Freitag, 29. März 2013

Eine Ostergeschichte

Es war einmal ein Osterhase. Ein neues Osterfest stand an, aber dieses Osterfest war nicht wie die vorigen Osterfeste.

Der Hase schnallte sich seinen Korb um, legte seine Eier darein. Alle farbig - manche grün und blau gestreift, andere rot, andere gelb mit violetten Sternchen. Er schaute sich um, aber er sah keine Wiese. Sondern so etwas wie ein Strand, wie eine Wüste. Alles weiß und hell, aber nicht grün! Was war geschehen?

Der Hase wusste es nicht. Er hatte den Winter im Schlaf verbracht. Nun sollte es Frühling sein, aber es war kein Frühling. Er schaute sich um, sah die anderen Osterhasen, die ebenso verwirrt vor der weißen Fläche standen. Und er wusste, er musste die Eier wegbringen. Denn ohne die Eier würde es kein Osterfest geben. Die anderen Osterhasen zögerten, er selbst zögerte. Berührte diese komische weiße Fläche, aber sie war nicht sandig, sondern nass und kühl, ganz ungewohnt! Vielleicht am nächsten vergleichbar mit einer Wiese nach einem Herbstschauer. Aber es war kein Herbst. Es war auch kein Frühling. Der Hase tappste umher, wusste nicht, was er tun sollte.

Ein Dachs trottete vorbei, und warf einen Blick zu den Hasen hinüber. Er sagte "es ist nur Schnee, ihr könnt einfach hindurchgehen". Es wird vielleicht anders ein als ein Gang durch Gras, aber ihr werdet durch gehen können. Es ist kein Problem, es ist nur Schnee, nur ungewohnt.

Die anderen Hasen zögerten, und auch unser Osterhase schaute den Schnee an. Ging einen Schritt vor, berührte ihn, und wich wieder zurück. Und schaute sich um? Sollte Ostern dieses Jahr ausfallen? Was kann denn schon Schnee dafür, dass er liegt? Warum soll Schnee Ostern verhindern?

Er hoppelte ein paar Schritte zurück, dachte, "ich habe das schon so oft getan. Bin zu Ostern losgelaufen, um der Welt mit meinen Ostereiern ein Geschenk zu bringen, und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Um das zu tun, was ich tun will. Warum soll ich mich von ein paar Schneeflocken, was auch immer das sein mag, abhalten lassen? Also nahm er anlauf, hoppelte vor und vor und vor, und sprang - soweit er springen konnte. Sehr weit, mitten in den Schnee hinein. Er versank mit seinen Beinchen darin, musste sich losrappeln, den Schnee ein wenig abschütteln. Aber er hatte es geschafft. Er stand, im Schnee. Er hoppelte los, und hoppelte, und hoppelte, immer weiter, nun wo er einmal den Entschluss gefasst hatte, weiter und weiter.

Dann kam er irgendwann an einen Wald. Auch der Wald sah anders aus. Nicht mehr lichtdurchflutet und hell mit frischen Knospen, sondern bedeckt unter einer weißen Decke und Dunkelheit darunter. Und wieder zögerte der Osterhase. Wie konnte er da durchgehen? Er sah fast nichts!

Irgendwo unter dem Blätterdach rief eine Eule. "Es ist nur Schnee! Diesmal sogar über dir! Du kannst einfach durch die Dunkelheit laufen. Es ist wie der Tag, nur die Sicht ist eine andere. Aber nur weil die Sicht eine andere ist, bist du immer noch der Osterhase."
Und der Osterhase verstand. Es wird Zeit, weiterzugehen, die Eier abzuliefern. Und so fasste sich der Osterhase ein Herz, sprang hinein in die Dunkelheit. Und er sah, dass er fast nichts sah. Aber er sah genug. Genug um seinen Weg durch den Wald zu finden.

Und als er am Ende des Waldes ankam, sah er eine Straße. Aber diese Straße sah aus wie immer, denn dort war der Schnee weggeräumt worden. Dafür lagen dort so etwas wie kleine Kieselchen auf der Straße, auf dem Weg. Und nun dachte der Osterhase "ich bin durch den Schnee gegangen, ich bin durch die Dunkelheit gegangen, was können mir ein paar Kieselchen jetzt noch anhaben?"
Und er nahm Anlauf, und sprang, und hoppelte ganz schnell über die Straße. Hin zu dem Garten, dem er die Ostereier brachte. Aber dort nun, dort erst offenbarte sich das richtig große Problem!

Denn wie sollte er da die Eier verstecken? Sie waren bunt, und normalerweise, in einem normalen Frühling, ist alles bunt. Blüten von ganz verschiedenen Blumen und Hecken und Sträuchern! Aber dieses mal war alles weiß. Seine Eier aber waren bunt. "Wie kann man etwas Buntes auf etwas Weißem verstecken", fragte sich der Hase. Bis er merkte, "hm, Eier sind nicht immer bunt. Es gibt auch Eier, die sind weiß", und er überlegte eine Weile. Wenn es Eier gibt, die auch weiß sind, die könnte man auch im weißen Untergrund verstecken, ganz heimlich, unbemerkt, schwer zu finden - eine richtige Herausforderung!

Aber dann wurde dem Osterhasen bewusst, es ging nicht zu Ostern darum etwas so sehr zu verstecken, dass man es niemand finden könnte. Sondern es geht darum, die Freude zu erleben, wenn man etwas gefunden hat, von dem man vorher gar nicht wusste, dass es da sein würde. Also nahm er die Eier, versteckte sie hier mal an einem Baum, dort unter einem Strauch, und da in einer Erdkuhle. Und er streute nur ein wenig Schnee darüber, dass immer noch etwas Farbe durchschimmerte.

Beim Anblick der Eier, winzige farbige Sprenkler im Weiß, lächelte der Hase und dachte sich "ob Sonne oder Schnee, Ostern kann kommen, denn Ostern ist ein Fest das gefeiert werden sollte! Und auch wenn der Winter lang und gewesen sein mag, und auch wenn immer noch Schnee fällt, es ist Ostern, es ist Frühling, es ist Zeit diese Zeit zu genießen!"

Mit diesen Gedanken wusste der Hase, er hat etwas von diesem Osterfest mitgenommen, was ihn fortan auf allen Osterfesten begleiten wird. Also warf er noch einen Blick über den Garten und hoppelte zurück. Und sah, als er wieder ankam, dass die anderen Osterhasen immer noch nicht den Sprung in den Schnee gewagt hatten.
Aber als sie ihn sahen, wussten sie, der Schnee kann sie nicht schrecken. Der dunkle Wald am Horizont kann sie nicht schrecken. Es ist Zeit, loszuhoppeln. Und das taten sie! Inspiriert durch unseren Osterhasen, der zuerst den Sprung gewagt hatte.
So hoppelten die Osterhasen los, und brachten das Osterfest zu den Menschen, selbst an diesem komplett verschneiten Ostertag. Und trotz Schnee wurde es am Ende ein wunderschönes Ostern.

Ein frohes Fest wünche ich!

Mittwoch, 27. März 2013

Zwei Welten

Siehst du vielleicht einen Baum, wenn du aus dem Fenster schaust? Wenn nicht, denke an irgendeinen Baum, den du kennst. (Ich hoffe jetzt einfach mal, keine Leser zu haben, die ihr ganzes Leben innerhalb der Polarregionen verbracht haben. Falls doch, schaut auf Wikipedia nach, was ein Baum ist, sollte es nicht bekannt sein. Danke.)

Ein Baum nun ist einerseits ein Objekt, mit dem sowohl du selbst als auch andere Organismen interagieren können. Du kannst den Baum anfassen. Beschreiben. Ebenso wie Vögel auf seinen Ästen landen, Schmetterlinge ihn umfliegen, und so weiter. Das ist, was ich "Objekt-Ebene" nennen möchte.

