Montag, 8. April 2013

Aufmerksamkeit und Realität

Manchmal ist es ganz interessant, mit psychisch etwas... auffälligeren Personen zu tun zu haben. Stell dir vor, du sitzt mit so jemanden an einem Tisch, und am Ende des Gesprächs steht ihr auf, und du weist darauf hin, dass derjenige seinen Schlüssel auf dem Tisch vergessen hat.

"Da stand kein Tisch!"

Okay. Cool. Irgendwie lustig. Und irgendwie auch nicht. Denn fast alle psychologischen Phänomene benötigen Aufmerksamkeit. Ohne Aufmerksamkeit, kein Zugang zum Kurzzeitgedächtnis, keine bewusste Wahrnehmung, kein soziales Lernen; selbst ankonditionierte Schreckreaktionen funktionieren nicht, wenn man den Reiz nicht wahrnimmt. Aufmerksamkeit ist wichtig. Die konstruiert unsere Realität.

Ich bin mir der Ironie bewusst. So etwas wie da oben habe ich selbst einmal gebracht. Es war ein Seminar im Sommer, und danach beschwerte sich eine Teilnehmerin über eine andere Teilnehmerin, weil jene kleidungstechnisch ihrem Empfinden nach unangemessen tiefe Einblicke gewährte. Ich hatte es nicht einmal mitbekommen. Da meine Aufmerksamkeit bei Seminaren woanders liegt, ist mir das völlig entgangen - so ähnlich, wie beim obigen Klienten der Tisch nicht existierte.

Was man wohl sonst noch so verpasst? Wie plastisch die Realität doch sein kann!

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