Dienstag, 18. Juni 2013

Generalisieren und Diskriminieren

Manche Wörter werden in der Psychologie etwas anders gebraucht. Näher an ihrer ursprünglichen Wortbedeutung. Im Alltag erlebe ich es oft (aus dem Grund vermeide ich genannte Wörter), dass "Generalisieren" und "Diskriminieren" sehr negativ besetzt sind. "Diskriminieren" zum Beispiel im Sinne von Benachteiligen.

Nun, im Reich der Psyche bedeutet "Generalisieren" schlicht "Verallgemeinern". Und das ist gut - ist es doch die Grundlage allen Lernens. Wenn du eine Tür öffnen kannst, wirst du vermutlich die allermeisten Türen öffnen können (richtigen Schlüssel vorausgesetzt). Wenn du mit einer Fernbedienung umgehen kannst, dann vermutlich auch mit den meisten anderen, sofern du keine allzu speziellen Funktionen brauchst.

Ich erinnere mich da, lange lange ist es her, an das Haus meiner Großeltern. Da war die Klinke falsch angebracht - um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Heißt, sie stand senkrecht nach oben und musste nach rechts gedrückt werden. Es war damals faszinierend, wie wenig Besucher die Tür aufmachen konnte. Da war die Tür durch dieses kleine Detail so fremdartig, dass die Generalisierung nicht mehr griff.

Diskriminieren bedeutet unterscheiden. Gesellschaftlich negativ konnotiert, weil oft zu unrecht oder mit Benachteiligung unterschieden wird. Allerdings sind auch Unterscheidungen absolut kritisch für den Lernprozess. Ich bin aktuell in so einer Phase drin. Stichwort Autos: In gewisser Weise sind alle Autos gleich (generalisiert), aber in bestimmten Aspekten eben nicht. Einen Diesel und einen Benziner anfahren... da gibt es Unterschiede. Ich habe kürzlich den Wechsel gemacht, und erst seit ich da zwischen den Autotypen unterscheide (oder eben im Fachsprech "diskriminiere"), schaffe ich es, den Benziner zu fahren ohne ihn bei so ziemlich jeder Gelegenheit abzuwürgen.

Umgekehrt habe ich natürlich auch für die Fahrt mit dem Benziner eine Menge aus dem Diesel mitgenommen - Verhalten im Straßenverkehr tut sich nämlich zwischen den beiden gar nicht. Generalisieren und Diskriminieren sind wichtige Aspekte des Lernens.

Sieht man auch daran, wie kleine Kinder sich Verben aneignen. Am Anfang können sie ein paar Verben richtig, unabhängig davon ob regelmäßig oder nicht. Dann bemerken sie die Regeln, und wenden sie auf alle Verben an (generalisieren also). Dadurch machen sie viel mehr richtig - aber plötzlich auch Wörter falsch, die sie vorher konnten (z.B. wird da schon mal aus "ging" ein "gehte"). Dann später noch wird zwischen den regelmäßigen und unregelmäßigen Verben unterschieden (also diskriminiert), und dann stimmt am Ende auch ein sehr großer Teil.

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