Montag, 4. März 2013

Problematische positive Sekundärfolgen

Es gibt da einen Effekt, der bei diversen Krankheitsbildern zu finden ist, aber ganz besonders bei psychischen Problemen eine sehr zerstörerische Wirkung entfalten kann. Nämlich positive Aspekte einer Störung.

Damit meine ich wie auch immer geartete Vorteile, die sich aus einem Krankheitsbild ergeben. Diese können relativ objektiv positiv sein, oder auch nur rein subjektiv.

Beispiele wären unter anderem:
- Gefühl der Kontrolle bei der generalisierten Angststörung.
- Stress-Copingstrategie bei Frustessern.
- Gefahrenvermeidung bei Phobien.
- Emotionale Abgestumpftheit bei bestimmten Formen der Depression.

... und viele, viele, viele, viele mehr. Das Problem bei diesen positiven Sekundärfolgen ist, dass sie einerseits die Krankheit aufrecht erhalten, andererseits zu Rückfällen führen können. Heißt wenn man jene nicht angeht, dann gefährdet dies jeden Behandlungserfolg.

Kürzlich las ich beispielsweise von einer Phobikerin, die seit Jahren mit ihrer Phobie kämpft - und bisher war jede Therapie erfolglos. Was mir nur bei der Beschreibung sofort auffiel, war die riesige Liste an Vorteilen, die sie aufgrund der Phobie hatte (u.a. spezielle Arbeitsbedingungen, im familiären Umfeld fielen viele lästige Pflichten weg, und vieles mehr). Da sich alle Therapien, soweit dem Artikel zu entnehmen, lediglich auf die eigentliche Störung bezogen, und diese Aspekte außen vor ließen, wunderte es mich jetzt nicht so stark, dass die Therapien im Sande verliefen.

Interessant empfinde ich die Frage, inwieweit diese positiven Sekundärfolgen möglicherweise auch eine Rolle bei der Entstehung des Störungsbildes haben können. Sicherlich, wie so vieles, eine Sache des Einzelfalls. Hm.

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