Sonntag, 10. Februar 2013

Spaß mit Stereotypen

Was im Fernsehen läuft, bildet nicht die Realität ab. Man muss da gar nicht große konstruktivistische Prinzipien und etwaige Informationsverzerungen bemühen. Die Darstellung vieler Dinge, gerade im fiktionalen Bereich, ist einfach nur komplett irreal. Ich glaube, all die Mitarbeiter in Krankenhäusern, im Justizsystem und vielen, vielen mehr können davon ein Lied singen.

Wir Psychologen kommen seltener vor. Aber wenn, dann ... nun ja.Vielleicht ebenso verdreht? Noch verdrehter?

Gestern hatte ich mal wieder so einen Moment, wo so ziemlich jedes Klischee bedient wurde - obwohl die meisten ziemlich fern der Realität waren. Der Film war trotzdem nett, aber irgendwie habe ich aus anderen Gründen als beabsichtigt vor mich hingegrinst.

Die Stereotypen waren:
- Alle Psychotherapeuten sind psychoanalytisch geprägt: Der Film spielte in den USA. Hat man in Deutschland offiziell nur die Wahl zwischen psychoanalytischen und verhaltenstherapeuten Ansätzen, gibt es in den USA noch viel mehr praktizierende Schulen. Immerhin ein Körnchen Wahrheit, da es ja durchaus Psychoanalytiker gibt. Nur eben nicht alle.
- Klienten werden auf die Couch geschickt: Gemeint damit ist (so wie es auch gezeigt wurde), dass der Klient irgendeinen Punkt im Raum betrachtet, während er selbst vom Therapeuten beobachtet wird. Das geht auf Ideen Freuds zurück, die aber selbst bei Psychoanalytikern kaum mehr umgesetzt werden. So eine Aufstellung ist nämlich einerseits sehr schädlich für die Vertrauensbildung zwischen Klient und Therapeut (weil der Klient den Therapeuten nicht sieht), anderers gehen dabei eine Menge Informationen (Mimik und co) für den Therapeuten verloren. Daher dürfte das kaum mehr Standard sein. (In Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, wenn beispielsweise der Klient ein Problem damit hat, zu sprechen, während er andere ansieht, aber nun ja, Ausnahmen gibt es immer, und das traf im Film nun echt nicht zu.)
- Psychologen nutzen Hypnose: Einerseits ist Hypnose in kaum einem Lehrplan vertreten, andererseits (nur um Salz in die Wunde zu streuen) stand gerade Freud der Hypnose kritisch gegenüber. Ich kenne hunderte von Psychologen (das Resultat, wenn man das studiert hat und in dem Feld arbeitet), mit Hypnose in irgendeiner Form zumindest im Ansatz vertraut sind um die zwanzig.
- Hypnose funktioniert über sich bewegende Objekte (z.B. pendelnde Uhr): Auf Bewegungen zu achten macht es schwerer, in Trance zu geraten. Das ist so, als wenn du versuchst ein spannendes Buch zu lesen und gleichzeitig zu kochen. Entweder du kommst nicht wirklich in das Buch herein, oder es gibt Kohle als Mahlzeit.
- Alles Verhalten ist in der Kindheit begründet: Nein, nein, nein, nein, nein! Was ich damit sagen will, worauf der Artikel da dann auch eingeht, ist, dass manches Verhalten durchaus seinen Ursprung in (fernster) Vergangenheit haben kann, aber das nur bedingt bis nichts mehr mit dem aktuellen Verhalten zu tun haben muss. Gerade (Selbst-)Konditionierungsprozesse sind überaus mächtig. Positiv wie auch negativ.
- Hypnose ist Gedankenkontrolle: Im Film wurde das mehrfach direkt gezeigt, aber auch indirekt, indem zum Beispiel sämtliche Geheimnisse ausgeplaudert wurden. Hypnose ist nichts von alledem, beides sind absolute Mythen. Es ist ein geänderter Geisteszustand, in dem stärkerer Fokus auf der inneren Welt und auf einzelnen Ideen liegt.

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