Freitag, 28. Juni 2013

NLP III

Ich weiß nicht, wie es heute ist. Zu meinen Schulzeiten war es so, dass es nur eine richtige Meinung, nur einen richtigen Weg gab (selbst wenn jener schon seit Jahrzehnten überholt war, aber nun gut). Zudem galt es, immer alles perfekt zu machen - möglichst im ersten Anlauf. Sich irgendwie beteiligen, wenn man nicht wusste, ob man die Antwort richtig hatte? Schlechte Idee. (Übrigens aus lernpsychologischer Sicht ein absolut fragwürdiges Vorgehen, aber nun gut.)

Die Grundannahme des NLP, über die ich heute sprechen möchte, stellt dies auf den Kopf.

Grundannahme: Es gibt keine Fehlschläge, nur Rückmeldungen. (Oder auch: Es gibt keine Fehler, nur Rückmeldungen.)
Dies ist eine ziemlich schöne, und auch absolut wahre und realitätsnähere Annahme als das von mir erlebte Schullernkonzept. Perfektion auf Anhieb zu erwarten ist, und das sage ich ganz bewusst als Psychologe, schlicht Wahnsinn. Denkt man so, hat man nur die Kategorien "Erfolg" und Misserfolg". NLP sagt, denke anders!

Diese Grundannahme könnte man auch so herunterbrechen, man lernt immer etwas. Es geschieht immer etwas. Vielleicht nicht das, was man erwartet oder erhofft hatte, aber auch das Wissen, wie etwas nicht geht, ist ein wichtiges Wissen und führt über kurz oder lang zum Erfolg.

Man denke da an die Gebrüder Wright, Erfinder bzw. Konstrukteure des ersten bemannten Flugzeugs, bei denen auch nicht der erste Prototyp schon abhob. Oder an Edison, der eigenen Aussagen nach 999 Gasgemische fand, die in Glühlampen nicht funktionierten.

Oder ein besonders schönes Beispiel. Immer wieder wurden in der Bakterienforschung Petrischalen mit Schimmel verunreinigt und entsorgt. Ist doof, passiert, weg damit und von vorne anfangen! Bis eines Tages einer der Bakterienforscher anhielt und sich wohl dachte "der Pilz da bringt meine Bakterien um! Der Pilz tötet Bakterien, die Menschen töten!" und die Petrischale nicht wegwarf. Eine kuriose Beobachtung - wie viele Millionen Menschenleben dadurch gerettet wurden, ich vermag es nicht zu schätzen.

Was hat die Entdeckung des Penicillins mit Psychologie zu tun? Den Grundgedanken halte ich für sehr wertvoll. Offen sein, sich nicht an Erwartungen klammern, und auch aus scheinbaren Fehlschlägen lernen. Denn wenn man aus ihnen lernt, dann waren es keine Fehlschläge - sondern nur Rückmeldungen.

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