Freitag, 1. Februar 2013

Angst vor der Couch?

Sollte es noch nicht aufgefallen sein, normalerweise nehme ich meine Beiträge hier nicht allzu ernst. Fundiert, ja. Anregungen zum Nachdenken? Auch. Informativ und interessant? Na ich hoffe doch sehr!

Jetzt bin ich jedoch einmal kurz ernst. Mir fällt auf, dass doch so einige Leute (aus welchen Grund auch immer) hier zu meinem kleinen Blog finden, Angst vor einer psychoanalytischen Behandlung haben. Hier verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum ich da auftauche, da ich zu dem Thema weder etwas geschrieben habe, noch mich überhaupt groß (abseits von einigen Seitenstichen) mit der Psychoanalyse beschäftigt habe.

Man kann sich dieser Angst auf zwei Wegen nähern, einer pragmatischen, und einer analysierenden. Ich werde beide wählen.

Da ich heute sogar einmal versuche, möglichst neutral zu sein, fange ich sogar mit dem analytischen Ansatz an: Über Psychologen generell und Psychotherapeuten speziell und Psychoanalyse ganz besonders gibt es eine ganze Reihe von Ideen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Da werden Sorgen und Ängste geschürt, die keine Grundlage haben.

Manchmal sind Vorteile auch Nachteile, und Nachteile können auch Vorteile sein. Alle Formen der Psychotherapie sind, verglichen mit anderen Heilberufen, extrem sanft. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Klient ist eine Grundvoraussetzung.

Ich habe von ganz verschiedenen Ängsten gehört. Erzählt man da vielleicht Sachen, die man lieber für sich behalten würde; entblößt man sozusagen seine Seele und alle Leichen im Keller? Nein. (Dies gilt übrigens genauso für Hypnose, dort hört man den Mythos noch öfter.)
Wird man vom Therapeuten für etwas verurteilt, muss man soziale Missbilligung fürchten? Nein. Interessanterweise sind die Probleme, welche Klienten für ganz persönlich und einmalig halten oft die, die am weitesten verbreitet sind. Zudem gibt es da noch so etwas wie ärztliche Schweigepflicht. Und ein Therapeut will helfen.
Muss man fürchten, ausgequetscht zu werden, eine sozial sehr unangenehme Situation erleben? Nun, zumeist nicht. Ich kann nicht ausschließen, dass sich hier und da noch Psychoanalytiker dem etwas inquisitorischen Stil Freuds verpflichtet sehen, mir zumindest ist jedoch keiner bekannt.
Was, wenn eine Phobie vor einem Sofa besteht, traumabedingt z.B.? Es wird Stühle dort geben.
Schließlich noch, was ist mit der Furcht, sich den großen Dunkelheiten der eigenen Seele auszusetzen? Hier möchte ich den Bogen zur Pragmatik spannen.

Ich könnte auf solche Ängste auch einfach entgegnen: "Wer Angst vor einer Psychoanalyse hat, kann zu einem kognitiven Verhaltenstherapeuten gehen!", und damit hätte ich erstens recht, und würde zweitens zu einer signifikant wirksameren und dabei noch schnelleren Therapieform raten. Bitte daran denken, ich bin kein Freund der Psychoanalyse. Ich bin nicht neutral. Aber ich habe die Forschung auf meiner Seite.
Jedoch lässt mich diese saloppe Aussage durchaus auch innehalten. Ein Charme weniger wirksamen Therapieformen, wie eben der Psychoanalyse oder der Gesprächspsychotherapie (die auch wirksamer ist als die Psychoanalyse, aber in Deutschland nicht als Therapiemethode anerkannt ist) ist es, dass sie sanfter sind als die Verhaltenstherapie. In der Verhaltenstherapie ist die Konfrontation mit den inneren Dunkelheiten direkter, und sie legt einen starken Fokus auf die Gegenwart und die Zukunft. Damit geht eine Perspektive der Hoffnung einher (man kann etwas ändern, auch allein, man ist nicht Sklave der Vergangenheit), aber es beraut einen auch gewisser Entschuldigungen und Ausreden - man ist eben kein Sklave der Vergangenheit.

Jedoch, und deshalb der Bogen über die Pragmatik, ein ganz wichtiger Schritt ist auch der Aufbau bzw. Mobilisierung von Ressourcen des Klienten. Bei einer vernünftigen Psychotherapie, egal welcher, wird man gestärkt, einem sozusagen das Schwimmen sanft und in angemessenen Schritten beigebracht. Nicht einfach in das kalte Wasser der eigenen Dunkelheit gestoßen nach dem Motto "schau mal, wie du zurechtkommst!"

Sind daher Ängste unbegründet? Ich weiß es nicht. Ich habe sicher nicht alle Ängste abgedeckt. Sollten etwaige Ängste verhindern, Hilfe zu suchen? Nun ja, für mich sind sie eher ein Signal dafür, sich wirklich Hilfe zu suchen.

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