Donnerstag, 23. Mai 2013

Geschichten und Masken

Einst hörte ich einen Kollegen sagen "the most important story you'll ever tell will be the story about yourself". Das hat mich nachdenklich werden lassen. Einerseits stimmt es. Man kann sein Leben auf vielerlei Arten betrachten, und wie man es darstellt, sagt extrem viel über einen selbst aus. Über die eigenen Werte und Vorstellungen, das Denken und Handeln. Mit ihnen kann man seinem Gegenüber sagen "so bin ich!" - ohne sich in emotionsloser Selbstbeschreibung zu versuchen.

Andererseits gab es an der Aussage auch etwas, das mich massiv gestört hat. Ich habe so oft erlebt, wie sich jemand versucht hat, seinen Selbstwert durch eine Geschichte zu erreichen. Angefangen bei den stereotypischen Statussymbolen ("mein Haus, mein Auto, meine Yacht!"), über körperliche oder geistige Eigenheiten (Intelligenz, Aussehen, was auch immer davon), über Erfolge und Ereignisse im Leben; wie auch immer. Diese Art von Geschichten haben bloß eine Schwachstelle: Sie sind brüchig.

Wir sind mehr als die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen. Baut man seinen Selbstwert auf so eine Geschichte, erschafft man nichts anderes als eine Maske. Eindimensional, unvollständig, und teils extrem leicht zu erschüttern.

Und was passiert dann, wenn sie erschüttert wird, wenn sie bricht? Das hängt davon ab, wie groß die Maske ist. Fängt man an, sich über die Maske zu definieren - und das tun leider viele Menschen - dann erscheint die Gefährdung der Maske lebensbedrohlich, Erschütterungen führen zu extremer Gegenwehr, ein Zusammenbruch der Maske zur Zusammenbruch der Person.

Und deshalb, glaube ich, habe ich dem Kollegen widersprochen. Inzwischen sagt er "the most important story you'll ever tell another person will be the story about yourself. Always remember though, you are much more than your story!"

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