Nun kommt es aber dazu, dass wir nur Ausschnitte aus der Objekt-Ebene überhaupt mitbekommen. Wenn es nicht so kalt wäre, und die Bäume Blüten zeigen würden (denke an Kirschblüten), dann geben diese Blüten durch Farbveränderungen im ultravioletten Spektrum Informationen für Insekten. Die sehen wir nicht. Auch mal an Rot-Grün-Blinde gedacht, jene sehen die Blätter anders - nämlich eben nicht grün, sondern eher gelbstichig. Ganz davon abgesehen fällt das Bild des Baumes ja nicht einfach so, wie es ist, in den Geist. Reflektierte Photonen werden vom Auge in elektrische Signale umkodiert, um vom Gehirn mehr oder weniger näherungsweise wieder zurückkodiert zu werden. Ganze Hirnregionen sind damit beschäftigt, dass wir zum Beispiel Kontraste stärker sehen. Was am Ende dort in unserem Geist auftaucht, ist nicht das Objekt "Baum", sondern eine Repräsentation - quasi ein Symbol.

Und nun kommt hinzu, dass dieses Symbol noch mit Assoziationen verknüpft sein kann. Denke an jemanden, der seinen ersten Kuss unter einem Baum hatte. Vergleiche den mit jemanden, der bei einem Unfall gegen einen Baum gerast ist und knapp überlebt hat. Für sie dürfte der Baum etwas ganz anderes bedeuten. Dies ist, was ich die "Symbol-Ebene" nennen möchte.

Wir bewegen uns zwar physisch in der "Objekt-Ebene", psychisch aber (meinem Empfinden nach ausschließlich, aber das ist sicher diskutabel) auf der "Symbol-Ebene". Aus dem Grund haben persönliche Metaphern auch so einen großen Einfluss. Aus dem Grund reagieren wir so verzaubert auf gute Geschichten. Aus dem Grund kann dieselbe Situation (Stichwort "Baum") von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich bewertet werden.

Montag, 25. März 2013

Wie man richtig Feedback gibt!

Wenden wir einfach mal alles an, was sich aus den Erkenntnissen der Lern- und Motivationspsychologie ergibt. Nämlich eine ziemlich simple Formel:

Lob + Vorschlag zur Verbesserung

Klingt simpel? Ist simpel! Durch das Lob hebt man erst einmal die Stimmung. Gleichzeitig wird es mit dem Vorschlag zur Verbesserung assoziiert. Und der Vorschlag ist konkret.

Ich sehe oft, dass eher so etwas empfohlen wird a la "erst das Positive, dann das Negative". Das ist einerseits durchaus gut, andererseits aber auch nicht. Das Negative ist unkonkret. Es löst das aversive Motivationssystem aus. Es löst den falschen State aus. Tatsächlich ist der Vorschlag zur Verbesserung ja auch nur quasi die andere Seite der Medaille, denn dahinter steht ja immer etwas, was negativ ist - bloß es wirkt anders.

Und der Vorschlag wird viel eher akzeptiert - da das Lob nur wirklich "geschluckt" werden kann, wenn man auch den damit einhergehenden Vorschlag mitschluckt und umsetzt.

Dahinter steht auch ein Problem, das ganz generell mit dem aversivem Motivationssystem verbunden ist. Es steht für eine "weg von"-Richtung. Wenn ich beispielsweise bei einer Abschlussarbeit rückmelden würde, "die Diskussion ist mangelhaft", dann mag es da durchaus Änderungen geben - nur was für welche, ist nicht vorhersehbar. Können Verbesserungen sein. Könnten auch Verschlechterungen sein. Schlage ich hingegen vor, auf welche Art und Weise die Diskussion verbessert werden kann, dann wird das in aller Regel umgesetzt.
Am Ende gewinnen so beide.

Und darum sollte es letztendlich gehen. Feedback gibt man ja nicht zum Selbstzweck.

Samstag, 23. März 2013

Eine Frage der Formulierung

Kleiner Gedankenanstubser aus dem Marketing. Drei Sätze, die alle exakt die gleiche inhaltliche Aussage haben - aber doch ganz unterschiedlich gute Ergebnisse haben.

Geordnet von der schwächsten zur stärksten Erfolgsquote:

- Tun Sie X, um 100€ zu bekommen!

- Tun Sie X, um 100€ zu sparen!

- Tun Sie X, um 100€ nicht zu verlieren!


In allen drei Fällen (inhaltliche Ebene) stünde man am Ende mit 100€ mehr da als ohne Handlung. Warum also wirken die drei Aussagen unterschiedlich?

Erst einmal fällt auf, dass die erste Aussage das appetetive Motivationssystem anspricht, die letzten beiden hingegen das aversive. Die meisten Menschen sind stärker aversiv motiviert. (Warum habe ich glaube schon irgendwo mal in einem anderen Kontext beschrieben. Das appetetive sorgt für gute Gefühle, das aversive hat unseren Vorfahren erlaubt zu überleben. Daher ist es aus evolutionärer Sicht sinnvoll, dass das aversive stärker ist.)

Nun gibt es noch einen Unterschied zwischen den letzten beiden - obwohl beide aversiv sind. Das letzte betrifft nämlich das Besitzdenken. Wir hassen es, Dinge zu verlieren. Sparen ist ja schön und gut, aber wenn uns etwas weggenommen wird? Das wirkt stärker.

Lustig bei der Beobachtung ist, dass das ganze gar nicht mal so bewusst abläuft, bzw. abzulaufen scheint. Ich theoretisiere gerade auch nur so vor mich hin - nur die Beobachtung, die bleibt.

Mittwoch, 20. März 2013

(Psycho-)Tricks im Tanz mit dem Hunger

Vorab - und das meine ich extrem ernst: Man kann das Hungergefühl manipulieren - und ich schreibe hier ein paar gute Möglichkeiten dazu auf. Nichtsdestotrotz muss man jedoch das Konzept im Auge behalten, welches ich hier umrissen habe: Ohne eine ausgewogene, gesunde Ernährung, die man auch willentlich trägt, ist der Nutzen jedes Tricks nur gering.

Stell dir vor, einen Weg durch eine dir unbekannte Stadt zu gehen. Die Tricks sind so etwas wie Karten und Wegbeschreibungen, um gut und schneller zum Ziel zu gelangen - aber die Stadt selbst ist die vernünftige Ernährung. Jeden Tag zwei Liter Softdrinks, eine Tüte Chips, eine Tafel Schokolade, und für das schlechte Gewissen noch eine "Milchstulle", da wird kein Trick der Welt helfen. Das ist, wie Karten und Wegbeschreibungen für eine fremde Stadt dabei zu haben.

In dem Sinne dann einmal kurz darüber nachgedacht, was Hunger ist, und was das Sättigungsgefühl ist. Insbesondere das Sättigungsgefühl verdient Beachtung.

Warum? Das Sättigungsgefühl ist ein interessantes Phänomen, das erstaunlicherweise nichts mit der Nahrhaftigkeit des Essens zu tun hat. Und darin liegt sowohl die große Chance - als auch die große Gefahr. Das Sättigungsgefühl tritt ein nach:
- Einer gewissen Zeit.
- Einer bestimmten Dehnung der Magenwand.

Beides löst Sättigungsgefühl aus - es reicht, wenn eines der Kriterien erfüllt ist. Das heißt, man hat hier direkt zwei Ansatzpunkte.

Der erste Ansatzpunkt ist die Entschleunigung. Kurz gesagt, langsam essen. Kleine Bissen. Kleinere Portionen und kleine Teller, möglicherweise mit Nachschlag holen (Untertassen können auch zweckentfremdet werden). Keine Ablenkung wie Fernsehen! Grundsätzlich sollte man sich für jede Mahlzeit zwischen 20 und 30 Minuten Zeit nehmen. Im Zweifelsfall mit Stäbchen essen.

