Mittwoch, 10. Juli 2013

United States of Psychology III

Ja ich weiß. Heutzutage würde ich das Wortspiel mit dem Titel auch nicht mehr verwenden. Als ich die Reihe begann, sah die Welt noch etwas anders aus. Egal. Es geht also mal wieder um aktuelle (emotionale) Zustände - oder kurz um "States".

Teil 1, Teil 2.

Zum Thema: Eine weitere, eher unbekannte Eigenheit von States ist, dass sie in gewisser Weise süchtig machen. Was meine ich damit? States haben eine körperliche Komponente, und eine psychische. Auf Seiten der körperlichen Komponente ist zum Beispiel der jeweilige Hormoncocktail zu nennen, der Aktivierungsgrad verschiedener Teile des Nervensystems, und vieles mehr. Bleiben States längere Zeit bestehen, beziehungsweise werden immer wieder aufgesucht, gewöhnt sich der Körper daran. Es wird unangenehm, seltsam, wenn er sich nicht in jenem State befindet. Selbst wenn der State selbst ein negativer ist.

Auch geistig werden States dabei zu so etwas wie Gewohnheiten. Wir neigen dazu, das zu tun, was bekannt ist. Die Pfade zu beschreiten, die wir kennen. Selbst wenn es absolut keinen Sinn macht. Im Großen wie im Kleinen. Schönes Problembeispiel dafür sind Fluchtwege - bricht Panik in einem Gebäude aus, entstehen regelmäßig große Trauben und Massen vor den normalen Ausgängen, während die Fluchtwege kaum benutzt werden.

Aus dieser Sicht heraus sind so manche Alltagsratschläge zum Umgang mit emotionalen Herausforderungen ziemlich destruktiv. Wut einfach herauslassen? Die Leute werden noch cholerischer und wutanfälliger im Laufe der Zeit. Sich bei Depressionen zurücklehnen und auf Besserung hoffen? Die Leute werden noch depressiver im Laufe der Zeit. Dampf ablassen und anderen ihre Schuld vor den Kopf werfen? Willkommen beim Blame-Frame.

Aber: Hier liegt auch eine Chance. Schafft man es, entsprechende Motivation ist da aber eine Grundvoraussetzung, dass lange genug alternative States aufgesucht werden, werden quasi neue Pfade im Wald des Geistes angelegt, die dann viel wahrscheinlicher beschritten werden. So lässt sich z.B. erklären, warum Menschen mit großer Metta-Meditationserfahrung kaum mehr Stress erleben.

Ganz davon abgesehen lassen sich aus diesem Phänomen noch ein paar andere Sachen ableiten. Beispielsweise, was der Musikgeschmack über die Person aussagt. Die eigentliche Musikrichtung, nun, darüber sollen sich andere streiten. Aber Musik beeinflusst sehr stark den eigenen Zustand - und welcher Zustand dort angestrebt wird, gibt durchaus Hinweise.
Dies erklärt auch, warum Fans regelmäßig richtig tollwütig werden, wenn eine Musikband ihre Stilrichtung ändert. State-Entzugserscheinungen.

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