Montag, 16. September 2013

Ein Schulausflugsfoto und seine Lehre fürs Leben

Mir ist vor ein paar Tagen ein Foto in die Hand gefallen. Aus der Schulzeit, einer Wanderung durch den Wald, wie sie wohl die allermeisten Schulkinder irgendwann einmal erdulden müssen. Gerade zumindest in meiner Heimatstadt - denn wer die nicht kennt, jene ist von Hügeln umgeben, die allesamt bewaldet sind. Egal, wo du hinschaust, du siehst grüne Wälder!

Als ich dann zurückdenken musste, an die Schulzeit, an diese Wanderung, wurde mir etwas klar. Und zwar versetzen wir uns doch mal in so einen Schulausflug hinein. Die Lehrer sagen, wo es langgeht. Sie führen durch den Wald. Und als Schülerchen trottest du hinterher. In kleineren Gruppen. In größeren.

Manchmal führen einen die Lehrer über gute Wege, durch schöne Gegenden. Manchmal aber auch durch nicht ganz so schöne. Ich erinnere mich da an einen Ausflug, der führte an einer Imkerei vorbei. Da wimmelte es nicht nur vor Bienen, entsprechend wurde doch mehr als ein Schüler gestochen. Sondern dort ging es auch sehr steil bergab. Und ich sage mal, da sind einige nicht ganz so unglimpflich gestürzt.

Waren die Lehrer dafür verantwortlich? Ja. Und nein.

Denn was damals schon galt, gilt heute umso mehr. Wir sind für unsere Taten, für unsere Entscheidungen zu 100% selbst verantwortlich. Damals fiel es uns als Schüler schwerer zu sagen, "nein, öhm, nö! Nicht dort entlang!", aber wir sind keine Schüler mehr. Und schon damals konnten wir sagen "Nein! Das mache ich nicht mit! Ich kenne viel bessere Wege!"

Heute umso mehr. Ich kenne viele Menschen, die ihre Verantwortung für ihr Leben abtreten. An Partner, Familienmitglieder, Freunde, "der Gesellschaft". Und von denen alles regeln lassen. Von denen sich vorschreiben lassen, wie sie ihr Leben zu leben haben. Und weißt du, wie das immer ausgeht? In jedem der unzähligen Fälle, die ich kenne? Bescheiden. Beschissen wäre angemessener.

Und noch eine Erinnerung hatte ich, damit verbunden. Denn manche Kinder sind damals schon ausgebüchst. Haben im Wald allerlei Unsinn gemacht. Bäume hochgeklettert, an Vogelnestern herumgespielt, was für die kleinen Küken ziemlich übel endet. Aber die Lehrer haben es nicht gemerkt. Also am Ende alles gut! Oder?

Die Sache ist, der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich in dem, was er tut, wenn niemand hinschaut. Wenn keiner da ist, der über ihn urteilt, über ihn richtet. Außer einer einzigen Entität. Eine, die immer hinschaut. Nämlich du selbst. Man selbst schaut immer zu. Man selbst urteilt immer die Entscheidungen, die man trifft, die Taten, die man ausführt. Egal, ob es nur Kleinigkeiten sind, oder gewichtigere Entscheidungen.

Ich kenne einige Leute, die dunkle Wege beschritten haben, andere verletzten, aber sich auch selbst sehr weh taten - und es nicht einmal bemerkten. Der Punkt ist, du selbst schaust immer zu. Wenn du gegen deine eigenen Überzeugungen, deine eigenen Werte handelst. Wenn du das, was dich wirklich ausmacht, komplett verrätst, wegschmeißt, nur weil gerade niemand zuschaut, nur weil keine Rechenschaft zu befürchten ist - jemand zieht dich immer zur Rechenschaft, nämlich du selbst.

Denn auch hier gilt: Wir sind für unsere Entscheidungen, für unser Handeln, zu 100% selbst verantwortlich. Es gibt kein "aber der und der hat doch gesagt ich muss so und so handeln!", oder "der und der will, dass ich das und das tue!", oder "der macht mir Stress, wenn ich nicht das mache!".

Wir sind für unser Handeln verantwortlich. Nur wir selbst. Wenn wir uns auf dunkle Wege verleiten lassen, wenn wir uns zu irgendwas stressen lassen, wenn wir unaufrichtig sind zu anderen und uns selbst gegenüber; wenn wir andere so zu unseren Gefängniswärtern ernennen, wenn wir uns selbst in einen goldenen Vogelkäfig setzen, dann sind wir nicht länger frei. Dann bestimmen andere, wie unser Leben verläuft. Das ist kein guter Platz, an dem man sein sollte.

Wenn das Leben eine Wanderung durch den Wald ist, dann entscheiden wir unseren Weg. Wir entscheiden, ob wir durch wunderbar idyllische Landschaften gehen wollen - oder uns mit der Nase in Bienenstöcke werfen lassen. Die Wahl liegt bei uns. Und bei niemanden sonst.

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