Entschleunigung ist an sich schon immer nützlich, um den Umfang der Mahlzeit zu reduzieren. Er wird dann der einzige Weg, wenn der Magen zu sehr gedehnt ist. Das ist nämlich die andere Seite der Medaille. Ich kenne Menschen, die problemlos zwei bis drei Kilos auf einmal verspachteln können. Der Magen ist ein Muskel. Dort dann auf eine ausreichende Magendehnung hinzuarbeiten stelle ich mir interessant vor.

Mit der Magendehnung lässt sich arbeiten, wenn man schon von normalen Portionsgrößen satt wird. In dem Fall gibt es dann nämlich die Möglichkeit, den Energiegehalt der Nahrung zu senken. Das bietet sich dann an, wenn man öfter sehr gehetzt essen muss. Man suche sich eine ausreichend lange Liste an Nahrungsmitteln mit wenig Kalorien, und esse mehr von denen. Gleichzeitig reduziert man die Nahrungsmittel mit hohem Energiegehalt.

Weiterhin bieten sich jene Nahrungsmittel mit geringem Energiegehalt auch an für kleine "Snacks". Möhren, Gurken, wie auch immer - nahezu keine Kalorien, stillen auch (langsam gegessen) etwaige kleine Hungeranflüge. Bei doch einigen Personen habe ich beobachtet, dass gar nicht die Hauptmahlzeiten das Problem waren, sondern so kleine Snacks, die sich im Laufe des Tages summierten.

Weiteres großes Problem, das auch damit zusammenhängt, sind Getränke. Säfte, Softdrinks, beides tut sich wenig. Sie enthalten zwar nicht ganz so viel Energie, sorgen jedoch für überhaupt kein Sättigungsgefühl - und dadurch kommt eine Menge zusammen. Ich empfehle sehr, darauf zu verzichten. Kann man es nicht, empfehle ich sie lediglich zu Hauptmahlzeiten zu trinken - und selbst dann nur stark verdünnt.

Kommen wir zum anderen Ansatzpunkt, dem Hunger. Es gibt zwei Arten von Hunger - echten und falschen. Gerade letzteren sollte man erkennen.

Essen kann bei manchen Personen zu einer Ersatzhandlung werden. Sie essen, wenn sie gestresst sind. Sie essen, wenn sie sich unglücklich fühlen. Hier ist der Hunger psychischer Natur. Man findet ähnliche Ersatzhandlungen auch bei Drogen - dasselbe Muster ist bei Nikotin und Alkohol altbekannt. Hier sollte man selbst ziemlich schnell ein Muster erkennen können. Geht es einem schlechter, und man bekommt dann Hunger? Riecht nach Ersatzhandlung. Geht der Hunger eher vom Kopf aus, und fehlt eine körperliche Komponente? Ebenfalls ein Hinweis auf eine Ersatzhandlung.
Wie damit umgehen? Sinnvollere Ersatzhandlungen, wenn möglich. Ein wenig Sport, ein Spaziergang, Meditation, wie auch immer. Andere Möglichkeit, in solchen Fällen auf die oben schon empfohlenen Nahrungsmittel mit sehr geringer Energiedichte zurückzugreifen. Wie schon dort erwähnt, Snacks sind sonst schnell ein Problem.

Oder auch Konditionierung nutzen. Und zwar im Falle des "falschen" Hungers das Essen mit unbeliebten Tätigkeiten verbinden, bzw. jene unmittelbar danach ausführen. Welche dies bei dir sind, kann ich nun nicht aus der Ferne sagen. Das kann alles mögliche sein - wichtig ist nur, die Tätigkeit kann unmittelbar nach dem Essen ausgeführt werden, und sie wird als unangenehm erlebt. Nun passiert im Laufe der Zeit folgendes: Die Tätigkeit wird positiver erlebt, gleichzeitig das Essen als Ersatzhandlung negativer. Englisch würde man das als "Win-Win" bezeichnen.

Eine andere Form des falschen Hungers ist - ich bin mir der Ironie durchaus bewusst - ankonditionierter Hunger. Ganz klassisch nach Pawlows Hunden: Hat man wirklich um eine bestimmte Uhrzeit Hunger? Oder erwarte ich lediglich, dann und dann Hunger zu haben? Variationen im Tagesablauf sind ohnehin eine gute Idee - allein schon, um solche Gewohnheiten gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Ebenso gibt es einige Essensriten, die auf Konditionierungen beruhen, aber der Figur nicht gut tun. Hauptsächlich zu nennen ist da einmal die Tendenz zu großen Anfangsportionen. Fand man in vielen Studien immer wieder - je größer das verwendete Geschirr, desto mehr wurde gegessen, obwohl gleich viel zur Verfügung steht. Hat auch etwas von dem Chipstütenphänomen: Die ist am Ende leer, obwohl das eigentlich gar nicht beabsichtigt war. Lösung: Kleine Portionen. Kleines Geschirr.
Dann, damit teils einhergehend... ich kann jetzt nicht für andere sprechen. Mir wurde als Kind noch "der Teller wird leergegessen!" eingeimpft. Eine doppelt destruktive Idee - einerseits wird so das natürliche Sättigungsgefühl ignoriert, andererseits die Portionen im Laufe der Zeit größer. Die Konditionierung kann man lösen, indem man zeitweise immer etwas auf dem Teller behält. Lässt sich auch gut mit dem "langsamer Essen" (siehe oben) kombinieren.

Auch sollte man kaum bis keine hochenergetischen Nahrungsmittel (also so etwas wie Süßigkeiten) im Haus haben. Denn wenn eine Hungersituation aufkommt, und die Wahl zwischen Gurke und Schokolade besteht... nun, wäre es nicht besser, die Wahl wäre zwischen Gurke und Möhre?

Dann ist da noch dieses Mitteldingen - echter Hunger, aber auf Sachen, die nicht gut tun. Was ist da möglich? Einerseits gesündere bzw. energieärmere Alternativen. Wenn das nicht geht, gibt es wiederum einen ganz einfachen, wenn auch gemeinen Trick. Wiederum Konditionierung.
Am stärksten würde die Konditionierung sicherlich wirken, wenn Übelkeitsgefühle mit ausgelöst werden. Da das aber medizinisch bedenklich wäre, eine harmlosere Alternative: Das jeweils dabei bzw. danach essen, was man vom Geschmack her absolut ekelhaft findet. Auch das sorgt recht schnell für eine entsprechende Fehlassoziation.

Letztendlich gibt es noch eine wichtige Sache, und zwar was den echten Hunger betrifft. Man muss genug essen - wie ganz am Anfang erwähnt gibt es da ja ganz grundsätzlich die Frage nach der Energieaufnahme vs. des Energieverbrauchs. Ist die Energieaufnahme zu niedrig, schaltet der Körper in einen Energiesparmodus und nimmt nur bei krankhaft niedriger Energiezufuhr überhaupt ab - zu großen gesundheitlichen Kosten. Wenn man dann wieder versucht, normal zu essen, landet man direkt im Jojo-Effekt. Schlecht. In Sachen Energieaufnahme sollte man natürlich unter dem Energieverbrauch bleiben, aber nur ein wenig. FdH ("friss die Hälfte") und ähnliche späße funktionieren nicht.

Aus dem Grund auch diese grundsätzliche Idee aus meinem vorigen Beitrag: Umstellung auf eine gesunde Ernährung. Der Rest ergibt sich von selbst. Sicher, man nimmt so nur ein paar Kilos pro Monat ab - aber die dauerhaft.

Montag, 18. März 2013

Den Rahmen verkleinern!

Ich habe ja doch ein wenig über Rahmen geschrieben (1, 2, 3, 4). Kürzlich ergab sich ein schönes Beispiel, wo sich das ganze in der psychologischen Praxis fand.

