Sonntag, 25. August 2013

Realitäten VI

Jetzt wird es interessant. Und schwierig. Die vierte Realität ist die symbolische Realität. Hier ist die Frage, was ist ein Symbol?

Nehmen wir wieder einmal den schon beliebten Spinnenphobiker. Dessen Problem liegt nicht auf der physischen Realität (sonst würden alle Menschen entsprechend reagieren). Es liegt auch nicht auf der intellektuellen Ebene (die allermeisten Phobiker wissen, dass ihre Phobie nicht rational ist). Ebenso nicht direkt auf der emotionalen Ebene - denn die Reaktion muss erst angestoßen werden. Eben dadurch, dass die Spinne für den Phobiker zu einem Symbol geworden ist.

Menschen töten für Symbole. Letztens erst ging ein Amoklauf durch die Medien, bei dem jemand wegen einer Nebenkostenabrechnung ausgerastet ist. Dabei ist unser Geld letztendlich nicht mehr als ein (geteiltes) Symbol. Menschen sterben für Symbole. Man denke da zum Beispiel an Flaggen und Kriege. Für ein Stück Stoff würde sich wohl niemand opfern. Für eine Flagge hingegen? Da gab es schon Fälle.

Sieht man die emotionale Realität als die ruhige oder sturmgepeitschte Meeresoberfläche, so ist die symbolische Realität sowohl der Meeresboden als auch die Luft darüber. Sicher gibt es Wechselwirkungen, aber sie bestimmt sehr stark die emotionale Realität - und auch die intellektuelle Realität. Nämlich immer dann, wenn die physische mit der symbolischen Realität verwechselt wird.

Folgendes habe ich einmal zum Thema Symbole gesagt:


-Gedankenspiel: Es gibt kein fest definiertes „Ich“. Das Ich ist formbar. Voller Potentiale, die in uns stecken. Manche Potentiale lassen sich einfacher entfalten, andere mit mehr Aufwand. Manche entfalten sich willentlich, andere unbemerkt. Oder frage dich selbst: Bist du noch dieselbe Person wie vor fünf Jahren? Dieselbe Person wie vor zehn Jahren? Dieselbe Person wie vor zwanzig Jahren? Auch das, was wir als „Selbst“ wahrnehmen, ist ein Symbol. Und dieses Symbol wächst, so lange wir leben.
Das ist jetzt positiv formuliert. Man kann das ganze auch negativ sehen - Menschen können sich durchaus auch selbst verfluchen, indem sie ein "Selbst" aufbauen, das sehr beschränkt, dysfunktional oder unglücklich ist. Genauso kann es zu kognitiver Dissonanz (also einer Art starkem mentalem Unwohlsein) führen, wenn das Selbstbild so gar nicht zum gezeigten Verhalten passt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen