Dienstag, 5. März 2013

Politik und Axiome

Eigentlich halte ich mich in Sachen Politik öffentlich zurück. Wer diesbezüglich mit mir reden möchte, kann das gerne tun. Jedoch nicht im virtuellen Raum.

Allerdings demonstriert eine aktuelle Debatte zu gut zwei Phänomene, als dass ich sie unkommentiert lassen möchte. Und zwar sind diese Phänomene einerseits Konstruktivismus und andererseits die Nichtigkeit von Worten und Logik.

Die aktuell durchs Dorf gescheuchte Sau ist die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften (lustigerweise gleichzeitig in Deutschland und in Spanien). Gerade zwei Argumente der Gegner finde ich als psychologischer Sicht hoch interessant. Die Argumente sind "dann werden weniger Kinder geboren" und "dann werden weniger normale Ehen geschlossen".

Jetzt schauen wir doch einmal, welche Ideem dahinter stecken. In den Medien finde ich oft Erklärungen a la Homophobie. Aber ich glaube, damit macht man es sich zu einfach. Hier sind mehrere Axiome als Erklärung denkbar.

Was ist ein Axiom? Ein Grundsatz einer Theorie, die nicht begründet oder bewiesen wird, sondern die Voraussetzung bildet, damit die Theorie überhaupt Sinn macht. Axiome sind per se nicht schlecht. Ein anderes Axiom ist z.B. "C", anders gesagt Einsteins Idee der konstanten Lichtgeschwindigkeit, ohne die die Ableitungen in den Relativitätstheorien keinen Sinn machen. Axiome nun, und das ist wichtig, stehen außerhalb der Logik.

Ein Axiom, das mir bei Vertretern einer bestimmten Partei immer wieder auffällt, ist zum Beispiel die Überzeugung, sexuelle Orientierung sei ansteckend. Wenn man davon ausgeht, dann machen plötzlich solche Aussagen logisch Sinn - weil sie sich aus dem Axiom ergeben. Ein anderes Beispiel, vielleicht erinnerst du dich an die Diskussionen um das Zugangserschwernisgesetz erinnern, dort fand man dasselbe Axiom hinter "wir müssen das Internet zensieren, sonst werden mehr Menschen pädophil!" (So traurig es ist, das Argument fiel wirklich.)

Rein aus wissenschaftlicher Sicht kann ich wohl mit mehr als ausreichender Sicherheit sagen, sexuelle Orientierung funktioniert so nicht. Die ist sehr stabil und nicht ansteckend. Eine heterosexuelle Person wird nicht plötzlich homosexuell, nur weil Homosexuelle plötzlich mehr Rechte haben. Umgekehrt wird ein Homosexueller nicht heterosexuell, wenn Homosexuelle weniger Rechte bekommen. Wenn überhaupt stellen sich Fragen da wenn dann nur für bisexuelle Personen, aber nun ja. Was nur geschehen kann, wäre, und was in der Vergangenheit auch immer mal wieder berichtet wurde, war, dass es zur Verleugnung der sexuellen Orientierung kommt. Was zum nächsten Axiom führt: Menschen haben entsprechende Tendenzen und sind nur durch die gesetzlichen Anreize zum gesellschaftlichem Idealverhalten zu zwingen.

Zwang hat in vergangenen Zeiten durchaus hier und da einmal funktioniert, aber zugleich enormes Leiden geschaffen. Als Psychologe könnte ich mich da dann ja zurücklehnen und sagen "mehr potentielle Klienten!", aber das ist selbst mir ein wenig zu menschenverachtend. Sehr bedenkliches Menschen- und Gesellschaftsbild. Ich würde keine Frau an meiner Seite wollen, die eigentlich lesbisch ist und nur ob äußerer Zwänge mit mir zusammen kam bzw. bleibt. Einfach (Axiomalarm meinerseits!) weil ich nicht glaube, dass unter solchen Vorzeichen sie, ich und mögliche Kinder glücklich werden würden. Umgekehrt bleibe ich heterosexuell, egal welche Vor- und Nachteile Homosexuelle haben. Das berührt mich schlicht nicht.

Das Problem nun, und deshalb verlaufen 'Diskussionen' darüber oft so skurril ab, ist, dass Axiome im Bereich des Psychischen auch unter einem anderen Namen bekannt sind: Glaubenssätze. Wenn jetzt jemand den Glauben hat, die sexuelle Orientierung sei ansteckend, dann ist das außerhalb der Logik stehend. Tatsächlich basiert die eigene Logik dann darauf. Wenn man diese Axiome nun nicht teilt, dann redet man aneinander vorbei. Das sagt letztendlich auch jener alte Lehrsatz der Logik - "contra principia negantem non est disputandum".

Glaubenssätze nun schlagen nicht nur bei kuriosen Ansätzen herein. Auch bei diversen Störungsbildern hat man es im Hintergrund oft mit dysfunktionalen Glaubenssätzen zu tun. Man denke da an den Selbstwert bei der sozialen Phobie, Kontrollüberzeugungen bei der generalisierten Angststörung, und so weiter. Auch dort werden diese Sachen in aller Regel nicht verbalisiert. Sie stehen hinter den Worten.

Und so schließt sich der Kreis zum Anfang. Was demonstrieren diese Aussagen? Einerseits konstruktivistische Ideen, dass sich jeder seine eigene Welt zusammeninterpretiert. Andererseits, dass auf die Worte an der Oberfläche nicht allzu viel gegeben werden sollte. Sicher, man kann sie herrlich logisch demontieren. Und bei kritischen gesellschaftlichen Diskussionen sollte man das auch. Auch wenn das an den Inhabern dieser Position abperlen wird, geht es da doch dann um die unbeteiligten.
Im therapeutischen Kontext jedoch zieht Logik nicht (da Axiome / Glaubenssätze außerhalb stehen), da muss man sich anderer Mittel bedienen.

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