Montag, 29. April 2013

Und dein IQ ist...?

Manchmal wünschte ich, ich hätte mehr Zeit. Intelligenz jedoch, ich möchte es so formulieren: Darüber nur halbwegs umfassend zu sprechen würde Dutzende Seiten brauchen. Seltsam, nicht wahr? Scheint doch so eine klare Sache zu sein. Ist es aber nicht.

Daher möchte ich nur einmal aufzeigen, was für Probleme es schon mit IQ-Tests gibt. Auch das nur in Ausschnitten. Das nötige Grundwissen dazu erst einmal, IQ-Tests gehen davon aus, dass Intelligenz normalverteilt ist (also dieses umgedrehte U). Deren Mittelwert wird auf 100 gesetzt. Dieser ist schon einmal alters- und kohortenabhängig. Bei selber Testleistung wird ein 7jähriger anders gewertet als ein 9jähriger. Ebenso liegt der Mittelwert bei heutigen 7jährigen woanders als bei 7jährigen vor vierzig Jahren. IQ ist kein natürliches Maß, sondern eine Rangreihe. 100 heißt dabei, man ist genau in der Mitte.

- Die Messung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Ländern. Zum Zeitpunkt meines Studiums beispielsweise war es so, dass in den USA die Standardabweichung auf 25 gesetzt wurde, in Deutschland hingegen auf 15. Heißt ein IQ von 130 in Deutschland entspricht einem von 150 in den USA. (Zumindest war es so, als ich das studiert habe.)

- IQ-Tests haben einen ziemlich bedeutsamen Messfehler. Korrekter wäre es zu sagen "der IQ wird zu 95% zwischen X und Y liegen" als eine konkrete Zahl in den Raum zu werfen. Tagesform und co sind bedeutsam. Intelligenz lässt sich nicht wie die Schuhgröße messen.

- Die meisten IQ-Tests verstehen etwas anderes unter Intelligenz. Die meisten messen logisches Denken und Problemlösefähigkeiten. Manche zudem Sprachverständnis, andere nicht. Einige messen gezielt mehrere Arten von Intelligenzen. Es gibt da auch eine Theorie, die von 180 unterschiedlichen Intelligenzen ausgeht... was nicht heißen soll, dass die komplett unabhängig wären. Auch da findet man Interkorrelationen, nur unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Letzteres ist zum Beispiel extrem relevant in der Praxis. Nimmt man zum Beispiel einen IQ-Test, der Sprachverständnis mit misst, und hat dann einen Probanden, der eine andere Muttersprache hat, dann wird das Ergebnis ein anderes sein als wenn man einen sprachneutralen Test nimmt. Dazu kommt, dass ein Test, der zum Beispiel nur "logisches Denken" misst, andere Ergebnisse erzielen kann als einer, der dazu noch beispielsweise dreidimensionales Vorstellungsvermögen oder Sprachverständnis misst.

Und trotz all dieser Probleme gibt es eine lustige Beobachtung: Obwohl sich Intelligenz nur mit Schwierigkeiten und Ungenauigkeiten messen lässt, ist Intelligenz oft die beste Erfolgsvorhersage. Was aber eher daran liegt, dass die restlichen Methoden (Stichwort z.B. unstrukturierte Interviews) einfach ungleich mieser sind.

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