Fangen wir am Anfang an: Jemand hat bemerkt, dass ich doch im letzten Jahr ordentlich abgenommen hatte, und ob ich da ein paar Ratschläge hätte. Mal von einer Reihe von mehr oder weniger psychologischen Tricks abgesehen (aus denen ich sicher irgendwann einen Blogpost machen werde, wenn mir nichts anderes einfällt), fiel mir ziemlich am Anfang ein Glaubenssatz / Rahmen auf.

Nämlich die Aussage "ich weiß - man kann entweder so viel essen, wie man will. Oder essen, was man will. Nur beides gleichzeitig geht nicht!"

Lasst mich die Relativität von Wahrheit demonstrieren!

Diese Aussage ist aus einem bestimmten Blickwinkel absolut wahr. In Sachen Gewicht geht es letztendlich nur um die Frage, wie viel Energie (lies Kalorien, Joule, WW-Punkte, wie auch immer man sie messen will) man zu sich nimmt, und wie viel man verbraucht. Liegt die Zunahme über den Verbrauch, nimmt man zu. Nimmt die Zunahme unter dem Verbrauch, nimmt man ab. Rein mathematisch ist die Aussage also absolut wahr.

Wenn man die Aussage als wahr annimmt, ergibt sich daraus die Aussage. Welche sich wiederum übersetzt zu "entweder ich esse Zeug, das mir nicht schmeckt, werde aber satt - oder ich esse, was mir schmeckt, werde dafür nicht satt". Hier begibt man sich in einen Kampf mit sich selbst. Das ist dysfunktional. Dieser Rahmen, so korrekt er auch rein mathematisch betrachtet sein mag, muss weg.

Ich sah zwei Angriffspunkte. Hinweis noch, "will" war ein persönliches Trancewort.

Erstens, und am wichtigsten, die Vorstellung "essen, was man will". Da boten sich direkt mehrere geistige Anstubser an:
- "Willst du wirklich essen, was dich langfristig körperlich und geistig belastet? Möchtest du nicht viel lieber essen, was dir langfristig körperlich und geistig gut tut?"
- "Warum hast du bisher gegessen, was du glaubst zu wollen, obwohl du es eigentlich nicht willst?"
- "Willst du nicht eher essen, was schmeckt, und was dich in sechs Monaten, in sechs Jahren zurückblicken lässt voller Wohlbefinden? Ist es nicht das, was du eigentlich willst?"
- "Hat es dich bisher glücklich gemacht, zu essen, was deiner Gewohnheit entspricht? Willst du nicht lieber das essen, was dich glücklich macht?"

Zweitens die Vorstellung "so viel essen, wie man will". Auch da gab es einige geistiger Anstubser:
- "Isst du, so viel du willst - oder isst du bisher mehr, als du willst?"
- "Isst du, weil du hungrig bist - oder, um deine Stimmung aufzuhellen?"
- "Was außer zu essen kannst du tun, um deine Stimmung aufzuhellen?"
- "Wann isst du, obwohl du nicht hungrig bist?"
- "Weshalb möchtest du mehr essen, als du willst?"
- "Warum willst du dir keine Zeit nehmen, mit Genuss zu essen?"
- "Willst du nicht nur so viel essen, wie dein Körper an Hunger empfindet?"

Die Begegnung liegt nun gut drei Monate zurück - und, wie ich erfuhr, auch gute fünfzehn Kilos (weiter fallend). Da es zwischen Tür und Angel war, hatte ich nicht einmal Zeit gehabt, die kleineren psychologischen Tricks zu erklären. Die wurden überwiegend schon automatisch dadurch angewendet, indem der ursprüngliche Rahmen völlig umgekrempelt worden ist.

Allerdings muss man hier auch sagen: Es funktionierte aus zwei Gründen. Erstens weil die Person einen Wunsch hatte, abzunehmen (obschon sämtliche bisherigen Versuche gescheitert sind), denn ansonsten hätte der Alternativrahmen nicht greifen können. Und zweitens, weil ich genau diesen speziellen Rahmen angriff - und das teils mit den persönlichen Tranceworten. Ist der Rahmen ein anderer, sind die Tranceworte andere, kann das völlig ins Leere laufen. Auf der konkreten Ebene ist das kein Allgemeinrezept. Auf der abstrakten Ebene hingegen findet sich eins - Rahmenmanipulation.

Ironischerweise führte dann der veränderte Rahmen auch dazu, dass der ursprüngliche Rahmen doppelt erfüllt wurde - indem weniger und gesünder gegessen wurde. Nur das durch eine Leichtigkeit, keinen Kampf gegen sich selbst. Denn ob letzterer erfolgreich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.

Sonntag, 17. März 2013

Kreativitätsübung - Assoziationen

Eins ist mir immer wieder aufgefallen: Wenn Verständnis eine Kutsche ist, dann sind Metaphern und Vergleiche Pferde, während detaillierte Erklärungen etwas von Hauskatzen haben. Sicher, genug Katzen, die genug motiviert sind, werden auch irgendwann die Kutsche bewegen können - aber die Pferde haben wesentlich mehr PS!

Was auch Sinn macht: Die grundlegensten Formen des Lernens (egal ob Konditionierung, Lernen am Modell, Lernen durch Problemlösen, und vieles mehr) geschehen letztendlich durch Assoziationen. Auch so Späße wie Priming beruhen auf Assoziationen. Das heißt, unser Verstand setzt gerne Dinge miteinander in Verbindung oder im Kontrast - so wie ein Chemiker gern Substanzen mischt oder so interessante regenbogenartige Schichten erzeugt.

Ich weiß gar nicht, womit ich schon alles teils sehr komplexe psychologische Phänomene erklärt habe. Neben den üblichen Verdächtigen auch mal Simpsonsfolgen, Smilies, auf den ersten Blick völlig andersartige Alltagserlebnisse...

... der Trick ist: Die Assoziation muss nicht perfekt sein. Sie kann sogar ziemlich weit her geholt sein. Dennoch wird sie extrem gut verstanden. Mir fällt da ein ziemlich bekanntes Beispiel aus einem Film ein. Forrest Gumb: "Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiß nie, was man als nächstes bekommt."
Wenn man genauer darüber nachdenkt, macht das Beispiel logisch nicht so wirklich viel Sinn. Da wichtige Teile unseres Verstandes jedoch assoziativ und letztendlich alogisch arbeiten, zieht es dann doch.

Entsprechend halte ich es für eine wichtige Fähigkeit, assoziativ denken zu können.

Und das kann gelernt werden! Und zwar einfach, indem man Vergleiche zwischen zwei scheinbar unabhängigen Objekten zieht. "Ein Mülleimer ist wie eine Festplatte - hält man keine Ordnung, sammelt sich da schnell ganz viel an." "Singvögel sind wie Wecker. Oft rechnet man mit ihrem Klang - erklingen sie unerwartet, ist man jedoch schnell überrascht." "Sich in ein neues Themenfeld einzuarbeiten ist wie die Wanderung der Lachse - man macht sich auf den Weg trotz aller Widerstände, denn man weiß, wo man hinwill - und jeder Weg beginnt mit dem Impuls sich aufzumachen!"

Ich kann nur empfehlen, jeden Tag ein paar Minuten für solch mehr oder weniger sinnvolle Assoziationen zu nutzen. Denn selbst mit einem mittelmäßigen Bild erreicht man mehr als mit einer guten sachlichen Erklärung.

Übrigens gibt es dabei noch einen kleinen Bonus. Es gab Forschungen zu ähnlichen Übungen, und das Ergebnis war, dass die Leute im Laufe der Zeit nicht nur assoziativer wurden, sondern sich auch der IQ steigerte.

Donnerstag, 14. März 2013

United States of Psychology

In der Psychologie unterscheidet man Traits und States.

Traits sind ziemlich stabile Charaktereigenschaften. States der aktuelle Zustand.

Beispiel: Prüfungsängstlichkeit beschreibt, wie ängstlich jemand generell vor Prüfungen ist. Das ist ein Trait. Wenn jemand gerade aktuell Angst vor einer Prüfung hat, der befindet sich im entsprechenden State.

