Sonntag, 3. März 2013

Alltagsmythen: Händedrücken und Lügen + Augenkontakt

Mal kurz zwei Mythen behandelt:

1. Viele Menschen glauben, andere anhand ihres Händedrucks einschätzen zu können. Halte ich für extrem gewagt - von allen möglichen Ausdrücken der Körpersprache ist der Händedruck mit derjenige, der am stärksten der jeweiligen Sozialisation unterliegt. Er sagt generell nur sehr wenig darüber aus, wie jemand zu einem anderen steht, und quasi nichts über den Charakter - da letzterer völlig von der Sozialisation überdeckt wird.

2. Viele glauben, dass jemand, der lügt, seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen kann. Das ist ein extrem lustiger Mythos, weil er nicht nur nicht stimmt (beim Handschlag haben wir es immerhin mit sozialisationsbedingt Nullkorrelationen zu tun), sondern oft eher das Gegenteil zutrifft. Lügner schauen tendenziell mehr und direkter in die Augen.

Es gibt Anzeichen, die bewusstes Flunkern andeuten. Hier würde ich ohnehin weniger auf die Körpersprache bzw. Tonalität geben, sondern eher auf die Art, wie erzählt wird. Wie detailreich, wie spontan, wie widerspruchsfrei, und auch (das ist der zentrale Punkt) ob auf das Gedächtnis zurückgegriffen wird. Man kann nicht den gesamten Inhalt des Langzeitgedächtnisses aktiv im Verstand halten. Im Gegenteil, man muss immer wieder Informationen daraus abrufen. Dabei schauen die allermeisten Menschen weg (wobei die Richtung, in die sie schauen, anders als von manchen Strömungen postuliert wohl keine Bedeutung hat).

Jetzt kommt die Kombination zusammen, dass beim Lügen einerseits nicht auf das Gedächtnis zurückgegriffen wird (bzw. wenn dann bestenfalls als Plausibilitätscheck - die meisten Lügner sind jedoch nicht so gut), und andererseits jeder diesen Mythos kennt. Und daher erst recht ihren Blick nicht abwenden.

Sicher gibt es hier Ausnahmen von der Regel. Sehr unsichere, schlechte Lügner. Bloß die verraten sich ohnehin meist durch die schiere Qualität ihrer Geschichten. Gefährlich sind die guten Lügner. Und die wenden tendenziell beim Lügen ihren Blick weitaus seltener ab als Leute, die die Wahrheit sagen.

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