Sonntag, 20. Oktober 2013

Eine Geschichte über Strategien und Ziele

Ich habe gestern eine Geschichte gehört, die erstmal nur völlig skurril ist. Wo sich viele Leute denken, "was ein Idiot!"
Tatsächlich war das auch der Aufmacher, unter dem die Geschichte veröffentlicht worden ist.

Sie ging so: Ein Mann war mit seinen Kindern auf einem Jahrmarkt. Dort gab es ein Spiel, bei dem es als ersten Preis eine aktuelle Spielekonsole zu gewinnen gab. Da dachte sich der Vater, hey, die wäre toll für meine Kinder - und begann zu spielen.

Nur war er nicht sonderlich gut. Spielte aber immer weiter. Verzockte 300$.

Lektion gelernt? Neee. Er ging zur Bank, holte seine Ersparnisse. Waren 2300$. Er wollte diese Spielekonsole!

Und verzockte das ganze Geld.

Ähm. Doof gelaufen. Aber die Geschichte geht noch weiter. Denn nun beschwerte sich der Mann, machte großen öffentlichkeitswirksamen Ärger. Drohte mit Klagen. Und die Trostpreise, die er vom Veranstalter bekam, waren ihm nicht genug. Er wollte diese Spielekonsole!

In gewisser Weise ging die Geschichte ja noch irgendwie, hm, gut aus, weil nun Unbeteiligte für den armen Vater sammelten und so seine Kinder die Konsole bekamen.

Aber jetzt einmal rein psychologisch betrachtet, hier können drei (offenkundig) dysfunktionale Verhaltensaspekte am Zug gewesen sein. Warum dysfunktional? Weil es die Konsole zum Zeitpunkt der Geschichte für 200$ im Laden gegeben hätte. Welcher Verhaltensaspekt nun genau dahinter steckt, nun, Ferndiagnosen sind schwierig. Daher werfe ich sie nur mal als mögliche Erklärungen hinein.

Möglichkeit 1: Es ging nicht um die Spielekonsole, sondern um das Gewinnen des Spiels. Für manche Menschen ist es ein sehr starkes Motiv, in kompetetetiven Situationen erfolgreich abzuschneiden. Hier läge das Problem auf Seiten der Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Möglichkeit 2: Eine einmal gewählte Zielstrategie wurde immer weiter verfolgt, selbst wenn diese eindeutig aus dem Ruder lief. Das ist gar nicht einmal so ungewöhnlich. Erinnert mich an ein Ereignis, das schon acht oder neun Jahre zurück liegt. Da geriet ich in ein Gebäudebrand. Befand mich in einer Art ebenerdiger Saal, mit großen Scheiben und Sicherheitstüren in ihnen. Der Saal war voll. Eine Handvoll Leute (u.a. ich) nahmen die Sicherheitstüren, und waren direkt draußen. Der Rest hingegen strömte durch die regulären Eingänge, durch verrauchte Flure und einigen Engstellen, nach draußen. Gab einige leichte Rauchvergiftungen. Diese Art des Tunnelblicks ist leider alles andere als selten.

Möglichkeit 3: Das klassische Zocker-Problem. Um die Verluste zu rechtfertigen, wird immer weiter investiert. Selbst wenn es überhaupt keinen Sinn mehr macht. Alle Casinos und Spielhallen beruhen darauf. Quasi eine Extremform des Sunk-Cost-Dilemma (wo man immer mehr investiert, um die bisherigen Investitionen zu rechtfertigen, auch wenn es längst absolut irrational ist - nur hat man bei SCD wenigstens irgendwas, bei verzockten Einsätzen nur Lehrgeld und kognitive Dissonanz).

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