Montag, 27. Mai 2013

(Dis-)Empowerment

Was ist wahre Hilfe?

Es gibt dieses durchaus treffende Gleichnis: "Gebe einem Mann einen Fisch, und er wird satt für einen Abend. Zeige ihm, wie man fischt, und er wird satt für den Rest seines Lebens."

Im Zusammenhang mit jedweder Form von Hilfe stellt sich immer die Frage, ob sie den Hilfsbedürftigen (mittel- und langfristig) aufbaut, oder nicht.

Man betrachte einmal zwei Szenarien:
Szenario A: Dem Klienten wird ihm Rahmen der Therapie vermittelt, dass er selbst an der Lösung beteiligt und selbst Ressourcen beigetragen hat.

Szenario B: Der Therapeut stellt heraus, dass etwaiger Erfolg auf ihn beruhe und der Klient lediglich mitgehen bräuchte.

Überspitzt dargestellt, ja, aber Szenario B ist in anderen Kontexten extrem häufig anzutreffen (man denke nur mal an den Bildungskontext!). Problem dabei ist, so nimmt man den Leuten zwar Verantwortung ab (jene liegt dann nur beim Therapeuten, was es durchaus einfacher machen kann, weil auch etwaiger Misserfolg ihnen zufällt), aber die Betroffenen bleiben so unselbständig.

"Falsche Hilfe" wirkt ähnlich. Schon Schulkinder lernen heute beim Thema Alkoholismus, dass man Betroffene im eigenen Dreck liegen lassen sollte, aus eben jenem Grund. Aber wie oft erlebt man im Rahmen von PTSD, Depressionen, Sozialphobien und ähnlichen Störungen, dass da aus dem Umfeld geraten wird, sich störungskonform zu verhalten, dem Impuls der Störung nachzugeben? Nichts zu tun? Die bunten Pillen und dem Psychodoc fröhlich wirken lassen?

Dahinter steckt derselbe Rahmen wie bei Szenario B - und es ist dasselbe, wie Alkoholikern, die am Boden liegen, noch ein paar extra Flaschen Bier zu bringen. Das ist keine Hilfe (Empowerment), das ist vollkommen entmachtend (Disempowerment).

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