Mittwoch, 13. Februar 2013

Ein Gleichnis

Stell dir einen Klienten vor, der eine Panikattacke hat. Zum Beispiel in einem Flugzeug.

Man könnte an Klaustrophobie denken - der Angst vor engen Räumen. Kann dies der Fall sein?

Durchaus, so der Klient auch in anderen beengten Räumen zu Panikattacken neigt.

Was aber, wenn nicht? Wenn die Panikattacken nur im Flugzeug auftreten?

Nun, dann scheidet Klaustrophobie schon einmal aus.

Vielleicht Flugangst?

Ebenso durchaus, so der Klient in jeder Flugmaschinerie zu Panikattacken neigt.

Was aber, wenn nur bestimmte Flugzeugtypen betroffen sind? Oder bestimmte Fluglinien? Vielleicht sogar etwas ganz Obskures als unterscheidender Faktor eine Rolle spielt, ob nun eine Panikattacke ausgelöst wird oder nicht?

Einerseits plaudere ich hier wieder einmal ein wenig aus dem Nähkästchen (in dem Fall lag es an der Musik der Fluggesellschaft, die dummerweise mit einem Trauma verknüpft war -> PTSD). Andererseits soll es auch veranschaulichen, was ich mit folgender Aussage meinte:
Nun, ich hatte Dutzende Kinder mit ADHS-Diagnose (diagnostiziert von Medizinern) kennengelernt, nicht eines erfüllte die Diagnosekriterien nach dem DSM-IV.
Es war keine Aussage dazu, ob es AD(H)S gibt. Das Gehirn kann eine Menge verrückter Störungen produzieren. Sondern nur eine bezüglich der Diagnosekriterien. Genauso wie die Klaustrophobie kontextunabhängig auftreten muss, gilt dies auch für etwaige Aufmerksamkeitsstörungen. Da auf dieses Diagnosekriterium jedoch (zumindest in der Vergangenheit) nicht immer unbedingt geachtet wurde, gab es eben so viele fragwürdige Fälle. Warum ist die Kontextunabhängigkeit wichtig? Genauso wie bei einem Klaustrophoben erwartet werden kann, dass er in jedem engen Raum zu Panik neigt, ist bei einer generellen Aufmerksamkeitsstörung von einer generell gestörten Aufmerksamkeit auszugehen. Denn wo soll die Störung sein, wenn sich jemand doch in vielen Kontexten gut konzentrieren kann? Auf Urlaub in Brasilien? Womit wir wieder beim Flugzeug wären.

Aber nur, weil es fragwürdige Fälle gibt, heißt es ja nun nicht, dass es keine realen Fälle gäbe. Oder anders, nur weil einige Pilze essbar sind, heißt es ja nicht, dass alle Pilze essbar seien.

Ich mag Gleichnisse. Die haben etwas von Schnitzeln - manchmal echt zäh, aber Hauptsache paniert!

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