Mittwoch, 11. September 2013

Ressourcen-Schubladendenken

Es gibt da einige, aus rein logischer Sicht, sehr skurrile Studien.

Beispiele:
- Die meisten freiberufliche Taxifahrer arbeiten, bis sie einen bestimmten Gewinn gemacht haben. Heißt sie arbeiten an umsatzreichen Tagen kürzer, an umsatzarmen Tagen länger. (Warum das skurril ist: Umgekehrt würde beim selben Zeiteinsatz viel mehr Gewinn gemacht.)
- Verliert jemand eine schon gekaufte Kinokarte, kauft er sich zuallermeist keine neue. Verliert jemand das Geld für den Kauf einer Kinokarte, wird sich (sofern möglich) dennoch eine Kinokarte gekauft.

Warum das letzte Beispiel skurril ist, sollte offenkundig sein - die beiden Situationen sind absolut identisch. Dahinter steckt eine Art Schubladendenken. Jetzt nicht im Sinne von Klischees oder Stereotypen, sondern im Sinne von Ressourcen.

Im Falle der Taxifahrer ist die Ressource Zeit - und sie wird so lange investiert, bis ein bestimmter Gewinn erreicht wird. Im Falle des Kinogängers hat man es einmal mit der sehr speziellen Schublade "Kinounterhaltung" zu tun, im anderen Fall aber mit der sehr allgemeinen Schublade "generelle finanzielle Mittel". Auch wenn es rein objektiv egal ist, ob die Kinokarte oder das Geld für die Kinokarte verloren wird, kann ersteres viel schneller eine Schmerzgrenze erreichen. Hat auch etwas mit Rahmen zu tun - "jetzt kostet mich der Kinobesuch doppelt soviel!" vs. "jetzt habe ich nur einen Zehner weniger".

Ich stecke gerade selber in so einer Situation. Ich hatte (in einer bestimmten Schublade - nein, nicht Kinokarten) sehr überraschende Ausgaben. Die tun mir richtig weh. Nicht, weil sie mich in Geldnot bringen (tun sie zum Glück nicht), aber weil sie eine Schublade gesprengt haben. Ich weiß (intellektuelle Realität), dass das nicht logisch ist. Dennoch (emotionale Realität) stört es mich.

Auch andere Ressourcen werden meist "schubladenhaft" verwaltet. Denke auch mal an so etwas wie Aufmerksamkeit. Oder Anstrengungen - egal ob intellektuell oder körperlich.

Ich bin sicher, dir werden da auch ein paar Beispiele einfallen. Dieses Kistendenken erleichtert uns die Organisation unseres Alltags und unseres Lebens, aber (und das ist wichtig) es ist weder rational, noch in allen Fällen funktional. Darüber nachzudenken kann manchmal lohnend sein.



(Und rein fürs Protokoll, Produkte in vorteilhaftere Schubladen versuchen zu schieben ist natürlich auch ein alter Werbetrick.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen