen und als Streitgrund dann ein Missverständnis aufgrund unterschiedlicher Kommunikationsstile konstruieren. Das depersonalisiert die Reibereien, wodurch die Leute dann viel besser miteinander zurecht kommen. Ganz klassisch konstruktivistisch stimmt das einerseits, und andererseits nicht. Nur ist dies egal - es entzieht der Emotion einen ihrer Grundpfeiler und erlaubt es, das Problem zu lösen, ohne dass irgendwer sein Gesicht verliert. (Denn das wäre schnell wieder eine Grenzverletzung. Hey toll, nun sind sie sauer auf den zugekommenen Dritten statt aufeinander!)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen I

In dieser Serie will ich einmal kurz umreißen, was bestimmte Emotionen gemeinhin aussagen.

Was meine ich mit "aussagen"? Damit überhaupt eine Emotion entstehen kann, müssen bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Empfindungen wie Angst oder Wut entstehen nicht aus dem "nichts". Allein, dass sie auftreten, spricht für bestimmte Faktoren, die da sein müssen. Aber, und das ist das wichtige, subjektiv da sein müssen. Wir sind hier also wieder bei Rahmen. Diese Faktoren sind aus zwei Gründen interessant: Sie sagen etwas darüber aus, wie diejenige Person ihre Realität konstruiert. Und man kann mit ihnen arbeiten - meist reicht es, einen der Faktoren zu ändern, und die ganze Emotion kollabiert.

Bitte dabei aber auch bedenken: Oft hat man es in der Praxis mit Emotionskonglomeraten zu tun, Gemischen aus verschiedensten Emotionen, die alles verkomplizieren. Und ich gehe von prototypischen Situationen aus. Das sind keine Naturgesetze. Ausnahmesituationen lassen sich jeweils konstruieren.

Nachdem das aus dem Weg ist, fangen wir mit der ersten an:

Furcht

- Zukunftsorientierung. Furcht kann nicht vergangenheitsorieniert sein. Von Ausnahmefällen abgesehen auch nicht gegenwartsorientiert. (Ausnahme: Akute Panik. Die meisten Menschen schalten in solchen Situationen aber auf Autopilot.)
- Ein Ereignis wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erwartet.
- Das Ereignis wird als negativ betrachtet.
- Die eigenen Bewältigungskompetenzen werden als nicht sicher ausreichend betrachtet.
- Es besteht Hoffnung, das Ereignis zu vermeiden.

All das sind mögliche Ansatzpunkte, zum Beispiel für Ressourcenaktivierung, Reframing, Verhaltensmodifikationen, und so weiter.

Sonntag, 29. September 2013

Das Änderungsparadox

Es gibt da ein Phänomen, das sich massenhaft in lustigen Videoclips demonstriert sieht: "Change Blindness". Auf deutsch, Blindheit gegen Veränderungen. Da werden dann z.B. Passanten angesprochen, zwischen dem Passant und der Person ein großes Möbelstück transportiert, und währenddessen die Person, die eigentlich angesprochen hat, ausgetauscht gegen jemand anderen. Selbst bei gröbsten Änderungen (Alter, Hautfarbe, Geschlecht) löst dies keine großartige Irritation aus, und das Gespräch verläuft normal weiter.

Hat sicherlich auch etwas mit Rahmen zu tun - da sie Realität definieren, und es nicht sein kann, dass da plötzlich wer anders steht. Andersherum findet man dieses Phänomen aber auch schon auf der niedrigsten Ebene der Wahrnehmung: Stellen wir uns vor, Probanden sollen ein Ball zu einem Ziel hin werfen. Und während sie blinzeln, wird das Ziel (elektronisch) verschoben. Nicht nur, dass das nicht gemerkt wird, sie treffen auch gleich gut.

Klingt soweit nur kurios. Jetzt wird es jedoch bitter. Stellen wir uns vor, jemand hat irgendein Problem im Leben. Soll vorkommen. Und derjenige geht dieses Problem auch an. Sehr gut. Aber die Frage ist, wie reagiert seine Umgebung darauf?

Manchmal durchaus hilfreich. Manchmal jedoch auch sehr destruktiv. Selbst wenn die Veränderung bemerkt wird, weil sie nicht mehr zu übersehen ist, so ist oft doch eine Dynamik da, denjenigen zurück in die alte Rolle und in die alten Verhaltensmuster zu drängen.

