Sonntag, 10. März 2013

Noch mehr zu Placebos

Befunde zu Placebos füllen ganze Bücher. Daher kann ich nicht alles, was man bisher dazu weiß, hier niederschreiben. Erst einmal eine kleine Wiederholung:

Darauf kommt dann noch der Placeboeffekt. Den sollte man nicht kleinreden. Tatsächlich glaube ich, man könnte bei leichten bis mittelschweren Krankheiten gut unterstützen, wenn man diesen regelmäßig auslösen würde. Der Placeboeffekt ist eine muntere Mischung aus klassischen und operanten Konditionierungen, Suggestionen, selektiver Wahrnehmung, direkte Verhaltensmodifikation (= z.B. geregelter Tagesablauf, regelmäßiges Trinken, etc), indirekte Verhaltensmodifikation (= z.B. Patient nimmt Präparat, glaubt sich besser zu fühlen, unternimmt mehr, und das Mehr an Unternehmungen verbessert seinen Zustand), sozialer Interaktion, und einiges mehr. Wie auch die natürliche Heilung hängt der Placeboeffekt stark vom Krankheitsbild ab, wie gut er hilft.

Übrigens fürs Protokoll: Da ein Großteil des Placeboeffekts wieder auf unseren Freund Pawlow (richtig, der mit den sabbernden Hunden) zurückgeführt werden kann, findet sich jener selbstverständlich auch bei Kleinkindern und Tieren. Placebos wirken sogar bedingt durch einige der Faktoren, wenn der Patient weiß, dass ein Placebo verabreicht wird!

Das ganze sagte einiges über die Wirkmechanismen aus; nicht jedoch, wann Placebos wirken. Ganz generell kann man sagen, dass sie einen positiven Einfluss haben auf das subjektive Wohlbefinden. Das subjektive Wohlbefinden ist nicht immer identisch mit dem objektiven Wohlbefinden, wohl gemerkt. Dies macht Placebos auch so verführerisch - selbst wenn sie objektiv gar nichts bringen, subjektiv fühlen sich die Leute dann doch besser.

Das ist eigentlich sogar ziemlich gut. So lange man mögliche wirksame Behandlungen deshalb nicht vernachlässigt.

Da ich gern extreme Beispiele nutze, treiben wir es mal wieder auf die Spitze: Schmerzen lassen sich per Hypnose 'ausblenden' - dadurch funktionieren die Zahnbehandlungen unter Hypnose. Aber Hypnose behebt nie den organischen Grund für den Schmerz. Bei einer Zahnbehandlung ist das offensichtlich, woher der gerade kommt. Wenn jedoch anderer Schmerz die Ursache ist, nun, die Handhabe unter entsprechenden Therapeuten ist nicht grundlos "Schmerzpatienten erst ab zum Mediziner, keine Ausnahme!" - aus reiner Vorsicht, damit keine gefährliche körperliche Ursache übersehen wird. Schmerz ist in erster Linie ein Warnsignal.

Weiterhin wirken sich Placebos direkt und indirekt positiv auf alles aus, was in Richtung Stress und Angst geht. Da Stress ein wichtiger Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer ganzen Reihe von Erkrankungen ist, ist das ebenfalls ein durchaus sehr positiver Faktor. Wobei dies natürlich auch mit dem Bereich des subjektiven Wohlbefindens interkorreliert.

Gerade weil Stress nun oft mit drin hängt, findet man auch bei sehr vielen Beschwerden einen Placeboeffekt. Man findet meist nur keinen Placeboeffekt, wenn es in den lebensbedrohenden Bereich geht. Abgesehen davon sind Placebos sehr mächtig - und das ist aus psychologischer Sicht sehr interessant. Man vergleiche da auch mal den Hawthorne-Effekt.

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