Freitag, 29. März 2013

Eine Ostergeschichte

Es war einmal ein Osterhase. Ein neues Osterfest stand an, aber dieses Osterfest war nicht wie die vorigen Osterfeste.

Der Hase schnallte sich seinen Korb um, legte seine Eier darein. Alle farbig - manche grün und blau gestreift, andere rot, andere gelb mit violetten Sternchen. Er schaute sich um, aber er sah keine Wiese. Sondern so etwas wie ein Strand, wie eine Wüste. Alles weiß und hell, aber nicht grün! Was war geschehen?

Der Hase wusste es nicht. Er hatte den Winter im Schlaf verbracht. Nun sollte es Frühling sein, aber es war kein Frühling. Er schaute sich um, sah die anderen Osterhasen, die ebenso verwirrt vor der weißen Fläche standen. Und er wusste, er musste die Eier wegbringen. Denn ohne die Eier würde es kein Osterfest geben. Die anderen Osterhasen zögerten, er selbst zögerte. Berührte diese komische weiße Fläche, aber sie war nicht sandig, sondern nass und kühl, ganz ungewohnt! Vielleicht am nächsten vergleichbar mit einer Wiese nach einem Herbstschauer. Aber es war kein Herbst. Es war auch kein Frühling. Der Hase tappste umher, wusste nicht, was er tun sollte.

Ein Dachs trottete vorbei, und warf einen Blick zu den Hasen hinüber. Er sagte "es ist nur Schnee, ihr könnt einfach hindurchgehen". Es wird vielleicht anders ein als ein Gang durch Gras, aber ihr werdet durch gehen können. Es ist kein Problem, es ist nur Schnee, nur ungewohnt.

Die anderen Hasen zögerten, und auch unser Osterhase schaute den Schnee an. Ging einen Schritt vor, berührte ihn, und wich wieder zurück. Und schaute sich um? Sollte Ostern dieses Jahr ausfallen? Was kann denn schon Schnee dafür, dass er liegt? Warum soll Schnee Ostern verhindern?

Er hoppelte ein paar Schritte zurück, dachte, "ich habe das schon so oft getan. Bin zu Ostern losgelaufen, um der Welt mit meinen Ostereiern ein Geschenk zu bringen, und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Um das zu tun, was ich tun will. Warum soll ich mich von ein paar Schneeflocken, was auch immer das sein mag, abhalten lassen? Also nahm er anlauf, hoppelte vor und vor und vor, und sprang - soweit er springen konnte. Sehr weit, mitten in den Schnee hinein. Er versank mit seinen Beinchen darin, musste sich losrappeln, den Schnee ein wenig abschütteln. Aber er hatte es geschafft. Er stand, im Schnee. Er hoppelte los, und hoppelte, und hoppelte, immer weiter, nun wo er einmal den Entschluss gefasst hatte, weiter und weiter.

Dann kam er irgendwann an einen Wald. Auch der Wald sah anders aus. Nicht mehr lichtdurchflutet und hell mit frischen Knospen, sondern bedeckt unter einer weißen Decke und Dunkelheit darunter. Und wieder zögerte der Osterhase. Wie konnte er da durchgehen? Er sah fast nichts!

Irgendwo unter dem Blätterdach rief eine Eule. "Es ist nur Schnee! Diesmal sogar über dir! Du kannst einfach durch die Dunkelheit laufen. Es ist wie der Tag, nur die Sicht ist eine andere. Aber nur weil die Sicht eine andere ist, bist du immer noch der Osterhase."
Und der Osterhase verstand. Es wird Zeit, weiterzugehen, die Eier abzuliefern. Und so fasste sich der Osterhase ein Herz, sprang hinein in die Dunkelheit. Und er sah, dass er fast nichts sah. Aber er sah genug. Genug um seinen Weg durch den Wald zu finden.

Und als er am Ende des Waldes ankam, sah er eine Straße. Aber diese Straße sah aus wie immer, denn dort war der Schnee weggeräumt worden. Dafür lagen dort so etwas wie kleine Kieselchen auf der Straße, auf dem Weg. Und nun dachte der Osterhase "ich bin durch den Schnee gegangen, ich bin durch die Dunkelheit gegangen, was können mir ein paar Kieselchen jetzt noch anhaben?"
Und er nahm Anlauf, und sprang, und hoppelte ganz schnell über die Straße. Hin zu dem Garten, dem er die Ostereier brachte. Aber dort nun, dort erst offenbarte sich das richtig große Problem!

Denn wie sollte er da die Eier verstecken? Sie waren bunt, und normalerweise, in einem normalen Frühling, ist alles bunt. Blüten von ganz verschiedenen Blumen und Hecken und Sträuchern! Aber dieses mal war alles weiß. Seine Eier aber waren bunt. "Wie kann man etwas Buntes auf etwas Weißem verstecken", fragte sich der Hase. Bis er merkte, "hm, Eier sind nicht immer bunt. Es gibt auch Eier, die sind weiß", und er überlegte eine Weile. Wenn es Eier gibt, die auch weiß sind, die könnte man auch im weißen Untergrund verstecken, ganz heimlich, unbemerkt, schwer zu finden - eine richtige Herausforderung!

Aber dann wurde dem Osterhasen bewusst, es ging nicht zu Ostern darum etwas so sehr zu verstecken, dass man es niemand finden könnte. Sondern es geht darum, die Freude zu erleben, wenn man etwas gefunden hat, von dem man vorher gar nicht wusste, dass es da sein würde. Also nahm er die Eier, versteckte sie hier mal an einem Baum, dort unter einem Strauch, und da in einer Erdkuhle. Und er streute nur ein wenig Schnee darüber, dass immer noch etwas Farbe durchschimmerte.

Beim Anblick der Eier, winzige farbige Sprenkler im Weiß, lächelte der Hase und dachte sich "ob Sonne oder Schnee, Ostern kann kommen, denn Ostern ist ein Fest das gefeiert werden sollte! Und auch wenn der Winter lang und gewesen sein mag, und auch wenn immer noch Schnee fällt, es ist Ostern, es ist Frühling, es ist Zeit diese Zeit zu genießen!"

Mit diesen Gedanken wusste der Hase, er hat etwas von diesem Osterfest mitgenommen, was ihn fortan auf allen Osterfesten begleiten wird. Also warf er noch einen Blick über den Garten und hoppelte zurück. Und sah, als er wieder ankam, dass die anderen Osterhasen immer noch nicht den Sprung in den Schnee gewagt hatten.
Aber als sie ihn sahen, wussten sie, der Schnee kann sie nicht schrecken. Der dunkle Wald am Horizont kann sie nicht schrecken. Es ist Zeit, loszuhoppeln. Und das taten sie! Inspiriert durch unseren Osterhasen, der zuerst den Sprung gewagt hatte.
So hoppelten die Osterhasen los, und brachten das Osterfest zu den Menschen, selbst an diesem komplett verschneiten Ostertag. Und trotz Schnee wurde es am Ende ein wunderschönes Ostern.

Ein frohes Fest wünche ich!

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