Montag, 7. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen IV

Heute werde ich direkt zwei Emotionen abhandeln, weil sie sich (bis auf ein Detail) sehr ähneln. Tatsächlich sogar im Sprachgebrauch teils synonym verwendet werden.

Schuld & Scham
- Vergangenheitsorientiert
- Unterschreiten eines Standards
- Schuldgefühle: Eines eigenen Standards
- Scham: Eines fremden Standards

Standard ist hier sehr weit zu sehen - das reicht von sehr externalen Dingen wie gesellschaftlichen Regeln über Zielsetzungen, Leistungen, Vorhaben, ethische Werte, Motive, und so weiter und so fort.

Gemeinhin wird empfohlen, abzuklopfen, ob der Standard wirklich angemessen war. Denn einen unangemessen hohen Standard kann man kaum erfüllen.

Durchaus wahr. Ich möchte das aber differenzierter betrachten. Emotionen haben eine Signalfunktion. Sie teilen etwas mit. Im Falle von Schuld und Scham kann es sein, dass man einem unerreichbaren Maßstab nacheifert, ja.

Aber es kann auch sein, dass hier wirklich Mist gebaut wurde - und die entsprechende Lehre daraus ist, es in Zukunft besser zu machen. Eben nicht mehr denselben Fehler zu machen. Klingt hart, ist auch so gemeint. Ich habe genug Leute erlebt, die mal kurzzeitig Cluster-B-Verhalten* gezeigt haben. Allesamt sind danach (so sie keine Cluster-Bs waren) emotional komplett abgestürzt, weil dieses Verhalten enorme kognitive Dissonanz hervorruft. Schuldgefühle können ein Hinweis darauf sein, dass der Standard zu hoch ist. Sie können aber auch ein Hinweis darauf sein, dass man eine rote Linie überschritten hat - und in dem Fall ist die Lösung, erstens, es nicht wieder zu tun. Zweitens, es versuchen wieder gutzumachen. Drittens, sich selbst zu vergeben.

* = gemeint ist die ganze Bandbreite an Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen. Psycho- und Soziopathen, Narzissten, Borderliner. Gemeinsam ist allen ein Empathiemangel, daher kommt es bei ihnen nicht zu dieser Rückkopplung.

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