Donnerstag, 17. Januar 2013

Gendergerechte Sprache

Manche Probleme haben keine sinnvollen Lösungen. Dieses ist so eins. Ich möchte das Thema pragmatisch und unideologisch betrachten, soweit dies möglich ist.

Erst einmal, was ist 'gendergerechte Sprache'? Letztendlich alle möglichen Stilmittel, damit sich von Texten (unabhängig ob geschrieben oder gesprochen) Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen fühlen. In manch anderen Sprachen, wie z.B. dem Englischen, stellt sich das Problem nicht. "Teacher" ist sowohl männlich als auch weiblich. Lehrer hingegen männlich, Lehrerin weiblich. Nun werden verschiedene Möglichkeiten genutzt, damit sich beide angesprochen fühlen.
  • Beides aufführen ("Lehrer und Lehrerinnen").
  • Binnen-I ("LehrerInnen")
  • Neologismen, substantivierte Verben ("Lehrende")
Letzteres sollte vielen aus dem Universitätskontext bekannt vorkommen. "Studierende". Ich habe tatsächlich schon Arbeiten vorgelegt bekommen, welche dieses Prinzip auch auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet haben. Da gab es dann Polizierende und Professierende. Und natürlich Sekrätierende.

Ist die Verwendung gendergerechter Sprache sinnvoll? Sehr komplexes Thema.

Einerseits gibt es deutliche Effekte, wenn nur ein Geschlecht im Text genutzt wird (insofern halte ich die Lösung, nur die weibliche Form zu verwenden, für eine reine Trotzreaktion). Wer nicht aufgeführt wird, fühlt sich viel weniger angesprochen.

Andererseits nun geht jede der Alternativen mit eigenen Problemen einher. Das Binnen-I ist der rein weiblichen Form zu ähnlich. Tatsächlich gibt es einige Studien, in denen es noch stärker wirkte - da die Sonderschreibung so wirkt wie andere Formen der Hervorhebung.

Führt man beides auf, bläht dies den Text auf und stört die Satz- und Sprachmelodie. Sprache ist ein Werkzeug, das der Kommunikation dient. Die Doppelnennungen plustern Sätze auf, und das auf eine sehr hölzerne Art und Weise.

Und Neologismen schließlich haben das Problem, dass sie nicht dieselben kognitiven Strukturen aktivieren. Wenn ich "Weihnachtsmann" schreibe, hast du wahrscheinlich irgendein Bild im Kopf. Wahrscheinlich das eines rauschebärtigen Mannes in rotweißer Kutte. "Festtagsgeschenkbringende" hingegen?
Selbst "Studierende" triggert bei den meisten Menschen nicht die gleichen Strukturen wie "Student" oder "Studentin" (und von "StudentIn" reden wir erst gar nicht). Mal von der unfreiwilligen Komik mancher Neologismen ganz abgesehen.

Hier haben wir es mit einem nicht für alle Fälle gleichermaßen lösbaren Konflikt zu tun. Mein persönlicher Umgang damit ist, wenn ich jemanden direkt anspreche, gendergerechte Sprache zu verwenden. Referiere ich jedoch, das heißt spreche ich über etwas, dann nicht.

Ist das eine ideale Lösung?

Nein.

Gibt es eine ideale Lösung?

Nun, meiner Erinnerung nach hat eines der skandinavischen Länder einfach mal alle genderbezeichnenden Substantive umschreiben lassen, wodurch dort nur noch eine Form existiert, wie im Englischen. Zumindest wurde das Experiment gestartet, inwieweit es durchgehalten wurde, habe ich nicht weiter verfolgt. Ob das jedoch eine gangbare Lösung ist, da Sprache an sich etwas organisch Gewachsenes ist, wage ich zu bezweifeln.

Von daher gibt es vielleicht nur ideale Lösungen, wenn man sehr ideologisch an die Frage herangeht. Ich verfolge eine eher pragmatischere Sicht - je nachdem, was sinnvoller ist.

Was jedoch nicht sinnvoll ist, ist etwas, wofür mir nicht einmal ein Name einfällt, den ich öffentlich niederschreiben würde. Wenn man aus "man" "frau" macht, dann... hat man meiner Ansicht nach jedes Recht verspielt, über Sprache mitzureden.

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