Im Alltag, und auch in der Psychologie, beschäftigen wir uns immer gerne mit Traits. Die sind so... definierend. Und ja, teilweise leiten sich die States auch daraus ab. Aber nicht nur. Tatsächlich halte ich States für extrem wichtig.

Warum?

Man denke an das kontextabhängige Lernen. Auch States sind ein entsprechender Kontext. Man denke an Gedächtnisprozesse - zustandskongruente Erinnerungen werden besser erinnert, inkongruente schlechter. (Lies bist du glücklich, erinnerst du dich leichter und mehr an glückliche Erinnerungen und schwerer und weniger an unglückliche.)
Aber das wichtigste ist: States bestimmen, welche Entscheidung man trifft. Bemerke bitte das Wort "bestimmt". Nicht "beeinflusst". Das Verhalten ist immer kongruent zum State. Entscheidungen sind kongruent zum State. Daher gibt es direkt zwei Fallgruben.

Einerseits muss zu einer Verhaltensänderung erst eine Stateänderung herbeigeführt werden. Gerade bei psychologischen Auffälligkeiten sehr wichtig - weil sonst jeder gute Rat apperlt und man nichts erreicht.

Andererseits sind Entscheidungen in sehr negativen States extrem gefährlich. Ich kenne genug Fälle, wo Leute eine Entscheidung in einem negativen State getroffen haben, und dadurch erst so richtig abgestürzt sind. Diese alte Bauernweisheit von wegen nichts überstürzen und bei klarem Kopf entscheiden? Sie ist korrekt. Der schnellste Weg in eine Depression und das eigene Leben völlig vor die Wand zu fahren, ist eine wichtige Entscheidung in einem aufgewühlten, negativen State zu treffen.

Ich habe das schon öfter gesehen als mir lieb ist. Und das schlimme ist, dass zu diesen Entscheidungen dann, so ganz nach dem Kontingenzprinzip, gestanden wird. Manchmal zumindest besteht die Chance, begangene Fehler zu korrigieren. Jedoch nicht immer.

Daher empfehle ich zwei Sachen mitzunehmen:
1. Keine (wichtigen) Entscheidungen in einem negativen State treffen.
2. Sich des eigenen States, und dem seiner Umgebung, bewusst werden.

Das gibt einen die Macht, selbstbestimmt zu entscheiden - und nicht von eigenen States am Nasenring entlanggezogen zu werden.

Dienstag, 12. März 2013

Vergebung

Emotionen haben einen unmittelbaren Zweck. Sei es Verhaltensvorbereitung. Sei es Kommunikation. Sei es Motivation. Konstruieren wir einmal ein einfaches Beispiel - du bist wütend auf jemanden. Da finden sich alle drei Zwecke drin wieder.

Verhaltensvorbereitung im Sinne von bereit zu sein, das Verhalten abzuwehren, das dich wütend macht. Kommunikation, dem anderen mitzuteilen, dass das, was er tut, nicht in Ordnung ist. Motivation dazu, auch wirklich etwas zu tun, um nicht als Fußabtreter einfach alles zu akzeptieren. All das ist nützlich. Und, wie anfangs gesagt, unmittelbar. In der Gegenwart.

Was aber, wenn Emotionen fortbestehen? Lange über die Situation hinaus? Dann erfüllen sie oft keinen Zweck mehr. Im Gegenteil. Werden destruktiv. Wut richtet sich dann nicht mehr gegen eine äußere Grenzüberschreitung, sondern gegen dich selbst. Das ist schlecht. Selbiges gilt für Angst, Trauer, und vieles mehr.

Diese Emotionen sind Ketten, die uns an die Vergangenheit fesseln. Sie erfüllen keinen Zweck mehr. Warum können dann dennoch viele Menschen jene nicht loslassen? Ich glaube, das hat etwas mit der sehr seltsamen Konnotation zu tun, die Vergebung in unserem Kulturkreis hat. Vergeben wird dort oft gleichgesetzt mit akzeptieren, mit Wiedergutmachung, oder mit Liebe. Alle drei Sachen funktionieren nur dummerweise nicht immer. Und das erlaubt es, Ketten fortbestehen zu lassen.

Massive Grenzverletzungen sollte man nicht akzeptieren. Wiedergutmachung erfährt man selten. Und Liebe ein ebenso seltener Kontext. Definiert man Vergebung nur in diesen Kontexten, hat man ein Problem. Weil sie sich in diesem Fall am Gegenüber orientiert, und das oft nicht funktioniert. Dabei geht es bei Vergebung eigentlich nur um eine Person: Dich selbst.
Zu erkennen, die Emotionen hatten eine Funktion, man hat seine Lehren daraus gezogen, und lässt sie nun gehen - weil sie fortan keinen Zweck mehr erfüllen. Es geht darum, die eigenen Fesseln abzustreifen. Ich habe Menschen kennengelernt, die noch emotional unter etwas litten, das Jahre und Jahrzehnte zurücklag. Deren Blick auf die Zukunft so vernebelt wurde von der Vergangenheit. Und ich kann dazu nur sagen, "um deiner selbst willen, lasse los. Vergebe. Befreie dich."

Sonntag, 10. März 2013

Noch mehr zu Placebos

Befunde zu Placebos füllen ganze Bücher. Daher kann ich nicht alles, was man bisher dazu weiß, hier niederschreiben. Erst einmal eine kleine Wiederholung:

Darauf kommt dann noch der Placeboeffekt. Den sollte man nicht kleinreden. Tatsächlich glaube ich, man könnte bei leichten bis mittelschweren Krankheiten gut unterstützen, wenn man diesen regelmäßig auslösen würde. Der Placeboeffekt ist eine muntere Mischung aus klassischen und operanten Konditionierungen, Suggestionen, selektiver Wahrnehmung, direkte Verhaltensmodifikation (= z.B. geregelter Tagesablauf, regelmäßiges Trinken, etc), indirekte Verhaltensmodifikation (= z.B. Patient nimmt Präparat, glaubt sich besser zu fühlen, unternimmt mehr, und das Mehr an Unternehmungen verbessert seinen Zustand), sozialer Interaktion, und einiges mehr. Wie auch die natürliche Heilung hängt der Placeboeffekt stark vom Krankheitsbild ab, wie gut er hilft.

Übrigens fürs Protokoll: Da ein Großteil des Placeboeffekts wieder auf unseren Freund Pawlow (richtig, der mit den sabbernden Hunden) zurückgeführt werden kann, findet sich jener selbstverständlich auch bei Kleinkindern und Tieren. Placebos wirken sogar bedingt durch einige der Faktoren, wenn der Patient weiß, dass ein Placebo verabreicht wird!

Das ganze sagte einiges über die Wirkmechanismen aus; nicht jedoch, wann Placebos wirken. Ganz generell kann man sagen, dass sie einen positiven Einfluss haben auf das subjektive Wohlbefinden. Das subjektive Wohlbefinden ist nicht immer identisch mit dem objektiven Wohlbefinden, wohl gemerkt. Dies macht Placebos auch so verführerisch - selbst wenn sie objektiv gar nichts bringen, subjektiv fühlen sich die Leute dann doch besser.

Das ist eigentlich sogar ziemlich gut. So lange man mögliche wirksame Behandlungen deshalb nicht vernachlässigt.

Da ich gern extreme Beispiele nutze, treiben wir es mal wieder auf die Spitze: Schmerzen lassen sich per Hypnose 'ausblenden' - dadurch funktionieren die Zahnbehandlungen unter Hypnose. Aber Hypnose behebt nie den organischen Grund für den Schmerz. Bei einer Zahnbehandlung ist das offensichtlich, woher der gerade kommt. Wenn jedoch anderer Schmerz die Ursache ist, nun, die Handhabe unter entsprechenden Therapeuten ist nicht grundlos "Schmerzpatienten erst ab zum Mediziner, keine Ausnahme!" - aus reiner Vorsicht, damit keine gefährliche körperliche Ursache übersehen wird. Schmerz ist in erster Linie ein Warnsignal.

