Freitag, 12. Juli 2013

Und als Motivbeilage: Reiss I

Und wenn man denken könnte, die Überschriften könnten nicht übler werden, dann...

Egal. Eine Sache fasziniert mich im Bereich der Motivations- und Persönlichkeitspsychologie enorm. Und zwar, dass die Studien eines gewissen Steven Reiss relativ unbekannt sind. Zumindest im deutschsprachigen Raum. Ich kann mir das auch relativ gut erklären: Reiss hat sich mit den Motiven beschäftigt, die uns Menschen antreiben. Während in dem Bereich oft lediglich Theorien postuliert wurden (z.B. Maslow), die dann mal mehr und mal weniger überprüft worden sind, hat Reiss die ganze Sache external aufgebaut.

Das heißt, geschaut, was man so bei tausenden von Menschen findet. So ähnlich, wie letztendlich auch das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit entstanden ist - nur eben bei Reiss bezüglich auf Motive. Herausgekommen ist eine Liste von 16 Motiven.

Schön an diesen Motiven ist, dass sie direkt die Vielfalt des menschlichen Verhaltens abdecken. Ein Verhalten kann durch unterschiedliche Motive begründet sein, ebenso kann ein Motiv sich unterschiedliche Ausdrucksformen suchen. Klingt auf den ersten Blick etwas wischiwaschi, was bei external konstruierten Skalen oft so ist. Aber daraus ergeben sich einige sehr große Vorteile:

1. Dysfunktionales Verhalten bedient oft ein Motiv (oder mehrere). Identifiziert man dies, kann man sehr gut Alternativen anbieten und so die Rückfallgefahr erheblich reduzieren. Die Liste von Reiss zu verinnerlichen schult einen darin, so etwas zu erkennen - und entsprechend das Motiv zu "reframen" (lies dessen Rahmen zu verändern).

2. Die meisten Interventionen benötigen Mitarbeit des Klienten. Magische Pillen sind in der Psychologie relativ selten. Erkennt man die Motive des Klienten, kann man ihn angemessen motivieren. Klassische Modelle sind weniger umfangreich - dort passgenaue Motive zu finden ist ungleich schwieriger.

3. Es erlaubt, Motive zu "installieren" (um einen Begriff aus dem Computersprech zu verwenden). Wie das? Nun, es kann vorkommen, dass ein Klient ein bestimmtes Ziel hat, und diesbezüglich um Hilfe bittet. Oft findet man da dann heraus, dass es bisher nicht klappte, weil ein bestimmtes Motiv nicht vorhanden war. Das lässt sich dann als Sekundärmotiv vermitteln. Klassisches Beispiel: Wer abnehmen möchte (aus welchem anderen Motiv auch immer), der braucht zumindest eine gewisse Dosis eines Machtmotivs in der Ausprägung "Macht über sich selbst". Ohne geht es schlecht. Wenn man das weiß, kann man es vermitteln. Und dann klappt es auch. (Man schaue sich einmal meine beiden Beiträge (1, 2) zum Thema Gewichtsverlust an - sie alle implizieren ein Machtgewinn über sich selbst.)

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