Montag, 7. Januar 2013

Konstruktivismus I

Was siehst du?

Besser gefragt: Was ist, was du als Sehempfindung wahrnimmst?

Die Augen nehmen Licht verschiedener Wellenlängen wahr, leiten die Empfindung dann weiter. Die entsprechenden Nervenzellen können nur senden oder nichtsenden - 1 oder 0. Zugebenermaßen kommt noch die Frequenz hinzu, letztendlich aber wird alles, was die Augen wahrnehmen, auf Einsen und Nullen heruntergebrochen.

Das Gehirn konstruiert dann aus diesem Wust an Einsen und Nullen wieder ein Bild. Aber das Bild ist nicht das Abgebildete! Dazwischen wurde schon einmal Stille Post gespielt. Informationen gehen verloren. Andere Informationen werden nicht wahrgenommen - zum Beispiel Licht außerhalb unseres Sehspektrums.

Und zudem sind alle Bilder vom Gehirn zurechtgebogen. Beispielsweise sehen wir eigentlich alles auf dem Kopf stehend, aber das Gehirn dreht das Bild um. Trägt man längere Zeit eine Vorrichtung, welche die Welt dreht, korrigiert das Gehirn bald darauf diese Drehung. Nimmt man die Vorrichtung dann weg, sieht man die Welt gedreht.

Auch ist das, was wir wahrnehmen, symbolhaft. Der Monitor vor dir? Er besteht zu über 99,9% aus Nichts. Die Wand dahinter? Ebenso. Ein einziger Teelöffel voller Materie wiegt so viel wie die Erde. Auch du bestehst nahezu komplett aus Nichts. Lediglich Kräfte in diesem Beinahe-Nichts - Bindungskräfte auf molekularer Ebene - geben uns und der Welt Form. Doch sind es nicht jene Energien, die wir wahrnehmen, sondern nur die Konstrukte, die sie erschaffen. Wir sind wie die Menschen in Platons Höhlenbildnis, sehen nur Schatten an der Wand.

Wenn Materie überwiegend Leere ist, was ist dann Licht? Eine Welle? Ein Teilchen? Beides. Physikalisch betrachtet. Psychologisch hingegen ein Informationsträger. Der wiederum, schon außerhalb von uns, ganz binär arbeitet. Er wird reflektiert, oder eben nicht. Er hat eine gewisse Wellenlänge, oder eben nicht.

Gleiches lässt sich für unsere anderen Sinne postulieren.

Zwei Dimensionen können wir direkt erschließen, eine dritte wird durch unsere Sinne extrapoliert - zusammen bilden diese Dimensionen den von uns wahrgenommenen Raum. Eine vierte können wir kognitiv erfassen. Die Zeit. Und doch lehrt uns die moderne Physik, es gibt unzählige weitere Dimensionen. Ich spreche hier nicht von anderen Welten, sondern von Eigenschaften unserer Welt - immerhin sind Länge und Breite ja auch keine anderen Welten. Doch diese anderen Dimensionen bleiben unseren Sinnen verschlossen.

Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, ist nicht mehr als eine Schöpfung unseres Geistes. Eine Arbeitsdefinition.

Und noch befinden wir uns auf der rein physischen Ebene!

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