Weiterhin wirken sich Placebos direkt und indirekt positiv auf alles aus, was in Richtung Stress und Angst geht. Da Stress ein wichtiger Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer ganzen Reihe von Erkrankungen ist, ist das ebenfalls ein durchaus sehr positiver Faktor. Wobei dies natürlich auch mit dem Bereich des subjektiven Wohlbefindens interkorreliert.

Gerade weil Stress nun oft mit drin hängt, findet man auch bei sehr vielen Beschwerden einen Placeboeffekt. Man findet meist nur keinen Placeboeffekt, wenn es in den lebensbedrohenden Bereich geht. Abgesehen davon sind Placebos sehr mächtig - und das ist aus psychologischer Sicht sehr interessant. Man vergleiche da auch mal den Hawthorne-Effekt.

Samstag, 9. März 2013

Homöopathie

Da soll noch einmal jemand behaupten, ich würde Minenfelder umtanzen! Homöopathie ist ein Thema, wo ich immer (und immer und immer wieder) den Kopf schütteln muss. Aus einem kleinen und einem großen Grund.

Der kleine Grund ist die dahinter stehende Theorie. Die es gleichzeitig schafft, sehr skurril und sehr inkonsequent zu sein. Da wird von einem Wassergedächtnis ausgegangen, dass umso stärker wird, je geringer das noch vorhanden ist, woran sich erinnert werden soll. Gleichzeitig ist es doppelt selektiv - erinnert wird sich nur an das Gute des Wirkstoffs, nicht an das Schlechte. Oder auch mal an das Gegenteil. Zugleich wird sich sonst an nichts erinnert, womit das Wasser mal in Kontakt kam. Verfolge nur einmal im Gedanken den Weg eines Wassertropfens. Wie er sich in den Wolken formt, durch verschmutzte Luft rast, irgendwo in einem Hundehaufen landet, abfließt durch die Kanalisation und dort sich mit all den Abwässern vermengt, um schließlich irgendwo in einer Kläranlage zu landen, um von da dann über alte, verrostete Rohre weiter zur Abfüllanlage der Homöopathiepräparatshersteller zu gelangen? Daran erinnert sich das Wasser nicht? Oder anders - wenn ich einen Geldschein zerreiße, zu Pulver zermahle, und ins Meer werfe, ein paar Orkane abwarte - macht mich das Wasser dann reich? Klingt seltsam, ist aber die Logik der Homöopathie.

Der größere Grund ist die Befundlage.
- Homöopathie wirkt genau auf Placeboniveau.
- Was wirkt, ist der Umgang mit dem 'Arzt'. Welches Präparat er verschreibt, das ist völlig irrelevant.

Die skurrile Theorie ist für mich nur der kleinere Grund. Verschiedene Phänomene hatten anfangs skurrile Theorien. Aber sie erzeugten - anders als etwaige Quacksalberei - messbare Wirkungen. Jenseits des Placeboeffekts.

Man sollte den Placeboeffekt nicht unterschätzen. Man muss das bei Krankheiten ohnehin einmal so sehen - einfach um auch klinische Studien zu begreifen, und weshalb Doppelblindstudien so wichtig sind:
- Auch ohne Intervention klingen die allermeisten Krankheiten irgendwann in einer bestimmten Anzahl von Fällen von alleine ab. Die Frage ist da nur das "wann" und das "wie viel". Beispielsweise lässt sich für Depressionen sagen, dass nach sechs Monaten auch ohne Intervention die Hälfte abgeklungen ist. Erkältungen sind viel, viel schneller und mit nahezu 100% vorbei. Das ist der erste Nennwert, den man im Hinterkopf behalten muss. Der ist nur dummerweise von Krankheit zu Krankheit verschieden.
- Darauf kommt dann noch der Placeboeffekt. Den sollte man nicht kleinreden. Tatsächlich glaube ich, man könnte bei leichten bis mittelschweren Krankheiten gut unterstützen, wenn man diesen regelmäßig auslösen würde. Der Placeboeffekt ist eine muntere Mischung aus klassischen und operanten Konditionierungen, Suggestionen, selektiver Wahrnehmung, direkte Verhaltensmodifikation (= z.B. geregelter Tagesablauf, regelmäßiges Trinken, etc), indirekte Verhaltensmodifikation (= z.B. Patient nimmt Präparat, glaubt sich besser zu fühlen, unternimmt mehr, und das Mehr an Unternehmungen verbessert seinen Zustand), sozialer Interaktion, und einiges mehr. Wie auch die natürliche Heilung hängt der Placeboeffekt stark vom Krankheitsbild ab, wie gut er hilft.
- Und dann erst kommen die Wirksamkeit von Medikamenten, bzw. sämtlichen Formen von Therapien. Auf der Placeboebene kann man dem Patienten alles geben und ihm alles raten, und alles hilft gleich gut (oder schlecht). Hier erst geht es dann darum, darüber hinausgehend Wirkungen zu zeigen. Alles, was es nicht in diesen Bereich schafft, ist (bestenfalls) ein Placebo.

Es kann auch ein sehr teurer Placebo mit seltsamer Hintergrundtheorie sein.

Übrigens fürs Protokoll: Da ein Großteil des Placeboeffekts wieder auf unseren Freund Pawlow (richtig, der mit den sabbernden Hunden) zurückgeführt werden kann, findet sich jener selbstverständlich auch bei Kleinkindern und Tieren. Placebos wirken sogar bedingt durch einige der Faktoren, wenn der Patient weiß, dass ein Placebo verabreicht wird!

Wirklich nervig an der ganzen Sache finde ich die Unehrlichkeit. Placeboeffekte sind toll. Und können in vielen Fällen auch wirken - nämlich immer dann, wenn keine ernsten körperlichen und/oder psychischen Probleme hinter den Beschwerden stecken. Nur sollte man Placebos dann schon aus ethischen Gründen als nichts anderes bezeichnen. Denn wenn es dann doch mal ernste Probleme gibt, Placebos nicht helfen, aber weiter aufgrund ihrer pseudomedizinischen Aufmachung vertraut wird, dann sterben Menschen.

Donnerstag, 7. März 2013

Korrelationsrichtungsspaß

Heute mal wieder lustige Erkenntnisse über Videospiele: Sie sollen das Wohlbefinden älterer Menschen steigern. (Kurzfassung: Nichtspieler sind signifikant depressiver.)

Ich glaube ja eher, dass die Kausalkette umgekehrt ist.
- Offenheit für Neues, Kenntnisse im Umgang mit neuer Technik, motorische und kognitive Fähigkeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit zu spielen, und sind zudem Präventivfaktoren.
- Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit ist eine Begleiterscheinung von Depressionen.

Das ist das Problem bei Querschnittsuntersuchungen. Ursache und Wirkung sind bei gefundenen Korrelationen nicht immer sofort klar ersichtlich.

Da gibt es ja auch dieses Adipositasparadox: Leicht übergewichtige Personen sollen bei schweren Erkrankungen eine höhere Überlebenschance haben als Normalgewichtige. Dummerweise bedingt nicht nur Übergewicht eher das Auftreten jener Krankheiten, sondern vor dem Tod bei vielen schweren Erkrankungen bauen Patienten auch enorm ab. Heißt die, die leider versterben, verlieren zuvor an Gewicht, und das sorgt für das Paradox.

Ich empfehle tödliche Krankheitsverläufe ausdrücklich nicht als Diätmethode.

Dienstag, 5. März 2013

Politik und Axiome

Eigentlich halte ich mich in Sachen Politik öffentlich zurück. Wer diesbezüglich mit mir reden möchte, kann das gerne tun. Jedoch nicht im virtuellen Raum.

