Sonntag, 19. Mai 2013

Eine Geschichte für die Pfingsttage

Ich habe vor kurzem eine Geschichte gehört, die ich interessant fand. Und zwar habe ich jemanden getroffen, der pilgern war. In Italien, auf irgendeiner mir unbekannten Straße, quer durch die Dörfer und Provinzen, am Mittelmeer entlang. Und er hat mir erzählt, dass er hat dort einen ehemaligen Fischer getroffen hat, der dort eine kleine Pension betrieben hat an diesem Pilgerweg.

Und er hat diesen Mann gefragt, wie kam es, dass er genau dort, wo eigentlich ganz selten jemand vorbei kommt, eine Pension aufgemacht hat. Dazu ein eigenes Gemüsebeet, einen großen Garten, ein wenig Handwerk, jedenfalls warum er dort dieses Leben gewählt hat. Und da hat dieser Mann angefangen zu erzählen.

"Ich war einmal Fischer, viel weiter im Süden. Aber der See dort gab immer weniger Fische, er versalzte, verbrackte, und ich war richtig, richtig am Boden. Denn ursprünglich kam ich von Sizilien, einem Fischerdorf am Meer. Und fragte mich, warum bin ich an diesen See gezogen? Wie soll das weitergehen? Ich fange immer weniger Fische, die Zukunft kann so nicht aussehen, die Zukunft muss anders sein! Ich bin doch hierher gekommen, um eine bessere Zukunft zu haben!

Und dann geschah es, dass ich in einer Taverne einen Barden traf. Ich weiß nicht, was er dort machte, was ihn in unser Dorf führte. Ich weiß nur, dass er ein Reisender war, sich über Wasser hielt mit seinen Instrumenten. Mit Gitarre und Laute, sogar mit einer Harfe. Was sehr seltsam klang, aber jeder hat einen anderen Musikgeschmack.

Und dieser Barde hat etwas zu mir gesagt, als ich ihm erklärt hatte, dass ich leider nur ein paar Lire geben konnte. Er hatte mir eine Frage gestellt, folgende: "Wo bist du, dass du nicht glücklich bist?"

Das hat in mir etwas ausgelöst. Ich habe gedacht, was meint er denn damit? Ich weiß, wo ich bin. Und ich bin nicht glücklich.Wo soll ich denn sonst sein?

Und dann fiel mir ein, hey, es gibt ja auch noch Flüsse, die zum See führen, und die sind nicht versalzt! Also bin ich dorthin, warf dort meine Angel aus, und fing wenigstens ein paar Forellen. Aber leider nicht genug, um davon zu leben.

Ein paar Wochen später traf ich denselben Barden wieder in der Taverne, er machte sich schon zum Aufbruch bereit. Und er sah, dass es mir nicht gut ging. Ich sagte ihm, dass mir seine Frage gar nichts gebracht hat.

Er schaute mich an, legte den Kopf zur Seite, runzelte die Stirn, schüttelte den Kopf und meinte "ich glaube du hast nicht verstanden, worum es eigentlich ging. Und zwar, kehre doch mal zurück an den Punkt, wo du die Entscheidung getroffen hast, hierher zu kommen."

Meine Gedanken reisten zurück zu Sizillien, und da sagte der Barde noch etwas. "Dann geh noch etwas zurück, noch ein paar Tage, noch ein paar Stunden."
Ich schaute ihn verwirrt an, und der Barde meinte "Und nun, denke doch mal nach, wie viele Möglichkeiten du hast, für wie viele Wege du dich entscheiden kannst. Was für Wege dir noch offen stehen. War diese eine Entscheidung nur ein Tropfen in einem weiten Meer. Ist es nicht wunderbar, immer noch in deiner gesamten Zukunft Hunderte, Tausende, Millionen von Entscheidungen treffen zu können - was macht da schon eine falsche?"

Und da wurde mir bewusst, was der Barde ganz am Anfang gemeint hat mit "wo bist du, dass du nicht glücklich bist?" und ich verstand, dass ich mich am völlig falschen Ort befand. Und packte meine Sachen, und brach auf, und während ich auf Reisen war, auf der Suche war nach einer Zukunft, einer neuen Zukunft, fand ich diese Straße, diese Landschaft. Und ich wusste, hier bin ich, hier ist das Glück. Und so kam es, dass ich erst ein Stück zurückgehen musste, um zu erkennen, wie viele Wege mir offenstehen."

So wurde mir die Geschichte zugetragen vom Pilgerweg in Italien und jenem ehemaligen Fischer, der dort eine Pension betreibt. Ich fand diese Geschichte sehr schön, denn heutzutage verlaufen unsere Lebenswege nicht immer gerade, aber das muss nicht schlecht sein. Denn manchmal kommen wir erst über Umwege an unser Ziel.

Und das ist eine Idee, die durchaus zu Pfingsten passt. Einen schönen Feiertag wünsche ich!

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