Dienstag, 5. Februar 2013

Verhalten vs. Intention

Betrachten wir heute einmal ein kleines, in der Alltagspsychologie oft übersehenes Problem: Das der Intention.

Man macht es sich zu einfach, wenn man nur auf mehr oder weniger funktionales Verhalten schaut. Nicht immer ist Verhalten mit einer zielgerichteten Absicht verbunden. Oft, gerade wenn man es mit festgefahrenen Schemata oder grob dysfunktionalen Verhaltensweisen zu tun hat, ist die Intention dahinter bestenfalls unklar. Irgendwie muss ich da gerade auch an ein ziemlich misanthropisches und zugleich doch philantrophisches Meme denken - "schiebe nie etwas auf Bosheit, was auch durch Dummheit erklärbar ist!" ("Hanlon's Razor")

Nur weil etwas dysfunktional, problematisch erscheint, muss dahinter nicht auch eine dysfunktionale Intention stehen. Phobien, oder auch Zwangsstörungen, können so durchaus einem Sicherheitsbedürfnis dienen.

Wenn man das ignoriert, kann das zu einem riesigen Problem werden. Gerade, wenn man mit eher sanfteren Verfahren arbeitet. Es ist nicht sinnvoll, gegen funktionale Intentionen zu arbeiten - dagegen wird extrem geblockt. Wenn man jemanden mit generalisierter Angststörung sagt, "du, du machst dich nur selbst krank", dann ist das zwar auf sachlicher Ebene korrekt, aber auf intentionaler Ebene hört der Klient dann "du, du sollst in ständiger Angst leben!"
Nun ist es sicher in dem Fall einer der großen Ironien, dass genau diese Angst vor der Angst erst die Angst(störung) auslöst. Auf Ironien hinzuweisen bringt jedoch wenig. Stattdessen geht es dann darum, aufzuzeigen, wie der Klient sich auch ohne dauernde Angst sicher fühlen kann; eben mit der Intention arbeiten, nicht gegen sie.

Die wenigsten Menschen haben wirklich dysfunktionale Intentionen. Nur teils extrem problematische und falsche Umsetzungen jener Intentionen.

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