Donnerstag, 14. März 2013

United States of Psychology

In der Psychologie unterscheidet man Traits und States.

Traits sind ziemlich stabile Charaktereigenschaften. States der aktuelle Zustand.

Beispiel: Prüfungsängstlichkeit beschreibt, wie ängstlich jemand generell vor Prüfungen ist. Das ist ein Trait. Wenn jemand gerade aktuell Angst vor einer Prüfung hat, der befindet sich im entsprechenden State.

Im Alltag, und auch in der Psychologie, beschäftigen wir uns immer gerne mit Traits. Die sind so... definierend. Und ja, teilweise leiten sich die States auch daraus ab. Aber nicht nur. Tatsächlich halte ich States für extrem wichtig.

Warum?

Man denke an das kontextabhängige Lernen. Auch States sind ein entsprechender Kontext. Man denke an Gedächtnisprozesse - zustandskongruente Erinnerungen werden besser erinnert, inkongruente schlechter. (Lies bist du glücklich, erinnerst du dich leichter und mehr an glückliche Erinnerungen und schwerer und weniger an unglückliche.)
Aber das wichtigste ist: States bestimmen, welche Entscheidung man trifft. Bemerke bitte das Wort "bestimmt". Nicht "beeinflusst". Das Verhalten ist immer kongruent zum State. Entscheidungen sind kongruent zum State. Daher gibt es direkt zwei Fallgruben.

Einerseits muss zu einer Verhaltensänderung erst eine Stateänderung herbeigeführt werden. Gerade bei psychologischen Auffälligkeiten sehr wichtig - weil sonst jeder gute Rat apperlt und man nichts erreicht.

Andererseits sind Entscheidungen in sehr negativen States extrem gefährlich. Ich kenne genug Fälle, wo Leute eine Entscheidung in einem negativen State getroffen haben, und dadurch erst so richtig abgestürzt sind. Diese alte Bauernweisheit von wegen nichts überstürzen und bei klarem Kopf entscheiden? Sie ist korrekt. Der schnellste Weg in eine Depression und das eigene Leben völlig vor die Wand zu fahren, ist eine wichtige Entscheidung in einem aufgewühlten, negativen State zu treffen.

Ich habe das schon öfter gesehen als mir lieb ist. Und das schlimme ist, dass zu diesen Entscheidungen dann, so ganz nach dem Kontingenzprinzip, gestanden wird. Manchmal zumindest besteht die Chance, begangene Fehler zu korrigieren. Jedoch nicht immer.

Daher empfehle ich zwei Sachen mitzunehmen:
1. Keine (wichtigen) Entscheidungen in einem negativen State treffen.
2. Sich des eigenen States, und dem seiner Umgebung, bewusst werden.

Das gibt einen die Macht, selbstbestimmt zu entscheiden - und nicht von eigenen States am Nasenring entlanggezogen zu werden.

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