Montag, 18. März 2013

Den Rahmen verkleinern!

Ich habe ja doch ein wenig über Rahmen geschrieben (1, 2, 3, 4). Kürzlich ergab sich ein schönes Beispiel, wo sich das ganze in der psychologischen Praxis fand.

Fangen wir am Anfang an: Jemand hat bemerkt, dass ich doch im letzten Jahr ordentlich abgenommen hatte, und ob ich da ein paar Ratschläge hätte. Mal von einer Reihe von mehr oder weniger psychologischen Tricks abgesehen (aus denen ich sicher irgendwann einen Blogpost machen werde, wenn mir nichts anderes einfällt), fiel mir ziemlich am Anfang ein Glaubenssatz / Rahmen auf.

Nämlich die Aussage "ich weiß - man kann entweder so viel essen, wie man will. Oder essen, was man will. Nur beides gleichzeitig geht nicht!"

Lasst mich die Relativität von Wahrheit demonstrieren!

Diese Aussage ist aus einem bestimmten Blickwinkel absolut wahr. In Sachen Gewicht geht es letztendlich nur um die Frage, wie viel Energie (lies Kalorien, Joule, WW-Punkte, wie auch immer man sie messen will) man zu sich nimmt, und wie viel man verbraucht. Liegt die Zunahme über den Verbrauch, nimmt man zu. Nimmt die Zunahme unter dem Verbrauch, nimmt man ab. Rein mathematisch ist die Aussage also absolut wahr.

Wenn man die Aussage als wahr annimmt, ergibt sich daraus die Aussage. Welche sich wiederum übersetzt zu "entweder ich esse Zeug, das mir nicht schmeckt, werde aber satt - oder ich esse, was mir schmeckt, werde dafür nicht satt". Hier begibt man sich in einen Kampf mit sich selbst. Das ist dysfunktional. Dieser Rahmen, so korrekt er auch rein mathematisch betrachtet sein mag, muss weg.

Ich sah zwei Angriffspunkte. Hinweis noch, "will" war ein persönliches Trancewort.

Erstens, und am wichtigsten, die Vorstellung "essen, was man will". Da boten sich direkt mehrere geistige Anstubser an:
- "Willst du wirklich essen, was dich langfristig körperlich und geistig belastet? Möchtest du nicht viel lieber essen, was dir langfristig körperlich und geistig gut tut?"
- "Warum hast du bisher gegessen, was du glaubst zu wollen, obwohl du es eigentlich nicht willst?"
- "Willst du nicht eher essen, was schmeckt, und was dich in sechs Monaten, in sechs Jahren zurückblicken lässt voller Wohlbefinden? Ist es nicht das, was du eigentlich willst?"
- "Hat es dich bisher glücklich gemacht, zu essen, was deiner Gewohnheit entspricht? Willst du nicht lieber das essen, was dich glücklich macht?"

Zweitens die Vorstellung "so viel essen, wie man will". Auch da gab es einige geistiger Anstubser:
- "Isst du, so viel du willst - oder isst du bisher mehr, als du willst?"
- "Isst du, weil du hungrig bist - oder, um deine Stimmung aufzuhellen?"
- "Was außer zu essen kannst du tun, um deine Stimmung aufzuhellen?"
- "Wann isst du, obwohl du nicht hungrig bist?"
- "Weshalb möchtest du mehr essen, als du willst?"
- "Warum willst du dir keine Zeit nehmen, mit Genuss zu essen?"
- "Willst du nicht nur so viel essen, wie dein Körper an Hunger empfindet?"

Die Begegnung liegt nun gut drei Monate zurück - und, wie ich erfuhr, auch gute fünfzehn Kilos (weiter fallend). Da es zwischen Tür und Angel war, hatte ich nicht einmal Zeit gehabt, die kleineren psychologischen Tricks zu erklären. Die wurden überwiegend schon automatisch dadurch angewendet, indem der ursprüngliche Rahmen völlig umgekrempelt worden ist.

Allerdings muss man hier auch sagen: Es funktionierte aus zwei Gründen. Erstens weil die Person einen Wunsch hatte, abzunehmen (obschon sämtliche bisherigen Versuche gescheitert sind), denn ansonsten hätte der Alternativrahmen nicht greifen können. Und zweitens, weil ich genau diesen speziellen Rahmen angriff - und das teils mit den persönlichen Tranceworten. Ist der Rahmen ein anderer, sind die Tranceworte andere, kann das völlig ins Leere laufen. Auf der konkreten Ebene ist das kein Allgemeinrezept. Auf der abstrakten Ebene hingegen findet sich eins - Rahmenmanipulation.

Ironischerweise führte dann der veränderte Rahmen auch dazu, dass der ursprüngliche Rahmen doppelt erfüllt wurde - indem weniger und gesünder gegessen wurde. Nur das durch eine Leichtigkeit, keinen Kampf gegen sich selbst. Denn ob letzterer erfolgreich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.

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