Montag, 14. Januar 2013

Über Selbstbewusstsein

Manchmal mag ich ja doch sprachliche Eigenheiten. In der englischen Sprache gibt es zwei Begriffe: self-confidence und self-consciousness. Letzteres heißt wörtlich übersetzt durchaus Selbstbewusstsein, gemeint ist jedoch das genaue Gegenteil. Und doch dasselbe.

Mal so formuliert: In der deutschen Sprache sind Selbstsicherheit (self-confidence) und Selbstbewusstsein quasi synonym. In der englischen Sprache jedoch nicht - ein Zustand der self-consciousness geht einher mit einer Gehemmtheit und ist sehr typisch für alle Arten von Humanphobien. Bei diesen ist es der Fall, wie der Begriff schon sagt, dass dort das eigene Selbst im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Man also "self conscious" ist.

Ich habe früher mal mit Jugendlichen gearbeitet, die so gehemmt waren, dass sie zu keiner sozialen Interaktion in der Lage waren. In dem Moment, wo wir als Betreuer deren Aufmerksamkeit anderweitig beschäftigten, da gingen dann plötzlich die (für jene Jugendlichen) wildesten Sachen. Fremde Leute ansprechen, Sachen einkaufen, nach dem Weg fragen, in der Gruppe was von sich erzählen...

Umgekehrt habe ich von einem Fall aus den USA gehört. Dort kam ein Sozialarbeiter an eine hochproblematische Schule. Als er die Ursachen für die Gewaltstrukturen ergründete, schafften es die Kinder, dass er sein eigenes Verhalten kritisch betrachtete (also darauf die Aufmerksamkeit legte) - und sodann selbst unsicher wurde.

In dem Sinne frage ich mich gerade, ob die Synonymität von Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein wirklich eine gute Idee ist - oder ob da doch die englischsprachige Welt den besseren Riecher hatte.

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