Sonntag, 27. Oktober 2013

Das andere Änderungsparadoxon

Ich habe vor einiger Zeit über das so genannte Änderungsparadoxon gesprochen - nämlich die Tendenz, dass die Umwelt einen anfangs wieder in die alte Rolle zu zwingen versucht.

Dabei habe ich ein ganz anderes Änderungsparadoxon übersehen, quasi das Gegenteil. Nämlich wenn wir uns verändern, nicht plötzlich, sondern im Laufe der Zeit, sind wir oft die letzten, die das bemerken.

Mir ging das letztens so, als ich Fotos von mir sah. Fotos, die noch kein Jahr alt waren. Der Unterschied war viel drastischer als ich dachte (im positiven Sinne). Aber es ist nicht nur das Aussehen. Ich glaube, Dir ist das schon sehr oft so gegangen. Nimm nur einmal Vorlieben in Sachen Freizeitbeschäftigungen, wie sich jene im Laufe der Jahre verändern. Oder Geschmacksvorlieben. Musik.

Das ist nicht nur psychologisch bedingt - sicher auch, da unsere Sinnessysteme nicht darauf angelegt sind, Veränderungen über längere Zeiträume wahrzunehmen und unser Gedächtnis sehr konstruktivistisch ist (kleines Experiment: Denke an ein Ereignis, an dem du beteiligt warst, und das mindestens ein Jahr zurück liegt. Siehe dich darin selbst. Sei ehrlich, Du hast dich darin ganz überwiegend so gesehen, wie du heute bist. So geht es zumindest nahezu allen Menschen - und das ist auch absolut sinnvoll*).

Dazu kommt auch eine physiologische Komponente - verschiedene Sinne, wie zum Beispiel der Geschmackssinn, verändern sich im Laufe des Lebens. Daher ist es normal, mit fünf, mit fünfzehn, mit fünfundzwanzig (und so weiter) etwas andere Vorlieben zu haben.

Nur oft nehmen wir dies nicht wahr. Unsere Umwelt, besonders wenn sie uns längere Zeit nicht gesehen hat, hingegen umso mehr. Ich glaube, daher kommt der Rat (dem ich inzwischen auch gut nachvollziehen kann), Entwicklungen (je nachdem welcher Natur) mit Tagebüchern und/oder Fotos zu dokumentieren. Als Motivationshilfe. Um überhaupt zu sehen, wie weit man schon gekommen ist.

* = Absolute Kurzfassung: Tatsächlich können Probleme entstehen, wenn negative Ereignisse in der Vergangenheit von aktuellen Ressourcen losgelöst sind. Da kann es sogar oft helfen, die Erinnerung wieder mit der Gegenwart zu verbinden.

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