Dienstag, 15. Januar 2013

Über Manipulation

Strecke deine Hände aus, so dass du sie vor dir siehst. Wie heißt es, wenn dir die Nägel aufgehübscht werden? Maniküre.

Welches ist der wichtigste Finger an der Hand? Auf welchen kann man am wenigsten verzichten?

Der kleine Finger vielleicht? Oder der Mittelfinger?

Nein. Der Daumen - weil er es uns erlaubt, Werkzeuge zu nutzen.

Stell dir vor, du redest mit jemanden, der tierische Angst vor Spinnen hat. Du erklärst ihm lang und breit, in Deutschland gibt es keine gefährlichen Spinnen, es sind sogar nützliche Tiere, und du weist ganz logisch sauber nach, dass seine Angst unbegründet und unsinnig ist.

Wird er die Angst danach los sein? Was schätzt du?

...

Natürlich, da mache ich keinen Hehl heraus, hat Psychologie ein gewisses manipulatives Potential. Tatsächlich weise ich darauf ab und an mal auch drauf hin (siehe z.B. "wie wirkt Werbung I"). Bloß ist die Verwendung von emotionalen, motivationalen, Verhaltens- und Gedankenstrukturen in der Psychologie kein Selbstzweck. Intention. Darauf kommt es am Ende an.

Ursprünglich, und das bedeutet "Manipulation" auch übersetzt, handelt es sich um Handgriffe. Völlig wertfrei. Du weißt schon. Wofür man den Daumen braucht.

Inzwischen hat das Wort einen ziemlich schlechten Ruf bekommen. Und das sicherlich auch zurecht. Intention. Niemand mag manipuliert werden - im Alltagssprachgebrauch. Im Alltagsverständnis. Dummerweise hat man es dann aber unter anderem in der Psychologie mit Problemen zu tun, die das Alltagsverständnis nicht sinnvoll lösen kann. Aber wirklich schön an psychologischen Verfahren ist, sie funktionieren auch dann, wenn man darüber aufklärt (was jeder verantwortungsbewusste Psychologe tut). Wie gesagt, Intention.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen