Freitag, 4. Januar 2013

Null

Vor einiger Zeit sprach ich ja schon einmal über Symbole - samt dem kleinen Hinweis, was das mächtigste Symbol in unserer Gesellschaft ist.

Nun ja. Das ist diskussionswürdig. Sprechen wir über etwas Symbolhaftes. Ein ziemlich obskures Konzept. Das uns doch völlig normal vorkommt.

Die Null. Richtig, die 'Zahl' Null, 0.

Die Null ist deshalb interessant, weil sie so natürlich erscheint. Natürlich gibt es eine Null, ist doch klar! Wirklich? Wenn dem so ist, wieso haben die allermeisten Kulturen im Altertum, über Aberjahrtausende überhaupt kein Konzept oder Vorstellung von der Null gehabt?

Was ist eine Null? Kannst du eine Null im Universum finden? Ist sie die Versymbolisierung von etwas, das nicht da ist? Die Null erscheint uns völlig normal, wie jede andere Zahl. Aber schaut mal auf die Jahreszahl. Aktuell 2013. Wusstest du, dass die Jahrtausendwende von 2000 auf 2001 stattfand, da wir in unserem Kalender kein Jahr 0 haben? (Man bedenke hier auch, in römischer Schreibweise sind die Jahreszahlen MM und MMI, wiederum keine 0.)

Null ist ein abstraktes Konzept. Selbst im Vakuum gibt es kein "nichts". Das Nicht existiert nicht. Und doch haben wir es in ein Symbol transformiert, das unser ganzes Denken verändert und auf eine neue Ebene gehoben hat. Genauso wie viele Ideen der Physik, die uns erlaubt haben, unglaubliche Dinge zu erreichen - zum Mond zu fliegen, oder gerade diesen Blog zu lesen. Hast du schon einmal Schwerkraft gesehen? Oder die unzähligen Dimensionen, die jenseits der vier von uns wahrgenommenen existieren (sollen)? Konzepte, Symbole, die aber eine Funktion haben. Genauso wie die Null eine Fuktion hat. Und sobald man die Null einmal hat, oder meinetwegen auch das Rad, dann verändert sich das gesamte Denken,

Lustigerweise gibt es einige antike Kulturen, die die Null kannten. Die haben dafür das Rad nicht erfunden.

Die Entdeckung der Null war so etwas, das ich "Nullmoment" nennen möchte - ab da ist alles anders. Das Denken kann, schon ob der Macht dieses Symbols, nicht mehr in alte Bahnen zurück. Vielleicht haben auch Menschen so ihre Nullmomente in ihrem Leben. Beispielsweise wenn wir die Sprache lernen. Wenn wir Verantwortung für unser Leben übernehmen. Wenn wir uns mit der sehr realen Existenz des Todes auseinander setzen. Vielleicht ist der Tod die ultimative Null.

Es ist jetzt zwölf Wochen her. Da gab es eine Verkettung von Ereignissen, über die ich niemals komplett mit jemanden gesprochen habe. Sehr schlechte Nachrichten, daraufhin Planänderungen, die dann auch noch Tote zu Folge hatten. Es war kein schöner Tag.
Auf der Beerdigung jedoch... ich habe ja ein wenig über Rahmen gesprochen. Wenn man das Leben unter dem Schatten des Todes sieht, ist der Tod ein Schatten, eine Dunkelheit in der Lage all unsere Ängste und Schwächen zu füttern. Was aber, wenn man den Tod unter dem Schatten des Lebens sieht? Dann wird plötzlich alles zu Erfahrungen, Chancen zu lernen, zu wachsen; und selbst die dunkelsten Stunden im Leben verlieren ihren Schrecken. Anders formuliert, wenn man mit dem Rücken zur Sonne steht, dann sieht man überall Schatten; steht man mit dem Gesicht zur Sonne, sieht man alles im Licht.

Aber nichts davon ist real. Die Frage ist, welche Konsequenzen man daraus zieht. Wofür man sich entscheidet. Mein persönlicher Nullmoment war nicht diese etwas esoterisch klingende Erkenntnis, sondern eine des radikalen Konstruktivismus. Ich schaue nicht in die Sonne, ich blende mich doch nicht selbst! Aber ich schaue auch nicht in den Schatten.

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