Freitag, 14. Juni 2013

Autos, Farben und Idiosynkrasie

Was die Einschätzung von Menschen angeht, trifft die Psychologie immer zwei leider im Alltagsverständnis recht unbeliebte Aussagen:

1. Unterschiede innerhalb einer Gruppe sind oft größer als Unterschiede zwischen Gruppen.
2. Man kann nicht von gruppenweiten Tendenzen ungeprüft auf ein Individuum schließen.

Letzteres begegnete mir die letzten Tage immer wieder mal in Bezug auf die Farbe des Autos. Da werden den Fahrern abhängig von der Autofarbe sonst etwas für Charaktereigenschaften zugeschrieben - seien es die teamfähigen, aber unkreativen Blaufahrer, oder die hochnäsigen Silberfahrer, oder oder oder.

Gibt damit nur zwei Probleme:
Erstens ein sehr großer Gebrauchtwagenmarkt. Ich kann nur für mich sprechen, aber zumindest für mich stand die Farbe des Autos ganz weit unten auf meiner Prioritätenliste. Bei einem Neuwagen hätte es möglicherweise anders ausgesehen. So wird es wohl nicht nur mir gehen - aber vielleicht übergeneralisiere ich hier auch.

Zweitens sind Farben, wie man so schön sagt, idiosynkratisch. Was nichts anderes heißt, als von Person zu Person unterschiedlich. Sicher gibt es da durchaus Tendenzen - beispielsweise löst Rot bei vielen Menschen ähnliche Assoziationen aus. Aber eben (bei weitem) nicht bei allen dieselbe.

Und dann greift schließlich noch die erste Aussage: Würde man die Autofahrer nach Farbgruppen aufteilen, unterscheiden sich die Fahrer innerhalb der Gruppen wieder mehr als die Gruppen selbst untereinander.

Wobei ich durchaus schmunzeln muss, wieso mir das gerade durch den Kopf schoss. Es ist jetzt gut 20 Jahre her, da las ich eine Autozeitschrift, in der unter anderem so ein "das sagt die Autofarbe über den Charakter aus"-Artikel drin war. Und zugleich ein bestimmtes Auto vorgestellt wurde. Damals dachte ich mir, "so ein Auto will ich später mal haben!"

Es hat lange gedauert. Meine Wunschfarbe hat es nicht. Aber gut aussehen tut es trotzdem!

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