Sonntag, 4. August 2013

Realitäten II

Wie erwähnt gehe ich von zwölf Realitäten aus. Wobei das eigentlich sogar falsch ist - theoretisch sind unendlich viele denkbar. Meiner Vermutung nach gibt es einmal vier inhaltlich verschiedene Realitätsarten, und jene dann nochmal in verschiedenen Zeiten. Vereinfacht ausgedrückt liefe letzteres auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heraus.

Bloß gibt es so etwas wie "die" Vergangenheit nicht. Auch nicht "die" Zukunft. Tatsächlich kann man sogar mit einer Zeitform spielen.

Beispiel: Denke an ein wichtiges Erlebnis, das circa zehn Jahre zurückliegt. Und nun versuche dich einzufühlen, wie du vor fünf Jahren über jenes zehn Jahre zurückliegende Ereignis gedacht hast. Sehr wahrscheinlich anders.

Vergangenheit ist Rekonstruktion, Zukunft Konstruktion. Beides ist im Fluss und nicht absolut. Aufmerksamkeit vermittelt darüber, in welcher Realität man sich befindet, bzw. wie tief in den einzelnen - sowohl inhaltlich als auch zeitlich.

Die zeitliche Achse ist deshalb bedeutsam, weil sie sehr stark bestimmte Tendenzen bestimmt. Menschen, die sich in unterschiedlichen Zeiten befinden, denken anders.

Vergangenheit: In aller Regel stark auf Selbstschutz bestimmt, relativ träge. Neigung zu Depression und Bitterkeit.

Gegenwart: Sehr auf aktuellen Genuss und Vermeidung von Verlust ausgerichtet. Neigung zu positiven Emotionen, aber extrem miese Planungs- und Entscheidungskompetenz.

Zukunft: Gute Abwägung von Kosten und Nutzen, starke Neigung zum Belohnungsaufschub (womit aber auch Gefahren wie Burnout oder Midlife-Crisis einhergehen), und Handlungsinitiierung.

Warum nun ist das wichtig zu bedenken?

Wenn jemand gedanklich in der Vergangenheit steckt, nun, in Sachen Selbstschutz ist das eine gute Sache. Wenn es darum geht, jemanden zu helfen, Mauern aufzubauen, und denjenigen von dummen Aktionen abzuhalten, dann findet man dort die Ressourcen zu. Davon abgesehen ist es aber ein sehr schlechter Ort. Gerade die Inertia / Trägheit ist dort sehr stark ausgeprägt.

Hingegen geht es Leuten, die geistig in der Gegenwart sind, meist sehr viel besser. Das ist gut. Gerade wenn es um emotionale Probleme geht. Ist man in der Vergangenheit oder Zukunft, so findet sich kein wirkliches Glück. Problem ist nur, rein aus der Gegenwart heraus zu entscheiden geht zumeist einher mit ganz (ganz ganz) bescheidener Planungs- und Entscheidungskompetenz.

Jene hingegen sind bei Zukunftsorientierung viel besser ausgeprägt. Auch ist die Handlungsinitiierung bei Zukunftsorientierung am höchsten. Zudem wird hier der Nutzen halbwegs realistisch abgewogen - in der Gegenwart hingegen werden mögliche Nachteile viel höher gewichtet, als angemessen sind.

Man kann die Aufmerksamkeit leicht zwischen den verschiedenen Zeiten umherschubsen. Greift man auf Erinnerungen und Erfahrungen zurück, geht es Richtung Vergangenheit. Arbeitet man mit Zukunftserinnerungen und Projektionen, ist man in der Zukunft. Spricht man an, wie es gerade JETZT ist, ist man in der Gegenwart.

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