Mittwoch, 19. Juni 2013

Die zwei tödlichen Rahmen II

Zentral des "Blame-Frames" ist es, andere herabzuwürdigen. Der zweite tödliche Rahmen macht dasselbe, nur mit einer anderen Zielperson. Nämlich sich selbst. Es ist der Bittsteller-Rahmen.

Beim Bittsteller-Rahmen nimmt man eine Position ein, in der man vom anderen abhängig ist. Ein Rahmen, den man am besten mit dem Wort "bedürftig" beschreiben könnte. Sicher brauchen wir alle einmal Hilfe, aber das ist hier gar nicht gemeint. Sondern, dass man sich vom Urteil des anderen abhängig macht.

Vergleiche einmal zwei Verkäufer: Der eine fragt, was du möchtest - und stellt entsprechend das darauf passende Produkt soweit dar, wie viel du davon hören möchtest. Der andere wirft dich mit Informationen zu, mit weiteren Produktempfehlungen, einer ganzen Palette was dich vielleicht interessieren könnte.

Sehr wahrscheinlich würdest du beim zweiten Verkäufer nichts kaufen. Der Grund ist, was hier subkommuniziert wird. Im ersten Fall "hier habe ich einen Wert. Wenn du ihn haben willst, toll. Wenn nicht, auch egal."; im zweiten Fall hingegen "bitte bitte bitte kauf etwas, irgendwas, egal was, nur kauf!"

Wir neigen dazu, solchen Menschen nicht zu vertrauen. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, mag eine Frage des Einzelfalls sein. Das Problem des Bittstellers ist, selbst wenn er uns scheinbar helfen wollte, so ist doch die zugrunde liegende Aussage, dass es letztendlich nur um denjenigen geht. Und er sich selbst herabwürdigt, nur um das zu bekommen.

Wie in der Einleitung zum ersten tödlichen Rahmen geschrieben töten jene so ziemlich jede zwischenmenschliche Interaktion. Während der "Blame-Frame" immerhin zumindest ab und an kritisch beäugt wird, wird der Bittsteller hingegen oft als normal hingestellt. Nur er funktioniert genauso wenig.

Auch wenn das Verkäuferbeispiel sehr klassisch gewählt ist, so ist doch der Bittstellerrahmen nicht darauf beschränkt. Das kann genauso ein Sozialarbeiter sein, dem es aufs Gemüt schlägt, wenn es seinem Schützlingen nicht besser geht. Es können Versuche sein, mit Statussymbolen zu protzen. In dem Moment wo man Elemente hat von "bitte mag mich" oder "bitte verhalte dich so" oder "bitte fühle dich so" - dann ist man vom Bittstellerrahmen nicht weit entfernt, und durch ihn erreicht man meist das genaue Gegenteil.

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