Mittwoch, 21. August 2013

Realitäten V

Die dritte Realität ist wieder eine ziemlich einfache. Analog zur physischen Realität außen ist dies die emotionale Realität innen. Also das, was emotional im Körper vorgeht.

Und zwar nur das.

Nicht die Rationalisierungen, Erklärungen, möglichen Auslöser, Nominalisierungen (Prozesse "Verdinglichen", siehe auch hier), wie auch immer.

In den Urzeiten der Psychotherapie fand einmal eine ziemlich interessante Studie statt. In einer Zeit lange vor den aktuellen Verfahren, wo sich neben Freudianern auch noch Jungianer, Adlerianer und weitere mehr oder weniger in Vergessenheit geratene Therapierichtungen tummelten. Ein Forscherteam interessierte sich dafür, was über den Erfolg der Behandlung entschied. Entsprechend wurden (mit Einverständnis der Beteiligten) hunderte Tonaufnahmen angefertigt und ausgewertet. Am Ende wurden zwei Gruppen miteinander verglichen: Die Klienten, die sich selbst als geheilt fühlten, die von Tests als geheilt eingestuft wurden, und die vom Therapeuten als geheilt angesehen wurden vs. die Klienten, die in allen drei Beurteilungen als nicht geheilt eingestuft wurde. Hier wurden also mittels Kontrastprinzip zwei Extremgruppen miteinander verglichen und die Zwischenfälle ausgeblendet.

Dummerweise gab es auf Therapeutenseite keinen Unterschied (, den die Forscher entdeckten). Aber bei den Klienten. Jene, die in den ersten Sitzungen in sich herein horchten, und ohne Wertung die Emotionen einfach nur beschrieben, fielen allesamt in die "geheilt"-Gruppe. Aus der "nicht geheilt"-Gruppe hingegen tat dies keiner. Jene haben hingegen rationalisiert, sich in Erklärungen versucht, oder auch nominalisiert.

... und ein halbes Jahrhundert später halten achtsamkeitsbasierte Verfahren genau zu jenem Verhalten an, das die "geheilt"-Gruppe zeigte. Eine gewisse Ironie kann ich da durchaus entdecken. Aber darum soll es mir nicht gehen.

Die emotionale Realität ist, wie sie ist. Versucht man sie, im Rahmen der intellektuellen Realität zu beschreiben, wäre das, wie in ein Restaurant zu gehen und die Karte zu essen. Denn da sind die lecker Gerichte ja drauf beschrieben!

Hier sieht man auch das große Problem. Die emotionale Realität ist letztendlich jene, welche sowohl den eigenen Rahmen untermauert, als auch letztendlich das ist, was ich als "State" beschrieben habe. Dies mit "sind ja nur Gefühle" abzukanzeln kann nicht nur schief gehen, es wird schief gehen.

Umgekehrt die Gefühlswelt zu rationalisieren, auch das kann viel Unheil anrichten.

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