Sonntag, 13. Januar 2013

Die Sprache der Sprache

Sprache ist das Werkzeug des Psychologen. Mehr noch - jeder, der mit Worten arbeitet, bedient sich der Sprache. Aber Sprache ist mehr als nur Wörter. Man kann nicht nicht kommunizieren - sollte man dann nicht möglichst erfolgreich kommunizieren? Zumindest bedenken, was es neben den Wörtern noch für Einflussfaktoren gibt?

- Die Wahl der Worte: Überaus wichtig in schriftlicher Kommunikation, da es hier keinerlei Tonalität oder Körpersprache gibt. Man kann die sachlich selben Dinge mit unterschiedlichen Worten ausdrücken, dieselben Fragen ganz unterschiedlich formulieren - und (eher weniger) lustig ist, diese Wahl der Wörter löst beim Leser unterschiedliche Reaktionen aus. Vielleicht ist dir das auch schon mal passiert. Auch so Problemfälle wie gendergerechte Sprache (mit dem Hornissennest muss ich auch noch mal Fußball spielen) fallen in den Bereich.

- Die Tonhöhenveränderung: Es lassen sich drei ganz grundsätzliche Tonartsänderungen in Wörtern bzw. Sätzen unterscheiden. Entweder der Ton wird gehalten (Aussage, neutral), der Ton wird gesenkt (Befehl, Selbstsicherheit), oder der Ton steigt (Frage, Unsicherheit).
Daneben vermitteln komplexere Tonhöhenveränderungen emotionale Botschaften. Das ist nun echt schwer rein per Text zu vermitteln. Wie man etwas zu jemanden sagt, trägt oft mehr Informationsgehalt als die Wörter selbst. Wenn du z.B. am Bahnhof stehst, der Zug eine Stunde Verspätung hat und dann noch unangekündigt vom Gleis am anderen Ende des Bahnhofs fährt, was wirst du dann wohl meinen, wenn du sagst "ich liebe die Bahn!"? Es gibt da ein Experiment, welches ich sehr empfehlen kann: Schaue dir einmal eine Sendung in einer Sprache an, die du nicht verstehst. Höre nur auf den Klang der Wörter. Die Sachebene wird dir verschlossen bleiben, die anderen Seiten der Nachricht jedoch erschließen sich dir dennoch.

- Sprechgeschwindigkeit: Ich habe ja schon in meinem allerersten Beitrag geschrieben, schnelles Sprechen ist unbedingt zu vermeiden. Warum? Pro forma kann schnelles Sprechen mehrere Ursachen haben - zum Beispiel neigen stark visuell orientierte Personen dazu, sehr schnell denkende Personen, ebenso sich sehr straff selbst organisierende Personen, also durchaus je nach Blickwinkel positive Eigenheiten. Bloß das kommt nicht an. (Zu) Schnelles Sprechen überfordert nicht nur den Zuhörer, es wirkt auch immer unsicher. Selbst wenn es gute Gründe dafür gäbe ("FeuerEsBrenntEsBrenntRausRaus!"), unbewusst wird es so wirken.

- Verwendung von Füllwörtern (z.B. "äh"): Böse. Ganz böse. Sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Ich kenne durchaus hochintelligente, erfolgreiche Personen, die teils mehrere Dutzend Füllwörter in der Minute verwenden - bloß ist dies einerseits eine Zumutung für den Hörer, und andererseits wieder etwas, das Unsicherheit signalisiert. Ironischerweise vermittelt umgekehrt die Verwendung von kurzen Pausen das Gegenteil, nämlich Selbstsicherheit, obwohl rein logisch kurze Pausen und Füllwörter demselben Zweck dienen.

- Lautstärke: Hier ist es etwas komplexer. Grundsätzlich gibt es auch hier wieder eine Dichotomie in Selbstsicherheit (laut) und Unsicherheit (leise), die sich gerade in Gruppensituationen zeigt. Aber hier ist es nicht so klar. Emotionen beeinflussen auch die Lautstärke - je gewichtiger etwas ist, desto lauter wird meist derjenige, der davon spricht. Hier ergibt sich nun das Gegenteil: Wenn in einem Streit jemand schreit und der andere ruhig bleibt, wem werden Außenstehende eher glauben? "Wer schreit, hat unrecht" mag Unsinn sein, dennoch werden viele Menschen entsprechend urteilen. Hier gibt es auch eine Interaktion mit den Tonhöhenvariationen, denn jene zusammen mit der Lautstärke und der Sprechgeschwindigkeit offenbaren recht gut die emotionalen Einfärbungen.

Warum ich das ganze hier schreibe? Um ein wenig Bewusstsein für die Sprache zu wecken. Sie ist unser Werkzeug. Und damit meine ich nicht "uns" als Psychologen, sondern "uns" als Menschen.

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