Sonntag, 6. Januar 2013

Logik?

Ich möchte heute einen Aspekt vertiefen, den ich gestern angeschnitten habe. Nämlich logische Argumente.

Im Rubikonmodell präsentierten Gollwitzer und Kollegen zwei Bewusstseinslagen: Realitätsorientierte (vor einer Entscheidung, und nach einer Handlung, realitätsüberprüfend) und realisierungsorientierte (nach einer Entscheidung und während einer Handlung, handlungsfördernd). Ich empfehle nicht, Modelle allzu streng und wörtlich zu nehmen, jedoch sind diese beiden Ideen eine gute Arbeitsgrundlage.

Manchmal in Gesprächen und Diskussionen wird der Ist-Zustand sondiert und nach Lösungen gesucht. Dann funktionieren logische Argumente - und je sauberer sie sind, desto besser. Ebenso wenn Menschen in einer volitionalen Tätigkeit sind, sind sie sachlichen Argumenten oft aufgeschlossen gegenüber.

In dem Moment jedoch, wo schon eine Meinung gebildet worden ist, oder nur grob im Sinne des Bauchgefühls eine Situation abgeschätzt wird, fallen reine logische Argumente komplett durch den Filter. Da wird man dann mit Realitätsverzerrungen konfrontiert, die denjenigen nicht einmal auffallen - mit Logik erreicht man da gar nichts. Mit emotional richtig dargestellter Logik vielleicht ein wenig mehr, aber bereits das verlässt die reine Sachebene.

In solchen Gesprächssituationen sind auch Empathie und Intuition hilfreiche Werkzeuge - hilfreicher noch als reine Logik. Logik kann menschliches Verhalten nur erklären, wenn man eine Grundannahme beachtet: Menschen handeln nicht logisch. Okay, manchmal tun sie es, Stichwort Volition, aber ein Großteil des Verhaltens ist emotional und motivational bestimmt, und wird bestenfalls nachträglich versucht logisch zu rechtfertigen - was dann wiederum zu wunderbaren Realitätsverzerrungen führt. Zu wissen, wo jemand steht, was jemanden antreibt, da finden sich Ansatzpunkte, die viel mehr Aussicht auf Erfolg haben als etwas rein objektiv logisch zu beweisen. Gerade in sehr emotional besetzten Gebieten würde so ein Beweis ohnehin nicht anerkannt. Man muss dahinter blicken.

Mich erinnert das irgendwie auch an ein Buch: "Wie man mit Fanatikern diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren." (Schleichert). Das legt wunderschön da, was logisch korrekte und falsche Argumente sind, aber am Ende (bzw. schon zu Anfang) schließt es doch mit dem Fazit, dass man Leute ohnehin damit nicht berührt, wenn die Leute nicht schon von vornherein entweder keine oder dieselbe Meinung haben. Punkt wunderbar demonstriert (das muss man Philosophen lassen, sie sind herrlich unpragmatisch).
Man muss dahinter blicken. Auf das, jenseits der Logik. Auf Emotion, Motivation. Ich habe ja ein wenig darüber geschrieben, wie man an das herankommt, was wirklich in Menschen vorgeht. Deren Worte kamen auf dem letzten Platz. Worte sind, unreflektiert eingesetzt, oft lediglich Ausdruck der nachträglichen Erklärungen, deshalb sind sie oft so grob ungenau. Mit Logik versucht man auf die Erklärungen einzuwirken, auf die nachträglichen Rechtfertigungen.

Nicht gerade der beste Ansatzpunkt.

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