Allerdings demonstriert eine aktuelle Debatte zu gut zwei Phänomene, als dass ich sie unkommentiert lassen möchte. Und zwar sind diese Phänomene einerseits Konstruktivismus und andererseits die Nichtigkeit von Worten und Logik.

Die aktuell durchs Dorf gescheuchte Sau ist die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften (lustigerweise gleichzeitig in Deutschland und in Spanien). Gerade zwei Argumente der Gegner finde ich als psychologischer Sicht hoch interessant. Die Argumente sind "dann werden weniger Kinder geboren" und "dann werden weniger normale Ehen geschlossen".

Jetzt schauen wir doch einmal, welche Ideem dahinter stecken. In den Medien finde ich oft Erklärungen a la Homophobie. Aber ich glaube, damit macht man es sich zu einfach. Hier sind mehrere Axiome als Erklärung denkbar.

Was ist ein Axiom? Ein Grundsatz einer Theorie, die nicht begründet oder bewiesen wird, sondern die Voraussetzung bildet, damit die Theorie überhaupt Sinn macht. Axiome sind per se nicht schlecht. Ein anderes Axiom ist z.B. "C", anders gesagt Einsteins Idee der konstanten Lichtgeschwindigkeit, ohne die die Ableitungen in den Relativitätstheorien keinen Sinn machen. Axiome nun, und das ist wichtig, stehen außerhalb der Logik.

Ein Axiom, das mir bei Vertretern einer bestimmten Partei immer wieder auffällt, ist zum Beispiel die Überzeugung, sexuelle Orientierung sei ansteckend. Wenn man davon ausgeht, dann machen plötzlich solche Aussagen logisch Sinn - weil sie sich aus dem Axiom ergeben. Ein anderes Beispiel, vielleicht erinnerst du dich an die Diskussionen um das Zugangserschwernisgesetz erinnern, dort fand man dasselbe Axiom hinter "wir müssen das Internet zensieren, sonst werden mehr Menschen pädophil!" (So traurig es ist, das Argument fiel wirklich.)

Rein aus wissenschaftlicher Sicht kann ich wohl mit mehr als ausreichender Sicherheit sagen, sexuelle Orientierung funktioniert so nicht. Die ist sehr stabil und nicht ansteckend. Eine heterosexuelle Person wird nicht plötzlich homosexuell, nur weil Homosexuelle plötzlich mehr Rechte haben. Umgekehrt wird ein Homosexueller nicht heterosexuell, wenn Homosexuelle weniger Rechte bekommen. Wenn überhaupt stellen sich Fragen da wenn dann nur für bisexuelle Personen, aber nun ja. Was nur geschehen kann, wäre, und was in der Vergangenheit auch immer mal wieder berichtet wurde, war, dass es zur Verleugnung der sexuellen Orientierung kommt. Was zum nächsten Axiom führt: Menschen haben entsprechende Tendenzen und sind nur durch die gesetzlichen Anreize zum gesellschaftlichem Idealverhalten zu zwingen.

Zwang hat in vergangenen Zeiten durchaus hier und da einmal funktioniert, aber zugleich enormes Leiden geschaffen. Als Psychologe könnte ich mich da dann ja zurücklehnen und sagen "mehr potentielle Klienten!", aber das ist selbst mir ein wenig zu menschenverachtend. Sehr bedenkliches Menschen- und Gesellschaftsbild. Ich würde keine Frau an meiner Seite wollen, die eigentlich lesbisch ist und nur ob äußerer Zwänge mit mir zusammen kam bzw. bleibt. Einfach (Axiomalarm meinerseits!) weil ich nicht glaube, dass unter solchen Vorzeichen sie, ich und mögliche Kinder glücklich werden würden. Umgekehrt bleibe ich heterosexuell, egal welche Vor- und Nachteile Homosexuelle haben. Das berührt mich schlicht nicht.

Das Problem nun, und deshalb verlaufen 'Diskussionen' darüber oft so skurril ab, ist, dass Axiome im Bereich des Psychischen auch unter einem anderen Namen bekannt sind: Glaubenssätze. Wenn jetzt jemand den Glauben hat, die sexuelle Orientierung sei ansteckend, dann ist das außerhalb der Logik stehend. Tatsächlich basiert die eigene Logik dann darauf. Wenn man diese Axiome nun nicht teilt, dann redet man aneinander vorbei. Das sagt letztendlich auch jener alte Lehrsatz der Logik - "contra principia negantem non est disputandum".

Glaubenssätze nun schlagen nicht nur bei kuriosen Ansätzen herein. Auch bei diversen Störungsbildern hat man es im Hintergrund oft mit dysfunktionalen Glaubenssätzen zu tun. Man denke da an den Selbstwert bei der sozialen Phobie, Kontrollüberzeugungen bei der generalisierten Angststörung, und so weiter. Auch dort werden diese Sachen in aller Regel nicht verbalisiert. Sie stehen hinter den Worten.

Und so schließt sich der Kreis zum Anfang. Was demonstrieren diese Aussagen? Einerseits konstruktivistische Ideen, dass sich jeder seine eigene Welt zusammeninterpretiert. Andererseits, dass auf die Worte an der Oberfläche nicht allzu viel gegeben werden sollte. Sicher, man kann sie herrlich logisch demontieren. Und bei kritischen gesellschaftlichen Diskussionen sollte man das auch. Auch wenn das an den Inhabern dieser Position abperlen wird, geht es da doch dann um die unbeteiligten.
Im therapeutischen Kontext jedoch zieht Logik nicht (da Axiome / Glaubenssätze außerhalb stehen), da muss man sich anderer Mittel bedienen.

Montag, 4. März 2013

Problematische positive Sekundärfolgen

Es gibt da einen Effekt, der bei diversen Krankheitsbildern zu finden ist, aber ganz besonders bei psychischen Problemen eine sehr zerstörerische Wirkung entfalten kann. Nämlich positive Aspekte einer Störung.

Damit meine ich wie auch immer geartete Vorteile, die sich aus einem Krankheitsbild ergeben. Diese können relativ objektiv positiv sein, oder auch nur rein subjektiv.

Beispiele wären unter anderem:
- Gefühl der Kontrolle bei der generalisierten Angststörung.
- Stress-Copingstrategie bei Frustessern.
- Gefahrenvermeidung bei Phobien.
- Emotionale Abgestumpftheit bei bestimmten Formen der Depression.

... und viele, viele, viele, viele mehr. Das Problem bei diesen positiven Sekundärfolgen ist, dass sie einerseits die Krankheit aufrecht erhalten, andererseits zu Rückfällen führen können. Heißt wenn man jene nicht angeht, dann gefährdet dies jeden Behandlungserfolg.

Kürzlich las ich beispielsweise von einer Phobikerin, die seit Jahren mit ihrer Phobie kämpft - und bisher war jede Therapie erfolglos. Was mir nur bei der Beschreibung sofort auffiel, war die riesige Liste an Vorteilen, die sie aufgrund der Phobie hatte (u.a. spezielle Arbeitsbedingungen, im familiären Umfeld fielen viele lästige Pflichten weg, und vieles mehr). Da sich alle Therapien, soweit dem Artikel zu entnehmen, lediglich auf die eigentliche Störung bezogen, und diese Aspekte außen vor ließen, wunderte es mich jetzt nicht so stark, dass die Therapien im Sande verliefen.

Interessant empfinde ich die Frage, inwieweit diese positiven Sekundärfolgen möglicherweise auch eine Rolle bei der Entstehung des Störungsbildes haben können. Sicherlich, wie so vieles, eine Sache des Einzelfalls. Hm.

