Freitag, 4. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen II

Bitte dran denken: Das Vorwort aus dem ersten Teil gilt auch hier!

Ärger
- Reaktion auf eine Grenzverletzung. (Es ist unerheblich, was für eine Grenzverletzung - ob körperlich, ideel, emotional, finanziell, und so weiter.)
- Zumeist vergangenheitsorientiert. Ausnahme ist die direkte Abwehrreaktion auf eine akute Grenzverletzung (in dem Fall gegenwartsorientiert).
- Persönliche Komponente des Grenzverletzers. Gemeint ist, dass je mehr Verantwortung einer Person (oder einer Personifizierung) zugeschrieben werden kann, und je unlauterer dessen Motive sind, desto größer ist der Ärger.
- Ziel ist Wiederherstellung der Grenze.
- Und Ziel ist die Vermeidung zukünftiger Grenzverletzungen. Dies ist in aller Regel mild destruktiv (lies, den Grenzüberschreiter für die Grenzüberschreitung zahlen lassen).

Oftmals werden Furcht und Ärger als zwei Seiten einer Medaille beschrieben (beispielsweise in Cannons "flight or fight system"). In gewisser Weise stimmt das; Furcht ist defensiv und dient dem Selbstschutz; Ärger ist offensiv und dient dem Schutz der eigenen Grenzen. Ebenso können sie miteinander verwoben sein. In beiden findet sich auch eine Schmerzkomponente.

Allerdings ist die Zeitorientierung eine völlig andere (Furcht ist zukunfts- und Ärger vergangenheitsorientiert). Ebenso hat Furcht nicht zwangsweise eine persönliche Komponente. Ärger schon.

Jene kann sich, wie jeder der Rahmenfaktoren, nutzen lassen. Klassisches Beispiel, wenn mehrere wichtige Mitarbeiter nicht miteinander zurechtkommen und sich ständig streiten, einen beliebigen Persönlichkeitstest vorlegen und als Streitgrund dann ein Missverständnis aufgrund unterschiedlicher Kommunikationsstile konstruieren. Das depersonalisiert die Reibereien, wodurch die Leute dann viel besser miteinander zurecht kommen. Ganz klassisch konstruktivistisch stimmt das einerseits, und andererseits nicht. Nur ist dies egal - es entzieht der Emotion einen ihrer Grundpfeiler und erlaubt es, das Problem zu lösen, ohne dass irgendwer sein Gesicht verliert. (Denn das wäre schnell wieder eine Grenzverletzung. Hey toll, nun sind sie sauer auf den zugekommenen Dritten statt aufeinander!)

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