Freitag, 5. April 2013

Die Osterhasengeschichte auseinandergenommen I

Mich erreichten doch einige Nachfragen, was es denn mit meiner Osterhasengeschichte auf sich hat. Dazu komme ich in einem anderen Beitrag.

Heute möchte ich über McClelland sprechen. McClelland (ich glaube, so hieß er) führte eine Studie durch, in der populäre Kindermedien untersucht worden sind nach den dort dargestellten motivationalen und emotionalen Werten und Strukturen. Er fand dabei, dass jene mit der Entwicklung der Volkswirtschaft entsprechend verzögert korrelierten.

Das ist jetzt so ein Ergebnis vom Typ "Hammer gegen Kopf". Ich erinnere auch an das Schmankerl.

Die Sache ist: Bei Medien aller Art greifen eine ganze Reihe von Lerneffekten. Nur nicht unbedingt jene, von welchem die üblichen verschrobenen Weltverbesserer ausgehen (ich beziehe mich hier auf die "Killerspieldebatten").
Sie bieten Schablonen an, im Umgang mit Emotionen, mit Motivationen. Denke an Märchen. Grimms Märchen zum Beispiel - die teils ziemlich grimm sind. Aber warum sind sie das? Sie erlauben eine symbolhafte Auseinandersetzung mit emotionalen und motivationalen Herausforderungen. Entsprechend kritisch sehe ich persönlich diese Reinwaschtendenzen, welche Märchen ihren Zahn ziehen. Oder Medien vom Typ Berieselung, die nicht einmal einen irgendwie gearteten Zahn haben.

Ich habe kürzlich über die zwei Welten, in denen sich unser Verstand bewegt, philosophiert. Der Objektebene und der Symbolebene. Bedenkt man dies, erklärt sich auch der Befund McClellands. Man kann dieselbe Beobachtung unter ganz unterschiedlichen emotionalen und motivationalen Gesichtspunkten schildern.

Nehmen wir einmal Zugvögel: Aufbrechen zu besseren Orten, Wagnis des Flugs auf sich nehmen vs. Fortfliegen vom Winter und seinen Herausforderungen.

Im Laufe der Zeit sind bei einer Kohorte, und das fand McClelland, bestimmte Muster dominant. Diese beeinflussen wiederum Jahrzehnte später die ganze Volkswirtschaft. Warum? Wieso können solche Details - Kindersendungen, Märchen, Geschichten, eine solche Macht ausüben?

Weil sie ihre Strukturen am Wachverstand vorbei schleusen. Das ganz besonders bei Kindern, wo der Wachverstand nicht einmal bei grob problematischen Strukturen anspringt.

Bei Erwachsenen ist es etwas komplexer. In erster Linie bevorzugen Erwachsene in ihren Geschichten (Bücher, Filme, Serien, etc) jene, die ihren inneren Strukturen entsprechen, entsprechend verstärkend wirken. Weiterhin treffen dort die Strukturen schon auf stark ausgeprägte vorhandene Strukturen, was ihre Hebelwirkung verkleinern kann, und sie daher passgenauer was noch vorhandene Ansatzpunkte sein müssen.

Übrigens auch eine tolle Möglichkeit, mehr über sich und über andere herauszufinden. Was sind Lieblingsbücher, Lieblingsfilme, Lieblingsserien? Wie sieht die symbolische Struktur darin aus?

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