Montag, 21. Oktober 2013

Geldwert

Ursprünglich hatte ich vor, etwas über ein Phänomen zu schreiben, was in den Bereich der Verkaufspsychologie fällt. Dabei fiel mir auf, erst einmal sollte ich mich darüber auslassen, was denn genau Geld ist. Wenn ich mich so an verschiedenste Meinungen aus den Berichten zur Finanzkrise erinnere, sollte ich aber wohl darauf hinweisen, dass ich da eine sehr abweichende Meinung habe. Und irgendwie glaube, dass ich recht habe.

Größenwahnsinnig, ich weiß. War ich schon immer.

Also: Geld ist letztendlich eine symbolische Repräsentation von Wert.

Nicht mehr, nicht weniger.

Was bedeutet dies? Gehen wir mal zurück in die Antike: Du hast Mehl, ich habe Kühe. Sagen wir, ein Sack Mehl entspricht einer Viertelkuh. Jetzt haben wir einen Austausch von Werten - du bekommst soviel Kuh gegen soviel Mehl. Genauso ließen sich vielleicht auch zwei Kühe und ein Schaf gegen ein Pferd tauschen.

So ein System ist nur ziemlich unhandlich. Man muss bei Tauschgeschäften seinen Besitz dabei haben, möglicherweise über viele Ecken tauschen (beispielsweise ich will ein Pferd, aber der Pferdebesitzer will keine Kühe, sondern Gerste, und der Gerstebesitzer will nur Mehl...). Da kam die Erfindung von Geld herein. Alles Geld - von den Goldmünzen von einst bis zu den Baumwollpapierscheinen von heute sagt letztendlich "du bekommst so und so viel Wert im Austausch dafür!"

Das ist zentral zu verstehen. Geld hat nichts mit Gold zu tun. Gold wurde gewählt, weil es eine begrenzte Ressource und verhältnismäßig fälschungssicher war/ist. Es erfüllte schon immer denselben Zweck - es repräsentierte Wert, aber es war kein Wert. Bei dem heutigen nicht mehr von Gold gedecktem Geld wird oft der Begriff "Fiatmoney" benutzt - eben man "glaubt" nur, dass dahinter Wert steckt. Das galt aber auch für Gold. Ich erinnere mich, dass ich bei einigen Familien ziemlich interessante Erbstücke gesehen habe. Kostbarkeiten, die man eher beim Adel erwartet hätte. Wo kamen die her? Aus den Zeiten der Hyperinflation, weil da die Vorfahren Mittel zur Nahrungsproduktion hatten. Tausche Goldbecher gegen Laib Brot. Gold selbst hat auch nur den Wert, dem man ihn zuweist.
Das gilt für alles. An der Finanzkrise seit 2008 sah man zum Beispiel, dass auch Grundbesitz plötzlich viel weniger wert sein konnte. Genauso gab es im Laufe der Geschichte Substanzen, die genauso oder mehr wert waren als Gold - heutzutage dank neuer Produktionsmethoden jedoch nur noch einen Bruchteil wert sind (Zucker z.B.).

Wogegen sich eher bei manchen Ökonomen ein Widerstand regt, würde ich als "Ex Nihilo"-Geld bezeichnen - Geld aus dem Nichts, ohne Gegenwert. Sich aber nur auf Gold als Gegenwert zu beziehen sind meiner Einschätzung nach arge Scheuklappen. Jeder Wert, der geschafft wird, sollte mit Geld hinterlegt sein, sonst ist eine Deflation die Folge. Heutzutage gibt es viel mehr erschaffene Werte als vor hundert Jahren. Das war ja letztendlich auch das Problem bei der Hyperinflation in der Weimarer Republik - das dort gedruckte Geld war "Ex Nihilo".

Ich will gar nicht darüber spekulieren, wie viel Geld heutzutage von Wert gedeckt ist (oder nicht), einfach weil ich dafür als Psychologe wohl der falsche Ansprechpartner bin und ich absolut keine Anhaltspunkte habe. Aber in dem Moment, wo es um die Vermarktung von Produkten geht, dann spielt das Verständnis Geld = Wert eine sehr große Rolle.

Denn, und das hatte mich eigentlich angeregt, etwas dazu zu schreiben, da bauen manche Hersteller richtig großen Mist. Sie haben ein Produkt. Vielleicht sogar ein tolles Produkt, und dann verringern sie dessen Wert. Fangen dann an, auf externe Ursachen zu schimpfen, dass die Verkaufszahlen nicht stimmen. Na Überraschung!

Ich hielt kürzlich eine DVD aus den frühen Nullerjahren in den Händen. Und mir wurde sofort wieder ins Gedächtnis gerufen, was für eine desaströse Zeit das war. Man legt die DVD ein, muss erst einmal eine Sprache wählen. Damit erst einmal eine Minute lang ein Copyright-Hinweis eingeblendet wird. Danach zwei "Raubkopierer sind Verbrecher!!einseinself"-Spots (sehr sinnvoll* bei einer Original-DVD, das dem Käufer an den Kopf zu klatschen). Danach nicht überspringbare Werbung. Irgendwo dabei auch nochmal eine Minute FSK-Hinweis. Also für den Fall, dass man den riesengroßen Aufdruck auf der Verpackung nicht gesehen haben sollte. Bonuspunkte, es war sogar ein Film freigegeben ab 6, also nicht einmal etwaige FSK18-Klötze. All das nicht abbrechbar. UOP bei DVD-Playern ist auch etwas, das letztendlich ein Negativwert ist.
Unsinnig zu erwähnen, dass ich die meisten DVDs aus der damaligen Zeit gebraucht oder aus dem Grabbeltisch gekauft habe. Nicht, weil ich nicht bereit sei, generell für DVDs etwas auszugeben - sondern, weil so etwas den Wert der DVD entsprechend senkte.

* = Und wo wir gerade von Rahmen sprechen. Ein National Park in den USA stellte mal das Schild "bitte keinen Müll mehr wegwerfen" auf. Folge war, es wurde weitaus mehr Müll in die Landschaft geschmissen.

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