Paar konkrete Beispiele:
- Jugendlicher, Behandlung wegen Stottern. Stottern ziemlich erfolgreich in Behandlung. Bricht Behandlung ab und fängt wieder an zu stottern, weil er im sozialen Umfeld extremen Druck ob des fehlenden Stotterns bekommt. (Toller Freundeskreis, nebenbei.)
- Klient mit niedrigem Selbstbewusstsein, der immer klein bei gibt und unglücklich ist. Wird erfolgreich aufgebaut. Aber sein Umfeld versucht ihn umso mehr klein und in der alten Rolle zu halten.
- Ernährungsberatung, Klient stellt seine Ernährung um. Wird familiär weiterhin stur mit den "alten" Lebensmitteln versorgt.

Dies, und viel mehr, fällt unter etwas, was ich "Änderungsparadox" nennen möchte. Hier steckt keine Bosheit hinter - nur die (ausgeprägte) Tendenz, Änderungen weder wahrzunehmen, noch zu akzeptieren.

Was kann man dagegen tun?

Meine üblichen Ratschläge:
- Ausweichen in neue Kontexte. Dort gibt es noch keine vorgefertigten Rollenbilder.
- Auszeit von aktuellen Kontexten nehmen, so lange wie möglich. Auch wenn manche Änderungen schnell geschehen können, je mehr Zeit verstreicht, desto brüchiger wird gemeinhin das "alte" Bild.
- Ressourcen aufbauen bzw. zur Hand haben, um die Veränderung zu demonstrieren. Eine gute Demonstration erreicht mehr als zehntausend Worte.
- Geduld. Genauso wie sich das alte Bild verselbständigt hat, wird sich das neue Bild verselbständigen, so es nur lange genug gezeigt wird. Sich also von ersten Rückmeldungen aus der Umwelt nicht verunsichern lassen.

Dienstag, 24. September 2013

Werte & Motive, Selbstüberhöhung und Alltagstyrannei

Nehmen wir einfach einmal folgenden Grundsatz als wahr an: Unterschiedliche Motive sind bei unterschiedlichen Menschen erstens verschieden stark ausgeprägt, und zweitens können mehr oder weniger (un-)ähnliche Ziele haben.

Verschiedene Forschungen sprechen dafür, dass dem so ist.

Nun kommt es dann zu zwei Phänomenen, die damit oft einhergehen. Und vor denen man sich hüten sollte:

1. Selbstüberhöhung: Das heißt, die eigenen Motive in ihren Ausprägungen für allgemeingültig zu halten. Im Sinne von "wenn jeder das tut, so und so handelt, dies und jenes im Leben verwirklicht, wird er glücklich". Für Menschen mit einem ähnlich ausgeprägten Motiv mag das stimmen. Für andere hingegen nicht. Tatsächlich kann man beobachten, dass (mit einer Ausnahme*) jedes Motiv gleich welcher Ausprägung überhöht wird. Ganz getreu dem Motto "so zu leben ist richtig!"

* = Das Anerkennungs- bzw. Anschlussmotiv, wenn es stark ausgeprägt ist. Da dies mit starker Abhängigkeit von anderen, Angst und Frustrationspunkten einhergeht, wird dies von den meisten, die dies haben, insgesamt nicht allzu positiv gesehen.

2. Alltagstyrannei: Das passiert, wenn dann versucht wird, die eigenen Motive anderen aufzuzwängen. Quasi die Steigerung der Selbstüberhöhung. Problem hierbei ist dann nicht nur, dass man sein Gegenüber nicht einmal mehr im Ansatz versteht - sondern man läuft dann auch in Gefahr, denjenigen unglücklich zu machen. Hier steckt keine böse Absicht hinter, tatsächlich oft sogar gute. Der Glaube, eine bestimmte Art zu leben würde den Menschen glücklicher machen. Problem ist nur, stimmt beim Gegenüber die Motivstruktur damit nicht überein, geht das völlig schief.


Das sind Punkte, die man beachten sollte, wenn man mit Leuten zu tun hat, die ihren Weg verloren haben. Die Frage sollte da immer sein "was macht dich glücklich?", und nie eine Vorgabe a la "tu einfach mal das!"