Sonntag, 3. März 2013

Alltagsmythen: Händedrücken und Lügen + Augenkontakt

Mal kurz zwei Mythen behandelt:

1. Viele Menschen glauben, andere anhand ihres Händedrucks einschätzen zu können. Halte ich für extrem gewagt - von allen möglichen Ausdrücken der Körpersprache ist der Händedruck mit derjenige, der am stärksten der jeweiligen Sozialisation unterliegt. Er sagt generell nur sehr wenig darüber aus, wie jemand zu einem anderen steht, und quasi nichts über den Charakter - da letzterer völlig von der Sozialisation überdeckt wird.

2. Viele glauben, dass jemand, der lügt, seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen kann. Das ist ein extrem lustiger Mythos, weil er nicht nur nicht stimmt (beim Handschlag haben wir es immerhin mit sozialisationsbedingt Nullkorrelationen zu tun), sondern oft eher das Gegenteil zutrifft. Lügner schauen tendenziell mehr und direkter in die Augen.

Es gibt Anzeichen, die bewusstes Flunkern andeuten. Hier würde ich ohnehin weniger auf die Körpersprache bzw. Tonalität geben, sondern eher auf die Art, wie erzählt wird. Wie detailreich, wie spontan, wie widerspruchsfrei, und auch (das ist der zentrale Punkt) ob auf das Gedächtnis zurückgegriffen wird. Man kann nicht den gesamten Inhalt des Langzeitgedächtnisses aktiv im Verstand halten. Im Gegenteil, man muss immer wieder Informationen daraus abrufen. Dabei schauen die allermeisten Menschen weg (wobei die Richtung, in die sie schauen, anders als von manchen Strömungen postuliert wohl keine Bedeutung hat).

Jetzt kommt die Kombination zusammen, dass beim Lügen einerseits nicht auf das Gedächtnis zurückgegriffen wird (bzw. wenn dann bestenfalls als Plausibilitätscheck - die meisten Lügner sind jedoch nicht so gut), und andererseits jeder diesen Mythos kennt. Und daher erst recht ihren Blick nicht abwenden.

Sicher gibt es hier Ausnahmen von der Regel. Sehr unsichere, schlechte Lügner. Bloß die verraten sich ohnehin meist durch die schiere Qualität ihrer Geschichten. Gefährlich sind die guten Lügner. Und die wenden tendenziell beim Lügen ihren Blick weitaus seltener ab als Leute, die die Wahrheit sagen.

Samstag, 2. März 2013

Steinzeitprogrammierung I

Unser heutiges Leben hat wenig mit der Umwelt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen zu tun. Ein paar Jahrhunderte, selbst wenige Jahrtausende wäre schon übertrieben, machen keine Jahrtausende rückgängig. Unser Denken ist in überlebenswichtigen Dingen noch in einer Zeit, die längst nicht mehr besteht.

Und das zeigt sich auch bei einigen psychologischen Auffälligkeiten und Kuriositäten.

Fangen wir mit einem ganz einfachen Beispiel an: Positive vs. negative Reize. Wir reagieren unendlich stärker auf potentiell bedrohliche Informationen sofern sie Äquivalente in der Entwicklungsgeschichte haben als auf positive. Hier haben wir direkt zwei Ebenen.

Erstens das, was Seligmann als "Preparedness" beschrieb. Was heutzutage Phobien auslöst, korrespondiert kaum mit der realen Gefährlichkeit. Spinnen, Schlangen, Schmerzreize (z.B. Nadeln), Menschenmassen, enge Räumlichkeiten... all das war in der Steinzeit gefährlich. Heutzutage eher weniger. Die in Deutschland lebenden Spinnen sind zum Beispiel harmlos. Und bei den Schlangen ist selbst die Kreuzotter nicht tödlich. Bei diesen Kategorien gibt es jedoch unzählige Phobiker. Die heutigen wahren Gefahren des Alltags - nun, ich kenne wenige Leute mit einer Auto-, Zigaretten- oder Fettphobie.

Zweitens, dass unsere Aufmerksamkeit wesentlich stärker auf negative Reize reagiert. Ganz generell. Das ist auch relativ einfach zu erklären: Übersahen unsere Vorfahren ein paar leckere Beeren, war das nicht unmittelbar lebensgefährlich. Übersahen sie hingegen ein paar jagende Bären, nun ja. Man kann das auch heutzutage im Alltag gut beobachten! Die Medien bombardieren uns nicht aufgrund einer wie auch immer gearteten FUD-Kampagne mit schlechten Nachrichten, sondern weil jene die beste Quote bringen. Genauso werden etwaige Widrigkeiten von manchen Menschen (zum Glück nicht von allen!), die sie selbst betreffen, völlig skurril verzerrt wahrgenommen. Da gab es wirklich ein paar Szenen, die ich nie vergessen werde. Was das ganze Konzept wiederum bestätigt. Ein Teufelskreis.

Auch in Sachen Konditionierungen sieht man dies wieder. Wie mal zum Thema Weihnachten und Symbole geschrieben, lassen sich durchaus auch positive Konditionierungen erreichen - also Verknüpfungen, durch die wir uns besser fühlen, wenn sie ausgelöst werden. Nur die benötigen in der Regel viel mehr Darbietungen und mehr Kraft, um sich auszubilden, als negative. Die gehen teils echt flott.

Und warum das alles? Weil die Frühgeschichte des Menschen kein sonderlich toller Ort war. Sondern im Gegenteil ziemlich gefährlich. Die ganzen Komplexe im Bereich Phobien, Stress, Burnout beruhen dort stark mit drauf. Damals waren die Gefahren in aller Regel unmittelbarer und körperlicher Natur, und darauf sind wir ausgelegt. Für eher mentale Angriffspunkte (wie z.B. chronischer Stress auf der Arbeit) sind wir nicht ausgelegt - da wird das Programm zur körperlichen Gefahrenabwehr abgespielt, was dann erstens dysfunktional ist, und zweitens bei dauerhafter Aktivierung schnell krank machen kann.

Wir mögen die Steinzeit verlassen haben, aber die Steinzeit hat nicht uns verlassen.

Freitag, 1. März 2013

Hagen

Ich möchte einmal Hagen auf zwei mögliche Arten und Weisen beschreiben. Zum Hintergrund, Hagen ist nicht nur die "Stadt der FernUniversität", sondern auch meine Heimat.

Variante 1:
Hagen ist eine sehr facettenreiche Stadt! Sie liegt zwischen den Metropolen des Ruhrgebiets und dem ländlichen Sauerland, und hat dabei ihren ganz eigenen Charme. Durch die Nähe zum Sauerland ist überall der Horizont von bewaldeten Bergen umgeben. Im Frühling und Sommer sieht man so immer Grün, im Herbst eine Farbenpracht aus Gold und Braun, und im Winter zuckerige Schneehöhen, von denen sich Nebel den Wolken entgegenstreckt.
Binnen Minuten lassen sich viele große Städte erreichen - Dortmund, Bochum, Wuppertal, und viele mehr. Zur anderen Seite hin verträumte Landschaften, hoch im Sauerland, dem "Land der tausend Berge"; mit kleinen Städtchen, Flüssen und Seen.
Auch Hagen selbst ist eine sehr vielgesichtige Stadt. Jeder der Stadtteile hat sein eigenes Flair - manche eher ländlich und altertümlich, andere moderner. Kulturell gibt es neben Kino, Theater auch ganz unterschiedliche Museen, einschließlich eines Freilichtmuseums. In der Innenstadt findet sich eine durchaus beachtliche Fußgängerzone mit vielen verschiedenen Geschäften. Und am Rande unterschiedlichste Restaurants, von Exoten bis Steakhäuser, da ist für jeden etwas dabei.

Variante 2:
Hagen ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Abends werden die Bürgersteige hochgeklappt. Immerhin kommt man schnell von hier weg und die Mieten sind recht günstig. Das ist doch etwas!

Frage:
Was sagt die Darstellung über den aus, der sie vorträgt?

Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Sachebene nicht alles ist. Mal von Körpersprache, Tonalität und co abgesehen, subkommunizieren die beiden Darstellungen hier auch eine Menge über die Person, die es vorträgt.