Donnerstag, 20. Juni 2013

Das Kontrastprinzip

In "Jurassic Park" gibt es einige durchaus gut gemachte Szenen, beispielsweise die Erklärung der Chaostheorie. Gleich doppelt bildhaft. Aber eine andere Szene ist viel bedeutsamer. Die, wo Dr. Grant den Kindern sagt, sie sollen sich nicht bewegen, weil der T. rex sie dann nicht sehen könne. (Offenkundig sind Nasenlöcher nur als Blumenwasen zu gebrauchen.)

In gewisser Weise sind wir wie der T. rex. Unsere Sinne habituieren in einem Ausmaß, welches die Vorstellungskraft sprengt. Beispielsweise, wenn du eine Weile eine Brille trägst, welche dir die Welt auf den Kopf stehend anzeigt, erscheint dir die Welt bald schon wieder "normal" stehend. Brille weg, und es dauert auch nicht so lange wieder, bis wieder alles richtig steht. Kontaktlinsen mit Mustern vor der Pupille werden sehr schnell ausgeblendet. Aus dem Grund sind wir uns auch dem "blinden Fleck" nicht bewusst. Eintönige Geräusche aus der Umgebung verblassen sehr schnell.

Aber es sind nicht nur unsere Sinne, die sich anpassen. Auch unser Verstand arbeitet ähnlich. Wir brauchen Kontraste. Und Kontraste bieten meist auch erst wahren Informationsgewinn. Das ist mit ein Grund, weshalb ich diversen "Körpersprachinterpretationen" negativ gegenüberstehe. Eine spezifische Bewegung oder Haltung sagt nichts aus - im Kontext zur restlichen bzw. zur normalen Körpersprache jedoch schon.

Schönes Beispiel sind da auch die "Lügendetektoren". Die können keine Lügen entdecken. Sie arbeiten in den Kategorien "wahrscheinlich wahr" und "unsicher". Da werden auch keine spezifischen Reaktionen erfasst (nach dem Motto der und der Hirnstrom oder Hautwiderstand = Lüge), sondern bei klaren, harmlosen Fragen das Grundlevel ermittelt und dann geschaut, wo ein Kontrast auftritt. Wobei ein Kontrast nicht auf Lügen beruhen muss - Unsicherheit, Stress, Suggestivfragen, all das wird neben der Unwahrheit auch einen Kontrast hervorrufen.

Man denke da auch einmal an den Augenkontakt - wenn jemand immer Augenkontakt hält, aber bei bestimmten Aussagen nicht, dann hat man da einen Kontrast. Wenn jemand hingegen kaum Augenkontakt hält, aber bei bestimmten Aussagen durchgehend, dann hat man da auch einen Kontrast. Gegensätzliche Verhaltensweise, die aber denselben Grund hat (in beiden Fällen würde ich mental die Schublade "da stimmt etwas nicht" aufmachen).

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