Donnerstag, 14. Februar 2013

Stille Post der Erinnerung

Ich kannibalisiere mich jetzt einfach mal selbst. Am Anfang stand die Aussage: "Was man sich lebhaft vorstellt, kann zu einer Erinnerung werden". Das ist nun erst einmal ein recht allgemeines Prinzip. Man denke hier an Bücher. Oder An Geschichten, die jemand vorträgt.

Diese Aussage löste die Frage aus, wie es denn sei, wenn man sich an schöne Ereignisse erinnert. Die haben doch wirklich stattgefunden und sind nicht bloß Einbildung!

Meine Antwort, ein wenig umgeschrieben: Das Gedächtnis ist nicht statisch, und funktioniert nicht wie eine Videokassette. Nehmen wir an, du erinnerst dich lebhaft an ein schönes Erlebnis. Sagen wir einmal einen Strandbesuch. Nun nimmt man nie wirklich alles aus seiner Umwelt wahr - dafür reicht die Aufmerksamkeit nicht. Daher sind auch sämtliche Erinnerungen in gewisser Weise lückenhaft. Behalten wird, was für uns bedeutsam ist. Bei einem Strandbesuch, ich rate jetzt einfach mal, vermutlich nicht die genaue Aufstellung etwaiger Strandkörbe, der Rhythmus der Wellen, oder hier und da vorbeigehende andere Strandbesucher, die nicht einmal die Ränder der Aufmerksamkeit streifen.

Nun erlebst du den Strandbesuch in deiner Imagination wieder. Da das Gedächtnis ein aktiver Prozess ist, werden diese unbewusst Lücken gefüllt. Nun kann es passieren, dass diese Lückenfüller im Gedächtnis bleiben. Zum Beispiel Passanten fehlen, die Anordnung der Strandkörbe etwas anders ist, die Wellen einen anderen Rhythmus haben.

Umgekehrt, Stichwort zum Beispiel Suggestivfragen, können ebenso von außen hinzugekommene Informationen beeinflussen, wie die Aufmerksamkeitslücken gefüllt werden. Um im Kontext des Strandbesuchs zu bleiben zum Beispiel wenn du mit jemanden sprichst, der auch zugegen war, aber auf andere Dinge geachtet hat, oder eigene Lückenfüller als Fakten vorstellt.

Nur weil etwas stattgefunden hat, heißt das nicht, dass die Rekonstruktion im Gedächtnis von etwaigen Imaginations- und Informationsprozessen unbeeinflusst bleibt.

(Womit wir übrigens wieder beim schönen Thema Konstruktivismus wären. Ich mag Konstruktivismus - der ist wie ein Telefonanruf von einer unbekannten Nummer! Man weiß nie, was einen erwartet, aber am Ende weiß man mehr - oder ist noch verwirrter.)

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