Montag, 20. Mai 2013

Die Qual der Wahl

Es gibt da dieses schöne Sprichwort "die Qual der Wahl". Aus psychologischer Sicht steckt da viel Wahres drin. Unabhängig davon, aus welcher Perspektive man es betrachtet.

Nehmen wir die diagnostische Seite, Stichworte Testtheorie und Testkonstruktion: Da gilt als Daumenregel, dass höchstens neun Abstufungen halbwegs sicher unterschieden werden können.  Bei mehr Abstufungen geraten die einschätzenden Personen ins Grübeln, ob etwas jetzt zum Beispiel eine "13" oder "14" ist, unabhängig davon, was sich hinter diesen Zahlen verbirgt. Darunter leidet die Reliabilität, weil die Leute in derselben Situation bei derselben Einschätzung etwas anderes wählen könnten. Zu viele Auswahlmöglichkeiten sind nicht trennscharf genug.

So etwas findet sich auch im Bildungskontext. Noten wie "sehr gut" vs. "gut" sind gut voneinander abzugrenzen. Wo jetzt aber, außer bei rein mathematischen Tests, genau der Unterschied zwischen "14" und "13" (i.e. Abiturnoten "sehr gut" und "sehr gut minus") liegt, ist viel unschärfer und mehr im Interpretationsraum des Beurteilers.

Im Alltag findet sich dann wiederum, jenseits aller Tests, so etwas wie eine Auswahllähmung. Verkaufs- und Marketingkontext: Stellt man den Leuten zwei, drei, vielleicht vier Dinge zur Auswahl, dann (sofern Interesse am Produkt vorliegt) kaufen sie auch. Stellt man hingegen eine riesige Auswahl zur Verfügung, ab zweistellig und darüber hinaus, dann kaufen einerseits weniger Leute überhaupt etwas - und die, die kaufen, greifen wesentlich mehr auf Heuristiken und Bauchgefühl zurück. Heißt die Qualität der Wahl geht zurück, womit auch zugleich die Wahrscheinlichkeit für "buyer's remorse" (also die gefühlte Reue, etwas Falsches gekauft zu haben) wächst.

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